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Coming-out-Day

Abbey: «Man fühlt sich danach wirklich gut, darum: Macht einfach!»

11. Oktober 2021, 16:22 Uhr
Die Erlinsbacherin Abbey hat sich schon in jungem Alter als bisexuell geoutet. Auf welche Art sie ihre sexuelle Orientierung ihren Eltern beigebracht hat und welche Tipps sie fürs Outing auf Lager hat, erzählt sie im Interview.
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Quelle: ArgoviaToday / Severin Mayer

Als Minderjährige das Coming-out bereits hinter sich zu haben, ist eher selten. Abbey aus Erlinsbach gehört dazu und hat Argovia-Moderatorin Vanessa Landert passend zum Coming-Out-Tag erzählt, wie es für sie war, ihre Eltern über ihre Bisexualität aufzuklären und warum sie ihr Coming-out wieder in einem Auto machen würde.

Zuallererst: Hat dein Coming-out vor den Eltern viel Überwindung gebraucht?

Abbey: Ja, definitiv. Ich bin sehr christlich aufgewachsen und ich musste mich sehr überwinden. Ich habe es aber nicht geheim halten wollen und später mit einer Freundin «mit der Tür ins Haus fallen» wollen.

Du hast dir sicher Gedanken gemacht im Vorhinein, wie du es ihnen am besten erzählst. Wie hast du es schliesslich gemacht?

Bei einer Autofahrt. Da muss man sich nicht in die Augen sehen, zumindest einer hat ja eine Aufgabe während des Fahrens. Wenn das Gespräch nicht gut läuft, hat man halt einfach Stille während der Autofahrt. Ich habe meiner Mutter einfach gesagt: «Mami, ich stehe auf Männer und auf Frauen, ist das für dich okay?»

Wie hat sie im ersten Moment reagiert?

Sie war ein «Bitzeli» geschockt, das ist, glaube ich, normal. Sie hat es erst einmal einfach aufgenommen und dann gesagt: «Es ist mir egal, ich liebe dich trotzdem. Du bist mir genauso wichtig und du bleibst die gleiche Person wie vorher.»

Ist eine deiner Ängste wahr geworden?

Nicht bei meiner Mutter. Mein Vater hat aber einfach gefragt, ob ich eine Freundin habe. Ich habe nein gesagt und dann war einfach Stille und eine komische Stimmung.

Wie war es denn nachher? Seid ihr einander aus dem Weg gegangen?

Wir haben kein schlechtes Verhältnis. Aber er war einfach geschockt. Dann war es ihm irgendwie auch egal. Aber er hat mich immer noch lieb.

Ist es vielleicht auch besser, dem Gegenüber Zeit zu lassen?

Ja, Zeit zum Überlegen. Es muss nicht immer hier ein «total toll» und da eine Umarmung kommen. Ich bin darüber auch nicht böse, es war nur anders als bei meiner Mutter.

Was wünschst du dir zu diesem Coming-out-Day?

Ich hoffe, durch diesen Beitrag fassen mehr Leute den Mut, sich zu outen. Und dass sie sich bewusst werden, dass es gar nicht so schlimm wird. Man fühlt sich danach wirklich gut, drum: Macht einfach!

Weitere Tipps von Abbey siehst du im Video.

(red.)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 11. Oktober 2021 16:16
aktualisiert: 11. Oktober 2021 16:22