Rollator oder Schlagzeug-Becken

Aarauer Fundbüro veranstaltet Flohmarkt auf dem Färberplatz:

3. Juli 2022, 07:59 Uhr
Im Fundbüro der Stadt Aarau werden vielerlei herrenlose Dinge abgegeben. Ob ein Pocket-Bike oder eine Gehilfe – auf dem Färberplatz wird man sicherlich fündig.
Im Aarauer Fundbüro sammeln sich allerlei Kuriositäten an.
© Aargauer Zeitung

Es passiert manchmal schneller, als man meint: Die Sonnenbrille im Bus rasch absetzen, das Portemonnaie zwischen Tasche und Oberkörper statt in die Tasche stecken, das Handy auf dem Klo liegen lassen. In der Stadt Aarau gehen jedes Jahr unzählige Dinge verloren. Wie viele davon auch wieder gefunden werden, ist unbekannt. Fest steht, dass jährlich rund 400 Fundgegenstände beim Fundbüro der Aarauer Stadtverwaltung abgegeben werden.

Nadine Marra, Leiterin Stadtbüro, erklärt: «Wird ein solcher Gegenstand bei uns abgegeben, tragen wir ihn beim Online-Fundbüro Easyfind ein.» Das empfiehlt sie auch allen Personen, die einen Gegenstand verloren haben: «Wenn wir ein gefundenes Objekt eintragen, wird der Eintrag mit der Liste der gesuchten Gegenstände abgeglichen.» Im Schnitt könnten insgesamt rund 50 Prozent der gefundenen Gegenstände wieder ihrem ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben werden, das hauptsächlich durch Easyfind.

Fünf Jahre lang hat man Anrecht auf seinen Gegenstand

Meldet sich niemand, kontaktiert die Stadt frühestens nach einem Jahr die Person, die den Gegenstand aufs Fundbüro gebracht hat. Marra: «Die Person kann den Gegenstand dann an sich nehmen, solange sie unterschreibt, dass sie vom Eigentumsvorbehalt Kenntnis genommen hat.» Sprich, falls sich in den nächsten vier Jahren doch noch jemand bei der Stadt meldet, wird die Person an den neuen Besitzer weiterverwiesen und hat dann das Recht, sein verlorenes Objekt zurückzuerhalten.

Läuft die Frist ab, ohne dass sich jemand für den Gegenstand interessiert hat, hat die Stadt die Pflicht, ihn zu verwerten, also zu verkaufen. Aarau macht das heuer in Form eines Stands am Flohmarkt am Samstag, 6. August, auf dem Färberplatz. 2019 war die erste Ausgabe, und die war erfolgreich, insgesamt wurden rund 800 Franken eingenommen, die der städtischen Kasse zugutekommen.

Marra: «Die letzten beiden Jahre konnten wir den Verkauf wegen Corona nicht durchführen.» Man habe zwar versucht, einige Gegenstände auf Webplattformen wie ricardo.ch zu versteigern, grosse Teile des Bestands seien nun aber noch da, weshalb das Sortiment am 6. August ein bisschen grösser sei als noch beim letzten Mal.

Nach dem Maienzug wird viel abgegeben

Es seien dabei nicht nur Kleidungsgegenstände und alltägliche Accessoires, die abgegeben würden, so Marra: «Es hat auch schon jemand einen Rollator gebracht, ein Pocket-Bike oder einen Kinderwagen.» Sie sei sich nicht immer sicher, ob die Gegenstände tatsächlich verloren oder einfach illegal entsorgt und dann gefunden würden, fügt sie an. Doch: «Im Zweifelsfall ist es sicher immer besser, damit zum Fundbüro zu kommen.»

Häufig werden dabei auch Taschen oder Rucksäcke verloren, die dann beim Fundbüro durchsucht und ausgeräumt werden. So habe die Stadt inzwischen auch eine ansehnliche Schmucksammlung angehäuft, die man trenne, so Marra: «Der Modeschmuck kommt auf den Flohmarkt und wird dort für ein paar Franken verkauft. Den echten Schmuck bringen wir zu einem unserer hier in Aarau ansässigen Spezialisten, lassen ihn schätzen und veräussern ihn dann.»

Die nächsten Tage machen sich Marra und ihr Team auf mehr Arbeit gefasst: «Nach Volksfesten, egal, ob nationale oder städtische, werden immer besonders viele Gegenstände zu uns gebracht.» Das dürfte nach dem diesjährigen Maienzug auch keine Ausnahme sein.

(Florian Wicki/Aargauer Zeitung) 

Quelle: Aargauer Zeitung
veröffentlicht: 3. Juli 2022 07:59
aktualisiert: 3. Juli 2022 07:59
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