Aarau

Neuerungen am Bachfischet – auch wegen Mehrweg-Pflicht

15. September 2022, 13:01 Uhr
Die Heinerich-Wirri-Zunft, die 1923 den Brauch des Bachfischets vor dem Untergang gerettet hat, feiert ihr 100-Jahr-Jubiläum. Deshalb fällt der Bachfischet von kommender Woche etwas anders aus.
Eindruck vom bachfischet 2019
© Aargauer Zeitung / Fabio Baranzini
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Auch wenn man sich tagsüber noch im Sommer wähnt; es herbstelet. Die Tage werden kürzer, am Morgen verhängt Nebel die Sicht. Nach drei Jahren Pause bekommt der Aarauer Herbst nun wieder das zurück, was ihn mit ausmacht: den Bachfischet. Seit bald 500 Jahren feiern die Aarauer Schulkinder nach dem Reinigen des Bachbetts die Rückkehr des Stadtbachs, der einstigen Lebensader der Stadt. Jahr für Jahr ziehen die Kinder mit Lampions durch die dunklen Altstadtgassen und singen lauthals «Fürio, de Bach brönnt».

Weil die Heinerich-Wirri-Zunft, die den Brauch 1923 vor dem Verschwinden bewahrt hat, heuer ihr 100-Jahr-Jubiläum feiert, wird der diesjährige Bachfischet am 23. September etwas ausserordentlicher als sonst.

Am Umzug laufen nicht nur Aarauer Kinder mit, sondern auch vier Schulklassen aus Erlinsbach, zwei Klassen aus Buchs, zwei Klassen aus der Partnerstadt Reutlingen sowie Mitglieder der Pfadi St.Georg und der Jubla Aarau (Jungwacht Blauring). Ausserdem marschiert auch ein privater Kindergarten vom KSA mit. Insgesamt rechnet die Zunft mit 2000 Teilnehmenden. Angeführt wird der Umzug von den Zünftern selbst, die mit einer eigenen Lampion-Kreation dabei sind.

«Bachfisch» eingeführt – wegen Mehrwegbecherpflicht

Der Umzug startet wie gewohnt um 20.15 Uhr auf dem Aargauerplatz und zieht via Vordere Vorstadt, Rathausgasse, Halden, Asylstrasse und Schachenallee auf die Schachenwiese. Auf dem Maienzugplatz werden die Kinder anschliessend verpflegt; diesmal aber nicht mehr mit «Ghackets und Hörnli» und einem Fläschli Eistee, sondern mit einem «Bachfisch» aus dem Töpferhaus, einem Küchlein in Fischform.

Der Grund für die Umstellung liegt laut Bachfischet-Obmann Philippe Guignard in der Pflicht für Mehrwegbecher und Depotflaschen, die in Aarau seit diesem Jahr gilt. Und das bei jedem Anlass mit mehr als 500 Teilnehmenden; die Heinerich-Wirri-Zunft hatte sich in der Vernehmlassung zur Mehrwegbecherpflicht vergeblich um eine Ausnahme bemüht. «Dass auch der Bachfischet davon betroffen ist, an dem knapp 2000 Schulkinder gratis verpflegt werden, ist mir in den falschen Hals geraten», sagt Guignard. «Ich kann doch von den Kindern nicht verlangen, dass sie ein Depot abgeben.»

Nicht gerüttelt wird hingegen an der Festwirtschaft; die Metzgerei Speck verkauft Wurst und Bier, Schleckzeug gibt es am Süssigkeitenwagen von Maya Hauri. Ausserdem gibt die Kadettenmusik nach dem Umzug auf dem Festplatz ein kleines Konzert. Traditionsgemäss findet auch das Feuerwerk mit dem gewohnten Mordschlapf zum Schluss statt.

«Bachfischet-Tänzli» wird wiederbelebt

Wiederbelebt wird übrigens das «Bachfischet-Tänzlein», das 1958 eingeführt und 1969 wieder abgeschafft worden war: Die Hopfenfreunde Aarau organisieren in der Markthalle Barbetrieb und Musik. Die Zunft hofft, diesen Ort mit einem neuen Akzent in den Fokus zu bringen. Mit dem Label Discotanze wird ab 16 Uhr mit Jil Corti eingewärmt, ab 21 Uhr wird gefeiert (21 Uhr Jil Corti, 22 Uhr Stereo Kulisse, 23.30 Uhr Tompaul).

Nach dem Bachfischet werden wie immer die schönsten Lampions pro Schulstufe juriert und durch die Heinerich-Wirri-Zunft ausgezeichnet. Statt des stufenunabhängigen Preises des Bachfischet-Obmanns gibt es dieses Jahr den Preis für das «schönste aller Lampions im Jubiläumsjahr». Ein bis zwei Lampions pro Schulklasse dürfen in den Altstadtgeschäften ausgestellt werden. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit Aarau Info, die Auswahl treffen Klassen- beziehungsweise Werklehrpersonen.

Quelle: Aargauer Zeitung
veröffentlicht: 15. September 2022 13:39
aktualisiert: 15. September 2022 13:39