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Schönenwerd

Aare-Toter starb wohl schon vor Wochen

11. Oktober 2021, 17:55 Uhr
Vergangenen Samstag fand ein Spaziergänger in der Aare bei Schönenwerd eine Leiche. Ungewöhnlich daran: Der Tote war bereits zu weiten Teilen mumifiziert. Ein Vorgang, der normalerweise nicht im Wasser stattfinden kann. Ein Rechtsmediziner klärt auf.
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Quelle: ArgoviaToday/Leonie Projer

Wie die gefundene Person ums Leben gekommen ist, ist immer noch unklar. Klar ist jedoch: Sie ist vermutlich schon längere Zeit tot.

Äussere Umstände spielen wichtige Rolle

Christian Lanz, Chefarzt der Rechtsmedizinischen Dienste der Solothurner Spitäler, erklärt gegenüber Tele M1: «Eine Leiche kann nicht im Wasser mumifizieren. Eine Mumifikation ist eine Vertrocknung. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass eine Leiche in der Nähe eines Fliessgewässers liegt, dort mumifiziert und dann bei einem Hochwasser von den Wassermassen mitgetragen wird.»

Zu sagen, wann genau die Person verstorben ist, sei aber trotzdem sehr schwierig. Dies hat laut Christian Lanz viel mit den äusseren Umständen, beispielsweise dem Wetter zu tun: «Biologische Prozesse gehen immer mit einer enormen Streubreite einher. Deshalb ist eine vernünftige Aussage kaum möglich. Wir müssen hier aber von einigen Wochen bis hin zu Monaten ausgehen.»

Ermittlung der Todesursache gestaltet sich schwierig

Die Aufgabe der Rechtsmedizin sei in so einem Fall doppelt schwer. Einerseits weil die Leiche bereits mumifiziert ist, andererseits weil sie auch noch eine gewisse Zeit im Wasser lag. Dies erschwere die Ermittlung der Todesumstände deutlich, so Lanz. Erschwerend komme hinzu, dass die Leiche durch das Wasser vom eigentlichen Ereignisort wegtransportiert wurde und deshalb wichtige Anhaltspunkte und Spuren fehlen würden.

Wie der Tote ums Leben gekommen sei, darüber könne man deshalb als Nicht-Involvierter nur spekulieren, sagt Lanz. Seiner Erfahrung nach könne es sich sowohl um einen Badeunfall, als auch um einen Suizid oder ein vertuschtes Tötungsdelikt handeln. Dies aufzuklären sei nun Sache der Polizei und des zuständigen Rechtsmediziners.

(umt)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 11. Oktober 2021 17:55
aktualisiert: 11. Oktober 2021 17:55