Aargau/Solothurn

Aargauer Gemeinden ringen um Nachwuchs - aber nicht alle

Freiwillige Feuerwehr

Aargauer Gemeinden ringen um Nachwuchs – aber nicht alle

10.11.2021, 09:25 Uhr
· Online seit 20.10.2021, 12:22 Uhr
Während einige Feuerwehren im Aargau jedes Jahr vergeblich um Nachwuchs kämpfen, führen andere Gemeinden Wartelisten. Was sind die Gründe dafür und gibt es bei der Feuerwehr einen Stadt-Land-Graben? Vorweg: Es ist komplizierter als es scheint.
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Die Feuerwehr ist unentbehrlich. Sie kommt nicht nur bei Bränden zum Einsatz, sondern ist auch nach Verkehrsunfällen, bei Hochwasser und anderen Krisensituationen zur Stelle. In der Schweiz sind alle 20- bis 44-jährigen feuerwehrpflichtig. Insbesondere junge Leute für die Feuerwehr zu mobilisieren, gestaltet sich in einigen Gemeinden aber als immer grössere Herausforderung. Die Gründe dafür sind vielfältig, sagt Fabian Engel, Präsident des Aargauischen Feuerwehrverbandes (AFV), gegenüber ArgoviaToday: «Viele wohnen nicht in dem Ort, in dem sie auch arbeiten, was für uns schwierig ist, weil es bei einem Einsatz meist schnell gehen muss.» Ein weiteres Problem sei die Toleranz von Arbeitgebern. «Im Vergleich zu früher akzeptieren immer weniger Vorgesetzte, wenn ihre Mitarbeitenden für einen Einsatz während der Arbeitszeit ausrücken müssen.»

Unterschiedliche Herausforderungen in Städten und auf dem Land

Dass es kleinere Gemeinden grundsätzlich schwieriger haben als Städte oder umgekehrt, glaubt Engel nicht. «Städte wie Aarau oder Baden haben durch die Grösse zwar mehr potenzielle Mitglieder als ein 300-Einwohner-Kaff, dafür ist das Stadtleben anonymer.» Aber: «Grösse hin oder her, am wichtigsten ist, dass die örtlichen Feuerwehren aktiv bleiben und mit der Zeit gehen.»

Wie «mit der Zeit gehen» aussehen könnte, zeigt die Feuerwehr Aarau. Neben verschiedenen PR-Massnahmen auf allen Kanälen bietet die örtliche Feuerwehr seit rund anderthalb Jahren eine Kinderbetreuung an. «Gerade für Paare, die beide bei der Feuerwehr sind, ist dieser zusätzliche Service eine enorme Entlastung», so der Kommandant David Bürge. Probleme, eine gute Feuerwehr-Crew zusammenzubekommen, hat man in Aarau nicht. «Es ist aber auch kein Selbstläufer», betont Bürge. «Wir müssen uns immer wieder Neues einfallen lassen, um attraktiv und vor allem sichtbar zu bleiben; sei dies durch Infoveranstaltungen oder Kampagnen, mit Plakaten, Flyern oder auch online.»

Kleine Gemeinde = grosses Nachwuchsproblem?

Vergangene Woche fand in der 3'700-Einwohner-Gemeinde Laufenburg die jährliche Rekrutierungsveranstaltung statt. Von den 150 Geladenen tauchten nur etwa 30 Leute an der obligatorischen Veranstaltung auf. «Den Leuten hier fehlt einfach der Bezug zur Feuerwehr», zeigte sich Kommandant Dominik Vogel enttäuscht nach der Veranstaltung. Dass man in Laufenburg ein Nachwuchsproblem bei der Feuerwehr habe, stehe ausser Frage.

Es gibt aber auch Gemeinden, die trotz – oder gerade wegen – ihrer kleinen Grösse keine Probleme haben, genug Leute für die Feuerwehr zu finden. Brittnau zum Beispiel. Hier hat man seit zwei Jahren keine Werbung mehr für die Feuerwehr machen müssen, sagt Kommandant Matthias Humm.

Vielfältige Lösungsansätze

Was wird getan, um die Feuerwehr wieder attraktiver zu machen? Mit Flyern, Plakaten und Onlinewerbung sollen die örtlichen Feuerwehren sichtbarer gemacht werden. Der Verband setzt zudem auf den Ausbau von Jugendfeuerwehren: «Das ist eine gute Möglichkeit, den Nachwuchs schon früh zu uns zu holen.» In Zukunft will man ausserdem einen Award einführen, der besonders feuerwehrfreundliche Unternehmen auszeichnen soll.

Die Beliebtheit der Feuerwehr scheint also nicht mit der Ortsgrösse zusammenzuhängen. Aber womit dann? Der Vereinspräsident überlegt einen Moment: «Das Vereinsleben, die Lage und die Geschichte der Gemeinden spielen sicherlich eine Rolle. Aber auch das wachsende Freizeitangebot, das Jugendlichen heute geboten wird, darf nicht unterschätzt werden.» Dass die Feuerwehr selber nicht mehr zeitgemäss sei, weisen alle angefragten Kommandanten vehement zurück.

(noë)

veröffentlicht: 20. Oktober 2021 12:22
aktualisiert: 10. November 2021 09:25
Quelle: ArgoviaToday

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