Non-Profit Missionen

Aargauer Operationsfachfrau im Einsatz in fernen Ländern

Adrian Frey, 20. Oktober 2022, 07:41 Uhr
Einsätze in fernen Ländern gehören zu ihrer Leidenschaft. Nun hat Salome Widmer zum ersten Mal selbst ein Operationsteam zusammengestellt und fliegt noch diese Woche nach Bangladesch. ArgoviaToday hat kurz vor ihrem Flug mit ihr gesprochen.
«Man bekommt vor Ort sehr viel Dankbarkeit und strahlende Kinderaugen zu spüren. Das ist für mich und das Team der grösste Lohn», sagt Salome Widmer.
© zVg
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13 Einsätze in 6 Jahren. Vier verschiedene Länder und jetzt kommt am Donnerstag bereits der nächste Einsatz dazu. Salome Widmer begibt sich nach Bangladesch, um auf einem Schiff Kinderleben zu retten. Geplant hat sie diesen Einsatz zum ersten Mal alleine. «Seit neun Monaten bin ich in Kontakt mit den Leuten vor Ort. Ich musste verschiedene Vorabklärungen treffen, Personal suchen und dabei auch mehrfach Rückschläge einstecken», erklärt die 28-jährige Operationsfachfrau.

Normalerweise gehört diese Arbeit nicht zu ihren Aufgaben, da sie sich immer einer Organisation angeschlossen hatte. Doch der Wunsch, selbst ein Operations-Team zu stellen, hat sie schon länger verfolgt. «Meine Wunschvorstellung ist, dass ich in Zukunft selbst eine Organisation gründen kann. Nun darf ich erste Erfahrungen sammeln.»

Einsätze aus Leidenschaft

Die ersten zehn Einsätze hat sie komplett selbst finanziert und dafür zum Teil bis zu vier Wochen Ferien pro Jahr bezogen. «Der Flug und das Hotel wird nicht bei allen Organisationen übernommen», sagt Widmer.

Mittlerweile bekommt sie auch Anerkennung vom Arbeitgeber, der ihre Einsätze schätzt und sie mit mehreren zusätzlichen Tagen unterstützt. Die finanziellen Auslagen der letzten Jahre bereut die Operationsfachfrau keine einzige Sekunde. «Man bekommt vor Ort sehr viel Dankbarkeit und strahlende Kinderaugen zu spüren. Das ist für mich und das Team der grösste Lohn.»

Bei den vergangenen Missionen behandelte die Operationsfachfrau mit dem Team vielfach Beckenumstellungen bei kleinen Kindern. «Wir sehen zwei- bis achtjährige Kinder mit Hüftfehlstellungen. Bei uns in der Schweiz wären diese Erkrankungen bereits im Babyalter ohne Operation behandelt worden» Im Ausland haben die wenigsten Länder ein so funktionierendes Gesundheitssystem wie bei uns. Darum seien solche Eingriffe für viele Menschen ohne Non-Profit-Organisationen gar nicht möglich.

Flexibilität und Teamarbeit ist gefragt

Das sechsköpfige Team, welches nach Bangladesch reist, besteht aus einem Viszeral- und einer Gefässchirurgin, einem Anästhesiearzt sowie einer Anästhesiepflege und zwei Operationsfachfrauen. Allesamt haben zwar Auslandserfahrung, aber noch nie auf einem Schiff operiert. Obwohl sie für Operationen in der Viszeralchirurgie angemeldet sind, wissen sie noch nicht, welche Eingriffe sie tätigen werden. Es können Kinder, aber auch Erwachsene sein, erzählt Salome Widmer. «Normalerweise wissen wir das zwei Wochen vorher, aber aus Gründen von mehreren Einsätzen ist das noch nicht bekannt.» Dass die gebürtige Sarmenstorferin so ein tolles Team zusammenstellen konnte, macht sie dankbar: «Ich kann mich voll auf mein Team verlassen. Sie unterstützen mich und bringen sich voll im Team ein. Einige haben sich sogar um Sponsorenbeiträge gekümmert, welche uns bei dieser Mission unterstützen.»

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 20. Oktober 2022 09:17
aktualisiert: 20. Oktober 2022 09:17