Betrug im Internet

Aargauerin erzählt von ihren Erfahrungen mit «Romance Scammern»

Leonie Projer, 1. August 2022, 16:47 Uhr
Von «Ich liebe dich» bis zu kaltblütiger Erpressung. «Romance Scammer» haben dreiste Methoden um ihren Opfern Geld abzuknöpfen. Eine 71-jährige Aargauerin hat dies am eigenen Leib erlebt.
Eine Aargauerin hatte monatelang Kontakt zu einem Romance Scammer, der sich als Alexander Greyson ausgab.
© Zur Verfügung gestellt

Sogenannte «Romance Scammer», die ihren Opfern im Internet Geld abknöpfen, werden immer häufiger. Kürzlich ging eine 62-jährige einem Betrüger auf den Leim und verlor mehrere zehntausend Franken. Eine 71-jährige Aargauerin erlebte beinahe dasselbe Schicksal. Sie setzt sich jetzt dafür ein, möglichst viele «Romance Scammer» aufzudecken.

Romance Scammer suchte Kontakt auf Instagram

Der erste Scammer kontaktierte die 71-Jährige im April 2019 auf Instagram. «Er fragte mich, wie es mir gehe und ich dachte: Hm, das ist aber noch nett.» Nach ein paar Wochen folgte das erste Telefonat. «Ab dann hatte der Scammer meine Nummer. Der ausführliche Austausch via Whatsapp oder Telefon nahm seinen Lauf. Damit starteten auch die Lügen», so die Aargauerin.

Betrüger gab sich als 56-jähriger Amerikaner aus

Der Romance Scammer nannte sich Alexander Greyson. Er erzählte davon, einen Wettbewerb gewonnen zu haben und dadurch die Möglichkeit zu haben, auf einer Ölbohrinsel zu arbeiten. «Zu Beginn waren die Unterhaltungen sehr harmlos. Er erzählte viel von seinem Leben und gab mir das Gefühl, daran teilzuhaben.» Er schickte ihr auch Fotos. Da wurde die Witwe aber zum ersten Mal misstrauisch: «Ich sagte ihm, dass er für sein Alter eine junge Stimme habe. Das kam beim Scammer aber gar nicht gut an und er wurde wütend.» Sie brach aufgrund dessen zum ersten Mal den Kontakt ab.

Die Ölbohrinsel ist eine beliebte Geschichte, welche die Scammer ihren Opfern auftischen. Dafür benutzen sie gefälschte Bilder.

© Instagram/@scamhaters.united

Scammer erfand Geschichten, um an Geld zu kommen

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Aargauerin und der Scammer schon seit ein paar Monaten auf Whatsapp geschrieben. Er machte ihr viele Komplimente, nannte sie «hüsch» und interessierte sich für sie. Nach ein paar Wochen Funkstille kam «Alexander Greyson» wieder angekrochen und entschuldigte sich. Er befände sich jetzt auf der Ölbohrinsel. «Dann fragte er mich nach Geld. Auf der Ölbohrinsel sei etwas kaputtgegangen und er habe keinen Zugang zu seinem Konto», erinnert sich die Aargauerin. Zum Glück blieb sie aber stur, auch wenn er sie mehrere Male nach finanzieller Unterstützung bat.

Mit solchen Nachrichten wollte «Alexander Greyson» an Geld kommen

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Bekannte wurde Opfer vom gleichen Scammer

Der Betrüger flog schliesslich auf, weil eine Bekannte von ihr, die ebenfalls zu seinen Opfern gehört, herausfand, dass seine Fotos von einem Datingportal stammen. Die 71-Jährige konfrontierte den Scammer damit. Da drehte der Wind. «Der Scammer nannte mich alt, krank und dumm. Das brachte das Fass zum Überlaufen.» Sie blockierte ihn überall und schloss damit ab. Sie weiss, dass sie mit einem blauen Auge davon gekommen ist. «Ich kenne Fälle, wo sich Frauen wegen den Romance Scammern hoch verschuldet haben. Da dreht sich bei mir der Magen um.»

Romance Scammer greifen zu dreisten Mitteln

Seit dem Vorfall sei die Pensionierte im System der Scammer gespeichert und bekomme zahlreiche Anfragen. Nicht alle sind so harmlos wie «Alexander Greyson». Sie wurde auch schon erpresst: «Einer drohte damit, mein Gesicht auf nackte Körper zu photoshoppen, wenn ich kein Geld schicke.» Ein anderer suchte sich ihre Kontakte auf Instagram heraus und drohte, bei ihnen ihren Namen in den Dreck zu ziehen. Mit solchen Fällen ging sie auch zur Polizei. Dort hiess es, sie solle die Betrüger einfach ignorieren.

Wie entlarvt man einen Romance Scammer?

Es gibt verschiedene Hinweise, die auf einen Scammer hindeuten könnten. «Bei diesen Betrügern handelt es sich meistens um ganze Banden. Man schreibt also nicht nur mit einer Person, sondern mit mehreren. Mir fiel zum Beispiel auf, dass sich der Schreibstil plötzlich änderte", so die Aargauerin. Der Betrüger sagte ihr, er wohne in Massachusetts. «Ich recherchierte die Adresse, die er mir angegeben hatte. Die Strasse gab es in dem Ort wirklich. Ich ging aber einen Schritt weiter und kontaktierte einen Kunsthändler, der dort sein Atelier hatte. Dieser bestätigte mir, dass die Hausnummer nicht existiere.» Accounts, die alle ihre Bilder am selben Tag gepostet haben, seien ebenfalls verdächtig und deuten auf einen Fake hin.

Was tun, wenn man eine Scammer an der Angel hat?

Die Rentnerin meint, man solle solche Accounts am besten sofort blockieren, um seine Ruhe zu haben. Zudem gibt es Accounts auf Facebook und Instagram, die diese Scam-Accounts öffentlich posten. Diesen könne man den Account melden. Sie posten ihn dann öffentlich auf ihrer Seite. So sehen alle, dass es sich um Betrüger handelt. Das wichtigste ist aber, dass man niemals Geld sendet und sicher keine Nacktfotos schickt.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 2. August 2022 07:28
aktualisiert: 2. August 2022 07:28
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