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Brugg-Windisch: Geschützte Konsumräume spalten die Aargauer Politlandschaft

Brugg-Windisch

Geschützte Konsumräume spalten die Aargauer Politlandschaft

· Online seit 11.10.2023, 05:41 Uhr
Brugg ist in den letzten Jahren zu einem Drogenhotspot im Aargau geworden. Die Polizei als auch die Gemeinden haben jedoch keine wirkliche Lösung dafür. Ein Experte sagt, dass geschützte Konsumräume ein essenzieller Teil bei der Problemlösung sein können. Diese gibt es aber im Aargau nicht.
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Rund um den Bahnhof Brugg spitzt sich die Drogenproblematik weiter zu. Thilo Beck, Psychiater und Co-Chefarzt des Arud Zentrum für Suchtmedizin, kritisiert, dass es im Aargau keine geschützten Konsumräume für Suchtkranke gibt. Diese wären ein wichtiger Teil bei der Problemlösung in Bezug auf den Drogenhotspot rund um den Bahnhof in Brugg und auf Windischer Seite.

Handlungsbedarf in Brugg-Windisch vorhanden

Luzia Capanni, SP-Grossrätin aus Windisch, sieht das ähnlich. Die Situation spitze sich zu, obwohl das Drogenproblem bereits seit längerem ein Thema sei. Die nationale und kantonale Drogenpolitik beruht auf einer Vier-Säulen-Politik. In Brugg werde aber eher durch die Kantons- und Regionalpolizei mit repressiver Art vorgegangen. «In Windisch und Brugg reagiert die Politik vor allem mit Repression durch die Polizei», sagt Capanni gegenüber ArgoviaToday. Damit verschiebe man das Problem einfach lokal und löst es am Ende nicht.

«Eine Säule ist die Schadensminderung und Risikominimierung, welche im Kanton Aargau kaum berücksichtigt wird», sagt Luzia Capanni. Die SP-Grossrätin ist der Meinung, dass daher genau in diesem Bereich angesetzt werden müsse. Eine Bedarfs- und Angebotsanalyse des Departement Gesundheit und Soziales aus dem Jahr 2021 zeigt nämlich auf, dass es einen ausgewiesenen Handlungsbedarf in diesem Bereich für Menschen mit Suchterkrankungen gibt. Capanni ist der Meinung, dass man in diesem Gebiet unbedingt vorwärtskommen muss: «Bei der Schadensminderung gibt es verschiedene Massnahmen, eine davon sind Aufenthaltsmöglichkeiten durch den Tag, in welcher der Konsum toleriert wird – die sogenannten Konsumräume.»

Konsumräume ja, aber nicht in Brugg-Windisch

SVP-Grossrat Miro Barp hingegen findet, dass man Abstand von einem geschützten Konsumraum in Brugg-Windisch nehmen sollte. «Das Einzige, was diese Räume unterstützen, ist die Gesundheit der Menschen, lösen aber das Problem an sich nicht», sagt er gegenüber ArgoviaToday. Diese Konsumräume würden zu einem Magneten für Suchtkranke werden und die Szene würde sich dann um diese Räume schnell und stetig vergrössern, so der Grossrat. Dies führe laut Barp dazu, dass an diesen Stellen ein illegaler Austausch von Drogen stattfinden würde. «Das wird zu gross. Das kann man nicht mehr kontrollieren. Die Polizei würde überfordert sein», führt Miro Barp aus.

Die Vier-Säulen-Politik findet Miro Barp gut. «Die funktioniere ja auch in anderen Gebieten recht einwandfrei.» Besonders hervorheben will er zudem die Arbeit der Polizei: «Die machen einen sehr guten Job. Das kann ich so unterschreiben.» Er ist der Ansicht, dass es genügend Therapiemöglichkeiten für Suchtkranke im Aargau gibt. «Man muss sich jetzt besser vorbereiten auf Crack-Patientinnen und Patienten, denn auf diese ist man noch nicht ausreichend ausgerichtet.» Für Barp ist es entscheidend, dass man die Säule der Schadensminderung und Risikominimierung dezentral aufbaut. Diese müssen ausserhalb von Hotspots errichtet werden, da sich sonst die Drogenszene vergrössere. «Auf die Schnelle werden Konsumräume aber nicht notwendig sein», so der SVP-Grossrat weiter.

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veröffentlicht: 11. Oktober 2023 05:41
aktualisiert: 11. Oktober 2023 05:41
Quelle: ArgoviaToday

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