Musikbranche

«Fuck you Spotify» – Adrian Stern sieht Veränderung als Chance

23.01.2024, 09:24 Uhr
· Online seit 23.01.2024, 09:17 Uhr
Geld gibt es für Musikerinnen und Musiker neu erst ab 1000 Streams. Dies hat Spotify im letzten Jahr beschlossen. Der Badener Musiker Adrian Stern erklärt, wie diese Kürzung viele Schweizer Künstlerinnen und Künstler betrifft. Für junge Talente sieht er sie aber als Chance.
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Seit diesem Jahr verdienen viele kleinere Schweizer Musikerinnen und Musiker kein Geld mehr mit Spotify. Viel war es auch davor allerdings nie! Bis vor kurzem wurde jeder Stream mit einem kleinen Betrag, der weniger als einen Rappen war, entlohnt. Wie «SRF» schreibt, gibt es seit dem 1. Januar nicht mal mehr das. Geld bezahlt Spotify neu erst bei Songs, die jährlich mehr als 1000-mal gespielt werden. Diese Anzahl würden laut SRF nur einen Drittel der Songs erreichen.

Das betrifft auch viele Künstlerinnen und Musiker aus der Schweiz. «Eigentlich müssten wir sagen ‹Fuck you Spotify!›. Das traut sich aber niemand», sagt der Badener Musiker Adrian Stern und redet sich im Gespräch mit ArgoviaToday in Rage. «Die meisten Künstler und Künstlerinnen in der Schweiz verdienen nicht das grosse Geld mit Spotify, deshalb ist es wie ein Sturm im Wasserglas.» Dennoch fällt für einige noch eher unbekannte Musikerinnen und Musiker der kleine Zustupf jetzt komplett weg.

Weil es zu teuer ist, will Spotify unter 1000 Streams kein Geld mehr bezahlen. Die Kosten seien höher als die Entlöhnung. Im Jahr würden deshalb 40 Millionen Dollar versanden, schreibt SRF weiter. «Dann denke ich mir einfach, wir haben Computerpower, all diese automatisierten Abläufe und die Berechnung der Daten. Für die Kleinen haben sie keine Kapazität mehr», sagt Adrian Stern mit Wut in der Stimme.

Trotzdem sei es für die meisten keine Option, die Streamingplattformen komplett zu meiden. «Du möchtest ein attraktives Angebot haben und tolle Songs, die sich herumsprechen. Dafür braucht es Spotify. Aber auch ich verdiene das Geld erst, wenn die Leute ans Konzert kommen», erklärt der Badener. Diese Menschen bezahlen das Konzertticket und würden vielleicht sogar noch Merch und anderes kaufen.

Den jungen Künstlerinnen und Künstler rät er trotzdem noch auf altbewährte Taktiken zurückzugreifen. «Ich würde einen ‹Grassroots-Ansatz› nicht vergessen. Du kannst spielen und vor dem Publikum stehen. Am Anfang sind es vielleicht fünf. Aber das spricht sich dann rum.» Auch Adrian Stern verdiente zu Beginn seiner Karriere an einer CD gerade mal einen Franken. Durch seine Methoden wurde er bekannt und konnte mit Auftritten und Konzerten irgendwann von der Musik leben.

«Junge Künstlerinnen und Künstler sind kreativ, ideenreich, sie kennen mehr Wege als ich. Ich kann ihnen sagen, dass sie es auch mal mit alten Methoden probieren sollen.» Dabei spricht der 48-Jährige von Email-Listen. «Aber ich traue diesen kreativen Menschen absolut zu, dass sie ihren Weg finden werden.»

Quelle: Argovia Fäscht/Leonie Projer (5.6.2022)

Vielleicht sei die Veränderung von Spotify eine Chance für kreative Menschen, sich von dem Druck zu befreien, spekuliert Adrian Stern. «Ich hoffe, dass die Jungen das Beste draus machen – und diesen grossen Firmen damit ans Bein pissen.»

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veröffentlicht: 23. Januar 2024 09:17
aktualisiert: 23. Januar 2024 09:24
Quelle: ArgoviaToday

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