Energie

Umweltaktivisten protestieren erneut gegen Reservekraftwerk Birr

29. Oktober 2022, 19:37 Uhr
Trotz Widerstand und Einsprachen hat der Bundesrat den Betrieb eines Notkraftwerks in Birr in Rekordzeit durchgewinkt. Im Winter würde bei Stromknappheit mit Gas oder – viel wahrscheinlicher – Öl Strom produzieren. Zum wiederholten Mal haben am Samstagnachmittag Aktivisten dagegen protestiert.
Anzeige

Für die Protestierenden kommt Strom aus fossiler Energie nicht einmal als Notlösung in Frage. Deshalb ist für sie auch das Reservekraftwerk in Birr der falsche Weg. Es gebe auch andere Lösungen, sagt der Pressesprecher Cyrill Hermann: «Für uns ist die Lösung ganz klar, das man Suffizienzmassnahmen einführt. Dass man in kürzester Zeit 25 bis 40 Prozent unseres Energieverbrauchs ohne jeglichem Verlust einsparen kann. Das würde das gesamte Ölkraftwerk in Birr einsparen. Oder auch ein ganzes Atomkraftwerk in der Schweiz.» Ausserdem stört man sich an der undemokratischen und unverhältnismässigen Politik in dieser Klimakrise.

Konkrete Beispiele, wie dieser Strombedarf eingesprat werden könnte, blieb Hermann aber schuldig. Er sieht das Bundesparlament in der Verantwortung: «Es gibt diverse technologische Lösungen wie man das umsetzen kann. Wir sehen uns nicht in der Verantwortung, als Schüler technische Lösungen zu präsentieren.»

Regierungsrat Attiger: «Setzen alles daran, dass das Kraftwerk nicht gebraucht wird.»

Geht es nach der Aargauer Regierung, gibt es so kurzfristig aber gar keine andere Lösung: «Das ist die letzte Notreserve, bevor wir keinen Strom mehr haben», sagt Regierungsrat Stephan Attiger, «dann soll das Kraftwerk Strom liefern. Von dem her der Bau richtig.» Aber: «Klar, wir werden alles daran setzten, dass es nicht gebraucht wird.»

In einer Mitteilung vom Samstag kritisieren die Organisatorinnen und Organisatoren auch, dass die Schadstoffemissionen der acht in Birr geplanten Gas- oder Öl-Turbinen die Grenzwerte der Luftreinhalteverordnung überschreiten könnten. Das war diese Woche bekannt geworden. Die Verordnung soll deshalb temporär angepasst werden.

Friedliche Demo

Wie ein Mediensprecher der Aargauer Kantonspolizei auf Anfrage sagte, verlief die Kundgebung der rund 40 bis 50 Protestierenden ruhig und friedlich. Die Klimastreik-Bewegung sprach von rund 70 Teilnehmenden. Bereits vor drei Wochen hatte in Birr eine kleine Demonstration gegen das Reservekraftwerk stattgefunden.

Im Januar ist ein Testbetrieb vorgesehen.

(red./sda)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 29. Oktober 2022 16:50
aktualisiert: 29. Oktober 2022 19:37