Anzeige
Studie mit Hilfe vom KSB

Wenn du dieses Gen hast, ist dein Risiko für einen schweren Corona-Verlauf höher

6. September 2021, 15:51 Uhr
Das Kantonsspital Baden (KSB) nahm an einer Studie teil, um herauszufinden, ob die Gene für einen schweren Verlauf verantwortlich sind. Spoiler: Sie sind es. Besonders ein Subtyp eines Moleküls steigert das Risiko für eine maschinelle Beatmung – der gleiche, der mit schweren HIV-Verläufen in Verbindung gebracht wird.
Das Kantonsspital Baden war an der Studie beteiligt (Symbolbild)
© Aargauer Zeitung/Alex Spichale

Wieso erkranken einige Menschen schwerer an Corona und andere nicht? Als Faustregel galt bis jetzt: Umso älter ein Mensch ist und umso mehr Vorerkrankungen er hat, desto wahrscheinlicher ist es, einen schweren Verlauf zu haben. Die Ärzte vermuteten lange, dass die Gene ebenfalls einen wichtigen Teil dazu beitragen. Jetzt ist es endgültig bewiesen.

Zu diesem Schluss kommt nun eine internationale Studie unter der Leitung der Berliner Charité. Mit dabei war auch ein Team vom Kantonsspital Baden, schreibt das KSB in einer Mitteilung. Vor Ort in Baden waren nebst Professor Jürg H. Beer auch die Ärzte Dimitri Patriki, Stjepan Jurisic, Jonas Rutishauser und Benedikt Wiggli sowie Hansruedi Schmid, Co-Leiter des KSB-Labors, in die Studie involviert. Dabei wurden 400 erwachsene Patienten aus Deutschland, Spanien und der Schweiz untersucht.

Seltener Molekül-Typ

Im Zentrum ihrer Beobachtungen standen das Humane Leukozytenantigen-System (HLA-System). Das ist eine Gruppe menschlicher Gene, die für die Funktion des Immunsystems zentral sind. Die HLA-Moleküle helfen unter anderem dem Immunsystem, zwischen körpereigenem und körperfremdem Gewebe zu unterscheiden.

Die Studie zeigt: Insbesondere ein bestimmter Typ des HLA-Moleküls wird mit einem schweren Verlauf und einem hohen Risiko für eine maschinelle Beatmung in Verbindung gebracht. «Es wurde eine Rezeptorvariante an der Oberfläche von weissen Blutkörperchen gefunden, das sogenannte HLA‐C* 04:01 Allel, das mit einem schweren Verlauf bei einer COVID‐19‐Erkrankung assoziiert ist», sagt Dimitri Patriki, der die Studie im KSB leitete.

Ungefähr 16 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind Träger dieser Variante. Sie haben dadurch im Falle Corona-Infektion ein zweifach erhöhtes Risiko für die Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Behandlung mit künstlicher Beatmung

Verlauf voraussagen

Diese Erkenntnis kann bei der Behandlung von grosser Bedeutung sein. Sie bietet potenziell die Möglichkeit, Personen mit einem grossen Risiko für einen schweren Verlauf zu identifizieren, schreibt das KSB.

Heisst das, es wird bald einen Test geben, mit dem man bestimmen kann, ob man einen schweren Verlauf haben wird? Laut Patriki wäre das durchaus möglich. Man könnte Patienten mit COVID‐19 auf diese Genvariante zu untersuchen, um eine frühe und bessere Risikostratifizierung vorzunehmen.

Wichtige Erkenntnisse

Aber sind jetzt nicht mehr Alter und Vorerkrankungen ausschlaggebend? Doch, sagt Omar Gisler. «Wie gross der Einfluss der Gene ist, muss noch erforscht werden. Aktuell steht fest, dass das Alter, die Vorerkrankungen und neu eben die Gene für den Verlauf einer Corona-Infektion ausschlaggebend sind. Was wie viel Bedeutung hat, muss noch erforscht werden.»

Die Erkenntnisse sind aber nicht nur für das Coronavirus wichtig. «Diese HLA‐Variante wurde schon früher mit einem schweren Verlauf einer HIV‐Infektion in Zusammenhang gebracht und scheint eine wichtige Rolle bei der Abwehr und beim Schweregrad von Viruserkrankungen zu spielen», so Patriki.

(gch)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 7. September 2021 08:28
aktualisiert: 6. September 2021 15:51