Axpo prüft

Beznau: Das älteste Kernkraftwerk der Welt könnte noch lange am Netz bleiben

28.03.2024, 14:07 Uhr
· Online seit 28.03.2024, 13:46 Uhr
Der Stromproduzent Axpo setzt weiterhin auf Kernkraft. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilt, wird derzeit geprüft, ob das Kernkraftwerk Beznau über das Jahr 2030 hinaus weiterbetrieben werden kann, um die Versorgungssicherheit der Schweiz mit Strom zu gewährleisten.
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Die Schweiz brauche mehr Strom, um ihre Klimaziele zu erreichen, heisst es in der Mitteilung des Konzerns. Bis zum Jahr 2050 fehlten aber schweizweit über 50 Terawattstunden (TWh), das seien über 80 Prozent des heutigen Stromverbauchs, welcher noch nicht durch Erneuerbare produziert werden kann. Der Energiekonzern will einen deutlichen Zubau der Erneuerbaren gleichzeitig vorantreiben.

Axpo setzt sich für Ja zum Stromgesetz am 9. Juni ein

Mit dem Stromgesetz, über das die Schweizer Stimmbevölkerung am 9. Juni abstimmt, werde der Ausbau inländischer erneuerbarer Energiequellen gefördert. Darunter die Realisierung von allein 16 Wasserkraftprojekten, um die Stromversorgung vor allem im Winter sicherzustellen.

Laufzeitbeschränkung von 60 Jahren aussetzen

Kernkraftwerke dürfen grundsätzlich betrieben werden, solange sie sicher sind. Bisher wurde mit einer Laufzeit von 60 Jahren für Beznau gerechnet. Der Reaktorblock Beznau I ging 1969, der Reaktorblock II 1971 ans Netz. Heisst: Eigentlich würde das älteste noch betriebene KKW Beznau 2029 vom Netz genommen werden. Nun klärt die Axpo die technische Machbarkeit, um das Kraftwerk 10 Jahre länger laufen lassen zu können. Innert eines Jahres soll ein Vorprojekt Faktoren im Bereich Sicherheit, aber auch Verfügbarkeit von Fachpersonal klären. Das Kraftwerk versorgt heute nach Unternehmensangaben rund 1,3 Millionen Terawattstunden Strom und damit rund 1,3 Millionen Vierpersonenhaushalte. Fast die Hälfte des Schweizer Stroms kommt demnach im Winter aus Kernkraft.

Energiestiftung: «Axpo bricht eigene Versprechen»

Kritik kommt stehenden Fusses. Die Schweizerische Energiestiftung SES schreibt in einer Mitteilung, der mögliche Weiterbetrieb des KKW Beznau sei gefährlich für die Schweiz. Axpo versuche damit, den aktuell hohen Strompreis und den politischen Auftrieb für die Kernkraft für sich zu nutzen – «trotz klarem Beschluss von Bund und Stimmvolk zum Atomausstieg».

Um die Sicherheitsmängel der Kernkraftwerke Beznau 1 und 2 zu beheben, würde de facto ein Neubau notwendig werden, heisst es weiter. Das käme aber viel zu teuer. Ausserdem werde der Ausbau von Solar- und Windenergie die Produktion des bereits abgeschalteten KKW Mühleberg, Beznau 1 und 2 bereits in zwei Jahren ersetzt haben, schreibt die SES weiter. Auch sie unterstützt  das neue Energiegesetz.

veröffentlicht: 28. März 2024 13:46
aktualisiert: 28. März 2024 14:07
Quelle: ArgoviaToday

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