Anzeige
Ansturm auf Testzentren

Corona-Genesene sind empört: Kein Zertifikat ohne PCR-Test

1. Juli 2021, 13:02 Uhr
Das Covid-Zertifikat ist aktuell ein begehrtes Papier. Auch Anina Projer hatte nach ihrer Genesung von Covid den Anspruch auf ein Zertifikat. So wie vielen anderen Schweizerinnen und Schweizern wurde ihr jedoch keines ausgestellt.
Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: Tele M1 / ArgoviaToday

Vor rund zwei Monaten hatte sich Anina Projer mit Corona infiziert. Da sie schnell eine Antwort über ihren Gesundheitszustand wollte, hat ihr die Apothekerin empfohlen, anstatt eines PCR-Tests einen Antigen-Schnelltest zu machen: «Für mich war dieser Entscheid gut, die Antwort hatte ich in wenigen Stunden.»

Kein Genesenen-Zertifikat ohne PCR-Test

Laut Vorgaben vom Bund kann man als Genesene ein Corona-Zertifikat beantragen. Dieses ist dann ein halbes Jahr lang gültig. Auch Projer wollte ein Zertifikat beantragen, um in Zukunft zu reisen oder an Konzerte zu gehen. Beim Bund stiess die 25-Jährige jedoch auf eine Abweisung: «Da ich während meiner Krankheit nur einen Antigen-Schnelltest und keinen PCR-Test machte, kann ich kein Zertifikat beantragen.» Das, obwohl der Test nicht älter als ein halbes Jahr alt war.

Dass sie mit einem Antigen-Schnelltest kein Zertifikat bekommt, war der 25-Jährigen damals noch nicht bewusst. «Wenn ich damals gewusst hätte, dass für ein Zertifikat ein PCR-Test nötig ist, dann hätte ich einen gemacht. Ich dachte, dass die Leute im Testcenter das wussten», so Projer. Dazu kommt: Das BAG empfiehlt, eine Impfung erst ein halbes Jahr nach der Genesung zu machen, um starke Nebenwirkungen zu vermeiden. «Ich finde das einfach nicht fair», so Projer. Rund 60'000 Schweizerinnen und Schweizer haben laut Schätzungen des BAG dasselbe Problem. Sie haben einen positiven Schnelltest, jedoch keinen PCR-Test und somit auch kein Zertifikat.

Damit Projer in Zukunft also reisen kann, muss sie bis zu ihrer Impfung jedes Mal einen PCR-Test machen. Neben den hohen Kosten würde sie noch auf ein weiteres Problem stossen.

Spitäler kommen mit den PCR-Tests nicht mehr nach

Momentan ist es schwierig, an einen Termin für einen PCR-Test zu gelangen. Seit den Lockerungen der Corona-Massnahmen, die seit dem Wochenende in Kraft sind, gibt es einen regelrechten Boom auf die Testzentren. Denn für einen Club- oder Konzertbesuch muss man ein negatives Testergebnis vorweisen. Gleiches gilt bei Auslandsreisen. Da vielerorts die Ferien vor der Tür stehen, steigt die Nachfrage. Das bemerkt auch das Kantonsspital Aarau, wie der Infektiologe Sebastian Haubitz erzählt: «Wir haben momentan einen grossen Ansturm. Das Testzentrum ist für die nächsten Tage sehr gut ausgelastet.» Insbesondere in der zweiten Wochenhälfte nehmen die Buchungen für die PCR-Tests zu.

Einen Test-Termin muss man in den meisten Testzentren mindestens sieben Tage im Vorhinein buchen. Um sicherzugehen, dass man einen Test-Termin bekommt, sollte man genug früh buchen. Personen mit Symptomen wird immer ein Termin gewährt. Deshalb empfiehlt Haubitz: «Der Zeitpunkt, um sich impfen zu lassen, könnte nicht besser sein. Dann kann man auch auf die Tests verzichten.» Das Impfzertifikat ist für ein Jahr gültig.

Anina Projer sitzt momentan also zwischen Stuhl und Bank. «Es liegt nicht daran, dass wir den Genesenen mit einem positiven Schnelltest-Ergebnis nicht glauben», so Haubitz. Das Problem soll laut dem Infektiologen auf eine EU-Norm zurückzuführen sein. Mittlerweile raten die Apothekerinnen und Apothekern Personen, die einen positiven Schnelltest haben, zusätzlich einen PCR-Test zu machen. Zudem haben Personen mit einem positiven Antigen-Schnelltest die Möglichkeit, sich nur einmal impfen lassen zu müssen.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 1. Juli 2021 12:42
aktualisiert: 1. Juli 2021 13:02