Pfizer oder Moderna?

Das solltest du über Kreuzimpfungen wissen

Ursina Mühlethaler, 7. Januar 2022, 09:29 Uhr
Wer über 30 Jahre alt ist und geboostert wird, der kann seinen Impfstoff nicht wählen, sondern wird generell mit Moderna geimpft. Die Pfizer-Dosen sind unter 30-Jährigen vorbehalten. Deshalb kommt es oftmals zur sogenannten Kreuzimpfung – wir erklären dir, was man zur heterologen Impfung bereits weiss und was nicht.
In der Schweiz werden primär die Impfstoffe von Pifzer/Biontech und Moderna eingesetzt. Astra Zeneca kommt hierzulande nicht zum Zug.
© Keystone/dpa/Daniel Karmann
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Kreuzimpfungen nennt man Impfungen, bei denen mindestens bei einer Verabreichung ein anderer Impfstoff gespritzt wurde. Beispiel: Eine Person aus dem Aargau, 35 Jahre alt, wurde im Juni 2021 geimpft und hat die ersten beiden Male den Impfstoff von Pfizer/Biontech erhalten. Dieser wird nun aber aus logistischen Gründen und wegen der Empfehlung der EKIF nur noch unter 30-Jährigen verabreicht, weshalb diese Person bei ihrem Boostertermin mit dem Moderna-Vakzin geimpft wird und so also eine Kreuzimpfung erhält.

Was empfiehlt die Eidgenössische Kommission für Impffragen?

In der offiziellen Empfehlung der EKIF heisst es: «Grundsätzlich sollte eine Auffrischimpfung möglichst mit demjenigen mRNA-Impfstoff verabreicht werden, der für die Grundimmunisierung benutzt wurde. Wenn dieser nicht vor Ort verfügbar ist, kann auch der jeweils andere mRNA-Impfstoff eingesetzt werden.» Bedeutet also: Wenn möglich, sollte immer der gleiche Impfstoff verwendet werden. Sollte dies aus logistischen Gründen nicht machbar sein, ist eine Kreuzimpfung auch möglich.

Eine Ausnahme gibt es bekanntlich bei unter 30-Jährigen: Dort empfiehlt die EKIF klar den Pfizer/Biontech-Impfstoff – auch wenn dies bei vielen zu einer Kreuzimpfung führt.

Weshalb wird von Kreuzimpfungen abgeraten?

Kreuzimpfungen sind momentan eher verpönt. Ein Luxusproblem, wenn man daran denkt, dass viele Länder noch nicht einmal einen gesicherten Zugang zu irgendeinem Impfstoff, geschweige denn eine Wahl zwischen mehreren Impfstoffen haben.

Die ablehnende Haltung gegenüber Kreuzimpfungen hat ihren Ursprung wohl unter anderem in der Empfehlung der EKIF. Die schreibt nämlich, dass es für die Beurteilung und Sicherheit einer heterologen Auffrischimpfung – also beispielsweise einer Grundimmunisierung mit Moderna und einer Auffrischimpfung mit Pfizer – noch nicht genügend veröffentlichte Daten gibt. Eine heterologe Auffrischimpfung alias Kreuzimpfung erfolge deshalb «ausserhalb der Zulassung durch Swissmedic» und es finde ein sogenannter «Off-Label-Use» statt, so die EKIF.

Wie wirksam ist eine Kreuzimpfung?

Laut Christoph Fux, Chefinfektiologe am Kantonsspital Aarau (KSA), hängt die Wirksamkeit in erster Linie von der Wahl der Impfstoffe ab, sagt er gegenüber ArgoviaToday. Grundsätzlich gilt laut Fux: «Je mehr Moderna, desto höher die Schutzwirkung». Heisst also: Wer bei der Grundimmunisierung mit Pfizer geimpft wurde und nun einen Moderna-Booster erhält, dessen Schutz wird aufgewertet. Wer gleich dreimal Moderna gespritzt bekommt (im Aargau nur für über 30-Jährige möglich), der hat im Vergleich den bestmöglichen Schutz. Dies heisst aber nicht, dass dieser Impfstoff besser ist, er ist einfach für die Grundimmunisierung dreimal und für den Booster eineinhalb Mal höher dosiert als Pfizer.

Die These, dass Kreuzimpfungen grundsätzlich wirksamer seien, kann Fux nicht bestätigen. Denn: In den Studien, die dazu gemacht wurden, lag der entscheidende Unterschied bei der Kombination der Impfstoffe. Bei Studienteilnehmenden, die zuerst mit Astra Zeneca oder Pfizer und dann mit Moderna geimpft wurden, konnte danach ein höherer Antikörper-Spiegel festgestellt werden. Dies lag aber nicht primär an der Kreuzimpfung an sich, sondern an der höheren Wirksamkeit von Moderna, erklärt Fux im Interview mit ArgoviaToday. Bedeutet: Kreuzimpfungen bieten dann einen wirksameren Schutz, wenn mit dem Moderna-Vakzin geboostert wird.

Muss ich bei einer Kreuzimpfung mit stärkeren Nebenwirkungen rechnen?

Diese Frage lässt sich Fux zufolge nicht generell beantworten. Denn auch hier kommt es auf den Impfstoff und auf den Körper der geimpften Person an. «Die Nebenwirkungen bei der Grundimmunisierung sagen die Nebenwirkungen beim Booster nicht 1:1 voraus», so Fux. Es könne sein, dass jemand, der bei der Grundimmunisierung mit Pfizer geimpft wurde und starke Nebenwirkungen hatte, beim Pfizer-Booster gar nichts spürt. Statistisch könne man diese Frage also beantworten, im Einzelfall aber nicht. Es sei unmöglich, bei Einzelpersonen vorauszusagen, ob sie einen Pfizer-Booster nun gut vertragen, wenn sie zuvor bei der Moderna-Grundimmunisierung Nebenwirkungen hatten. Hier seien lediglich Spekulationen aufgrund der Dosis und des Impfstoffs möglich – konkrete Voraussagen aber nicht.

Das Spektrum an möglichen Nebenwirkungen bleibe allerdings gleich, auch bei der Booster-Dosis. Am häufigsten kommt es Studien zufolge zu diesen Nebenwirkungen:

Nach deiner Booster-Impfung solltest du deinem Körper wenn möglich Ruhe gönnen. Von Sport wird in den Tagen direkt nach der Impfung abgeraten. Bei schweren Nebenwirkungen oder Nebenwirkungen, die von den üblichen abweichen, wende dich an deinen Hausarzt.

Du hast noch keinen Booster-Termin und möchtest dich anmelden? Hier findest du alle wichtigen Informationen für den Kanton Aargau. Aktuell kannst du dich in der Schweiz frühestens vier Monate nach deiner zweiten Impfung boostern lassen.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 7. Januar 2022 07:15
aktualisiert: 7. Januar 2022 09:29