Wochenserie

Der Aargau: Ein Pionier im Biodiversitätsschutz

Céline Elber, 25. April 2022, 13:28 Uhr
Rüeblitorte, weisse Socken und schlechte Autofahrer – der Kanton Aargau ist für vieles bekannt. Es gibt aber noch etwas, das oft vergessen geht: Der Aargau ist auch der Kanton der Biodiversität.

Mit dem Jura, den Flusstälern und all den verschiedenen Regionen und Lebensräumen hat der Kanton Aargau eine gute Voraussetzung für Biodiversität. 20'000 bis 25'000 verschiedene Tier-, Pflanzen- und Pilzarten leben im Aargau. «Als Wasserschloss der Schweiz hat der Kanton Aargau eine riesige Bedeutung für die Biodiversität in Feuchtgebieten», sagt Simon Egger, der die kantonale Natur- und Landschaftsschutzstelle leitet. «Dass der Kanton so reichhaltig ist, das ist eigentlich ein Geschenk», stellt er fest. Damit kommt aber auch eine grosse Verantwortung.

Der Aargau als Musterschüler

Eine Verantwortung, die der Aargau auch wahrnimmt. In Sachen Biodiversität ist der Aargau ein Musterschüler. Wichtig dafür sei insbesondere, dass der Aargau die gesetzlichen Grundlagen für den Biodiversitätsschutz schon früh gelegt habe, sagt Simon Egger. «Wir sind zum Beispiel einer der wenigen Kantone, die den ökologischen Ausgleich im Gesetz verankert haben, und wir sind der einzige Kanton, der einen Auenschutzpark in die Verfassung geschrieben hat.» Vor bald 30 Jahren hat das Aargauer Stimmvolk beschlossen, dass ein Prozent der Kantonsfläche zu einem Auenschutzgebiet umgewandelt werden muss. Eine Fläche von über 2'000 Fussballfeldern wird im Aargau also den Bibern, Fröschen und Fischen überlassen. Ausserdem habe der Kanton Aargau auch schon früh konkrete Projekte für den Natur- und Biodiversitätsschutz lanciert.

Die Aare bei Auenstein 1970 und 2020

Frösche, Fledermäuse und Vögel

Deshalb gebe es im Aargau auch viele Erfolgsgeschichten. «Der Laubfrosch fühlt sich zum Beispiel richtig wohl hier», sagt Simon Egger. Seit den 80er-Jahren habe die Population der Laubfrösche im Aargau drastisch abgenommen. «Seit wir aber in die Förderung investieren, ist die Population regelrecht explodiert.» Auch das Schwarzkehlchen, ein kleiner Vogel, komme wieder in den Aargau zurück. Und die grosse Hufeisennase, eine Fledermausart, sei ebenfalls eine spezielle Art für den Aargau: «Mit unseren Anstrengungen konnten wir sie erhalten.»

Keine einfache Aufgabe im Mittelland

Trotzdem, auch im Kanton Aargau stösst der Biodiversitätsschutz an seine Grenzen. «Als Mittellandkanton sind wir in einem Raum, der sehr intensiv genutzt wird. Im Aargau haben wir zwar Schutzgebiete, aber die sind häufig zu klein und schlecht miteinander verbunden», sagt Simon Egger. Auch sonst sei die Landschaft durch Strassen zerschnitten und die überbaute Fläche nehme stark zu. Unter dem Strich sei die Biodiversität deshalb auch im Aargau nicht gewachsen. Ein Beispiel dafür ist die Erhebung zu den Kulturlandvögeln. «Im Vergleich zu den 80er-Jahren haben wir sehr viele Verluste erlitten.» Von den neun Arten, die untersucht wurden, hat eine zugenommen, bei drei blieb der Bestand ungefähr gleich. «Die restlichen fünf Arten sind regelrecht abgestürzt», sagt Simon Egger. Ähnlich sehe es auch bei anderen Tier- und Pflanzenarten aus. Es gibt zwar viele Erfolgsgeschichten, aber auch viele Verluste.

Mehr zum Thema Biodiversität liest du bis und mit Freitag hier auf ArgoviaToday.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 25. April 2022 05:39
aktualisiert: 25. April 2022 13:28
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