Grenzregion

Der Aargau sucht nach Lösungen gegen LKW-Schleichverkehr

11. Juni 2022, 07:43 Uhr
Beinahe jeden Tag fahren hunderte Lastwagen aus Deutschland durch den Aargau in Richtung A1 und sorgen damit für ein erschwertes Verkehrsaufkommen in den umliegenden Gemeinden und Dörfern. Die Anwohner haben genug davon.
Täglich nutzen hunderte Lastwagen den Grenzübergang Waldshut durch den Aargau in Richtung A1.
© Imago

Es ist mittlerweile ein täglicher Anblick. Langsam rollt ein Lastwagen nach dem nächsten aus Europa vom deutschen Grenzübergang in Waldshut-Tiengen her durch das untere Aarethal in Richtung A1. Aktuell machen diese Fahrten zehn Prozent des üblichen Verkehrs aus. Und das wird immer mehr zum Ärgernis der Bevölkerung.

Dieser Abschnitt gehört zu den bevorzugten. 1300 LKWs oder Schwertransporter überqueren jeden Tag die Rheinbrücke zwischen Waldshut in die Schweiz nach Koblenz. «Der Verkehr sucht sich immer den schnellsten Weg», sagt Thomas Ziegler gegenüber dem «SRF». Er ist der Leiter des Büro Siegmann Swiss Verzollungen am betroffenen Grenzübergang Waldshut-Tiengen. Jedoch ist Waldshut im Vergleich zu Basel, Rheinfelden und Thayngen eher ein kleiner Grenzübergang. In Basel stehen LKWs regelmässig stundenlang im Stau.

Die Schweiz und Baden-Württemberg wollen zusammenarbeiten

Im Aargau verursachen die Lastwagen ebenfalls erhebliche Verkehrsprobleme. Denn dort fahren sie vom Grenzübergang in Richtung Brugg auf die A1 und nutzen dafür häufig die Kantonstrasse. Das sei so aber eigentlich nicht gedacht, wie Carlo Degelo zum «SRF» sagt. Degelo ist zuständig für die Abteilung Verkehr im Aargau. «Der LKW-Verkehr aus Deutschland beispielsweise ins schweizerische Mittelland sollte eigentlich über die Hochleistungsstrassen A3 und A1 fahren.» Eigentlich. Doch die Realität sieht anders aus.

Der Schwerverkehr nimmt den Weg des geringsten Widerstandes. Und genau das soll jetzt angegangen werden. Eine neue Verkehrsstudie soll sich genau mit diesen Widerständen befassen. Erstmals hantieren das Bundesland Baden-Württemberg und die Schweiz mit denselben Zahlen und wollen die Verkehrsprobleme gemeinsam angehen.

Digitale Verkehrslenkung noch kein Thema

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Die Grüne) benennt etwa 30 vorgeschlagene Massnahmen, welche die Lebenssituation der Menschen und Anwohner bei Weitem verbessern sollen. Dazu gehören beispielsweise zwei neue Brücken über den Rhein. Und eine von diesen Brücken soll bei Waldshut-Tiengen gebaut werden. Allerdings wird die Brücke nicht mit Freude begrüsst. Der VCS Aargau und ein weiterer lokaler Verkehrsverband befürchten, dass damit eine Schleuse geöffnet werden könnte und somit noch mehr Verkehr über die Kantonsstrassen geleitet wird. Zollfachmann Thomas Ziegler gibt den Befürchtungen recht: «Wo eine solche Brücke eröffnet wird, gibt es automatisch mehr Verkehr.»

Eine digitale Verkehrslenkung ist im Aargau noch kein Thema. Dennoch dürfte die Digitalisierung in Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen. Die Zollverwaltung will mit ihrem Digitalisierungsprojekt bis 2026 moderner und vor allem schneller werden. Carlo Degelo hofft dabei darauf, dass sich der LKW-Verkehr dann besser verteilt. Vor allem die Zollabwicklungen an den jeweiligen Grenzübergängen müsse bald digitalisiert werden. Nur dann könne in Spitzenzeiten der Übergang reibungsloser ablaufen. Der normale Pendlerverkehr werde nicht behindert und müsse nicht darunter leiden. Zumindest besteht dann die Hoffnung, dass die LKWs dann wieder auf den hiesigen Autobahnen fahren, wo sie eigentlich auch sollten.

(red.)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 11. Juni 2022 08:35
aktualisiert: 11. Juni 2022 08:35
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