Abstimmungssonntag

Die Nein-Sager das Kantons Aargau leben im Süden

29.11.2021, 09:19 Uhr
· Online seit 29.11.2021, 06:00 Uhr
Nach dem Abstimmungssonntag zeigt sich erneut ein ähnliches Bild wie bei der «Ehe für alle»-Initiative im September: «Nein» sagt man vor allem im «Aargau Süd». Woran das liegt und warum Ennetbaden ein ganz anderes Bild abgibt.
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Es war ein klares Ergebnis: Das Covid-19-Gesetz wird von der Schweizer Stimmbevölkerung deutlich mit 62 Prozent angenommen, im Aargau mit 62,6 Prozent. Erinnern wir uns kurz zurück an Ende September, an die Abstimmung zur «Ehe für alle». Eine ganz andere Thematik, aber ein ähnliches Ergebnis (die Initiative wurde damals schweizweit mit 64,1 Prozent angenommen). Und noch etwas ist auffällig ähnlich: Diejenigen, die im Aargau ein «Nein» in die Urne legten, lebten mehrheitlich im Süden des Kantons. Das ist auch dieses Mal wieder der Fall.

Weitläufigkeit als Grund für das «Nein»

Am vehementesten gegen das Covid-19-Gesetz ausgesprochen haben sich dabei die Schmiedruederinnen und Schmiedrueder mit 61,4 Prozent Nein-Stimmen. Frau Gemeindeammann Marliese Loosli sagt, es gäbe keine eindeutige Erklärung dazu. «Ich glaube, es hat keinen Einfluss, wo man hingehört und was man macht. Wir sind hier auf dem Lande. Schmiedrued ist eine flächenmässig grosse Gemeinde mit einer kleinen Bevölkerungsdichte. Ich glaube, diese Weitläufigkeit macht es aus, dass man in Schmiedrued mit der ganzen Corona-Lage nicht so in Berührung kommt wie zum Beispiel in Städten oder Agglomerationen», so Loosli im Interview mit Radio Argovia. Sie glaubt auch nicht, dass man im Aargau Süd mehr Wert auf die viel diskutierte Selbstbestimmung legt. Dass es in ihrer Gemeinde nun aber zu Aufständen kommen würde, sei bestimmt nicht der Fall. «Die Schmiedrueder sind weltoffene Menschen. Das Ergebnis können sie gut verkraften, denn das Resultat ist klar, es wurde demokratisch abgestimmt und es ist, wie es ist. Das Leben geht weiter bei uns, die Schmiedrueder nehmen das so an.»

Diese Aargauer Gemeinden waren auch gegen das Covid-Gesetz

Die weiteren Gemeinden, die sich im Aargau nicht mit dem Covid-19-Gesetz anfreunden konnten, sind:

  • Holziken (Nein: 50,3%)
  • Reitnau (Nein: 54,5%)
  • Kirchleerau (Nein: 51,7%)
  • Schlossrued (Nein: 52,2%)
  • Gontenschwil (Nein: 56,2%)
  • Burg (Nein: 50,9%)
  • Dürrenäsch (Nein: 51,8%)
  • Leutwil (Nein: 51,8%)
  • Hallwil (Nein: 52,1%)
  • Uezwil (Nein: 59,4%)
  • Holderbank (Nein: 53,5%)
  • Mönthal (Nein: 51,8%)
  • Mandach (51,7%)
  • Wiliberg (Nein: 52,2%),

Und wegen zwei Stimmen fiel auch in Beinwil (Freiamt) das Abstimmungsergebnis auf ein Nein.

«Meine Stimme macht ja eh nichts aus», sagst du. Hier der Beweis, dass dem nicht so ist!

Oftmals stimmen Schweizer Bürgerinnen und Bürger nicht ab, weil sie sich einreden, ihre Stimme mache «den Braten nicht feiss». Wie man aber an Beinwil (Freiamt) sieht, können einzelne Stimmen ganz viel ausmachen. Albert Betschart, Beinwiler Gemeindeammann, sagt zum hauchdünnen «Nein» seiner Gemeinde: «Wahrscheinlich darf man die ländlichen Gegenden schon noch etwas anders betrachten als die städtischen Orte, denke ich. Man sieht es ja bei jeder Abstimmung, dass die ländlichen Ergebnisse anders ausfallen als in den Städten. Und gerade heute zeigt sich, dass, wenn es um etwas geht, jede Stimme zählt. Auch wenn es schlussendlich nur zwei Stimmen sind, die entscheiden.» Darum nutzt der Gemeindeammann die Möglichkeit, um die Bevölkerung zu ermahnen: «Es ist egal, worum es geht. Gebt bei jeder Abstimmung eure Stimme ab, egal ob jung oder alt oder mittelalt. Ein Resultat gibt's immer – es ist dann schade, wenn man nur die Faust im Sack macht.»

Viel mehr «Ja» geht nicht

Wie Albert Betschart schon erwähnt hatte, sprachen sich vor allem die Städte deutlich für das Covid-19-Gesetz aus. Doch die Nadel schlägt in Bezug auf die Ja-Stimmen im Aargau in einem kleinen Ort am meisten nach oben aus: Ennetbaden stimmte dem Gesetz mit 82 Prozent am deutlichsten im Kanton zu. Für den Gemeindeammann Pius Graf ist das keine Überraschung: «Ennetbaden ist eine sehr offene und liberale Gemeinde, die die staatstragenden Entscheide unterstützt.» Im Vergleich zum Aargau Süd sieht Pius Graf seine Gemeinde als eine, die bei vielen Themen, zum Beispiel aus Bildung und Wirtschaft, einen deutlichen Ausschlag ins Progressive habe. Ob das an den Bewohnern von Ennetbaden oder an der eher privilegierten Lage im Wirtschaftsdreieck liegt, kann er nicht abschliessend beurteilen. «Auch wir haben traditionelles Gewerbe, zum Beispiel den Weinbau, und auch immer wieder Neuzuzüger. Aber wir haben in den letzten Jahren konsequent in Bildung, in Tagesstrukturen investiert, die oftmals Doppelverdiener mit einer offenen Einstellung zum Zusammenleben in einer Gesellschaft in unser Dorf gelockt haben.» Woran auch immer das deutliche «Ja» liegen möge, SP-Politiker Pius Graf ist über diesen Entscheid aus Ennetbaden, aber auch aus dem Kanton Aargau und der ganzen Schweiz sehr froh.

(sfr)

veröffentlicht: 29. November 2021 06:00
aktualisiert: 29. November 2021 09:19
Quelle: ArgoviaToday

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