Schatzkiste Schürmatt

Die Partnerbörse für behinderte Menschen

25. Juni 2022, 13:45 Uhr
Die «Schatzkiste Argovia» der Stiftung Schürmatt in Zetzwil vermittelt Menschen mit Behinderung passende Partnerinnen und Partner. Wie bei Tinder also – und doch speziell.
Die «Schatzkiste Argovia» der Stiftung Schürmatt in Zetzwil vermittelt Menschen mit Behinderung passende Partnerinnen und Partner.
© Imago

«Die Anforderungen an die Partnerinnen und Partner sind ähnlich wie bei uns: Möglichst schön und möglichst schlank», sagt Erika Füglister. Eines aber ist anders bei beeinträchtigten Menschen: Möglichst mobil müsse ein zukünftiger Partner oder eine zukünftige Partnerin sein. «Weil sie wollen ja ihre Mobilität ausleben.» Erika Füglister ist Verantwortliche der Schatzkiste Argovia von der Stiftung Schürmatt. Die Stiftung bietet behinderten Menschen ein zu Hause, sie gehen in der Schürmatt in die Schule oder in die Therapie, sie arbeiten in den Werkstätten und sie verlieben sich.

Profil erstellen und Matches suchen

Wer auf der Suche nach einem Partner oder einer Partnerin ist, meldet sich zuerst auf der Homepage der Schatzkiste an, dann wird ein persönliches Profil erstellt. Das funktioniert aber nicht ganz so, wie bei einschlägigen Dating-Apps wie etwa Tinder, sondern beim persönlichen Gespräch mit Erika Füglister und ihrem Team. «Wir fragen nach der Persönlichkeit der Person, wie sie sich selber sieht, wie sie ihre Beeinträchtigung sieht und natürlich auch nach den Vorstellungen ihres neues Schatzes.»

Und dann ist es doch wieder so, wie bei Tinder: Auf einer Plattform sind die verschiedenen Profile hinterlegt und Erika Füglister sucht nach einem sogenannten «Match». Es geht also darum, ein passendes Pendant zu suchen. Die Erfolgsaussichten seien übrigens für die Frauen höher als für die Männer, verrät Füglister. Weil nur ein Fünftel der Suchenden Frauen sind aber vier Fünftel Männer.

Das erste Date

Wenn ein Match gefunden ist, wird das erste Date organisiert. Man trifft sich in der Stiftung Schürmatt, in den meisten Fällen seien dann auch die Betreuungspersonen dabei. «Alle sind dann natürlich sehr aufgeregt», sagt Füglister. «Wir probieren dann meistens die Spannung ein wenig rauszunehmen. Aber dann überlassen wir die beiden sich selbst und sie können sich austauschen.»

Wenn das Paar es so will, verlassen die Betreuenden den Raum. Manchmal wollten sie dies aber nicht, dann bleiben Erika Füglister und die Betreuenden da. «Dann unterstützen wir sie und versuchen, zusammen mit den beiden das Gespräch zu führen.»

«Auch behinderte Menschen wollen Sexualität leben»

Alles Weitere, ob zwei Menschen zueinander finden oder nicht, bleibt dann Liebesgott Amor überlassen. Für Füglister ist klar: Den Menschen in der Stiftung geht es wie allen anderen auch, sie wollen nicht alleine sein. «Und sie wollen teilweise auch ihre Sexualität leben. Nicht alle Paare, aber einige.»

Für Menschen mit Beeinträchtigungen sei es aber schlicht schwieriger, jemanden zu finden, mit dem man eine Beziehung führen kann. Umso wichtiger ist es, dass die Schatzkiste Argovia diese Möglichkeit bietet.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 25. Juni 2022 11:33
aktualisiert: 25. Juni 2022 13:45
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