Volkskrankheit

Gürtelrose trifft immer häufiger Jüngere – woran liegt das?

Michelle Brunner, 21. November 2022, 09:00 Uhr
Immer mehr junge Menschen leiden unter Gürtelrose. Auslöser kann unter anderem vermehrter Stress sein. Doch ist das auch der Grund, weshalb immer mehr daran erkranken? ArgoviaToday hat bei einem Experten nachgefragt.
Immer häufiger leiden junge Menschen unter Gürtelrose. (Symbolbild)
© Getty
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So harmlos der Name klingt – wer einmal unter Gürtelrose litt, der möchte nicht ein zweites Mal das Virus haben. Betroffene klagen vor dem sichtbaren Ausbruch, wie gruppierte Bläschen auf der Brust, meist über ein Unwohlsein. Wie Sabine Kurzidem, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie bei Skinmed in Lenzburg, erzählt, ist man nach einer Ansteckung nicht unbedingt immun. Eine weitere Ansteckung kann nicht ausgeschlossen werden.

Vermehrt Jüngere leiden an Gürtelrose

In der Regel leiden vor allem Personen ab 60 Jahren häufiger an der Herpeserkrankung. Grund: Bei älteren Menschen kommt es zu einer Abnahme der Abwehrfunktion und man wird so anfälliger für den Ausbruch der Viren.

Die Krankheit kann man trotzdem in jedem Alter bekommen. «In letzter Zeit leiden vermehrt auch jüngere Patientinnen und Patienten an Gürtelrose», so Kurzidem. Weiter erzählt die Expertin: «Ein Anstieg der Erkrankung ist seit dem Ende der Corona-Pandemie zu beobachten» Das sei darauf zurückzuführen, dass die Immunabwehr der Betroffenen infolge der Hygienen- und Isolationsmassnahmen immer weiter abnahm. Infolgedessen wird man anfälliger für einen Infekt.

«Keine Gürtelrose ohne Windpocken»

Schuld an der Erkrankung ist ein Erreger, welcher den Namen Varicella-Zoster-Virus trägt. Wenn man sich einmal damit ansteckt, dann bekommt man die Windpocken. Meist geschieht das bereits in der Kindheit. Nach der Ansteckung ist man zwar gegen die Windpocken geschützt, jedoch kann man sich ein zweites Mal mit dem Erreger infizieren und eine Gürtelrose bekommen – daraus wird dann die Gürtelrose. Während die Windpocken nämlich im Körper wüten, nistet sich das Virus in den Nervenknoten ein, welche in der Nähe des Rückenmarks liegen. Dort schlummern sie ein ganzes Leben. Wie Kurzidem erläutert, gilt somit der Grundsatz: «Keine Gürtelrose ohne vorherige Windpockeninfektion oder Windpocken-Impfung.»

Wenn die Körperabwehr geschwächt ist, beispielsweise aufgrund von Stress, starken Medikamenten oder einer Immunschwäche, können die Viren wieder aktiv werden und die Gürtelrose auslösen. Auch ausgedehnte Sonnenbäder können als Auslöser fungieren.

Leide ich unter einer Gürtelrose?

Meist macht sich eine Gürtelrose schleichend bemerkbar. Zu Beginn fühlt man sich angeschlagen und müde. «Zudem berichten die Patientinnen und Patienten über einseitig brennende Schmerzen in einem umschriebenen Hautareal», erläutert die Expertin. Im weiteren Verlauf treten häufig in Gruppen angeordnete Bläschen auf gerötetem Grund auf, welche unter der Krustenbildung abheilen.

Weitere Symptome und Anzeichen findest du hier. 

«Betroffene sollen sich schonen»

«Bei jungen Menschen verläuft die Krankheit meist harmlos und ohne Komplikationen», sagt Kurzidem. Bei älteren Patientinnen und Patienten kann die Erkrankung jedoch durch eine akute Nervenentzündung starke Schmerzen verursachen, die sich zu chronischen und somit lebenslang anhaltenden Schmerzen entwickeln können. «Dies bezeichnet man postzosterische Neuralgie. Das Risiko hierfür steigt bei Patientinnen und Patienten nach dem 50. Lebensjahr an», heisst es weiter.

Um die Gürtelrose zu behandeln, werden im Bereich der betroffenen Stellen austrocknende und antiseptische Umschläge eingesetzt. «Ebenfalls sollen sich die Betroffenen schonen», so die Fachärztin. Zusätzlich können Medikamente, welche die Vermehrung des Virus hemmen, eingesetzt werden. «Wichtig ist , dass diese innerhalb von 72 Stunden nach Beginn der Bläschenbildung verabreicht werden», denn laut Kurzidem kann nur in dieser Zeit einer Vermehrung des Virus entgegengewirkt werden. «Ebenfalls steht eine Impfung gegen Gürtelrose zur Verfügung», so Kurzidem weiter. Empfohlen wird diese bei Patientinnen und Patienten ab dem 60. Lebensjahr sowie Betroffenen mit einer Immunschwäche.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 21. November 2022 08:20
aktualisiert: 21. November 2022 09:00