Vertraute Umgebung

Hausgeburten werden immer beliebter

10. Januar 2022, 13:22 Uhr
Noch nie kamen so viele Babys auf die Welt wie im Jahr 2021. Doch auch der Wunsch nach einer Geburt in einer vertrauten Umgebung stieg bei vielen Familien im vergangenen Jahr an. Wir haben nachgefragt, weshalb das der Fall war.
Immer mehr Frauen wollen eine Geburt in einer vertrauten Umgebung haben.
© Getty
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Während im Kantonsspital Baden rund 1850 Kinder geboren wurden, kamen im Kantonsspital Aarau im Vergleich zum Vorjahr acht Prozent mehr Kinder auf die Welt. Doch auch der Wunsch nach einer Geburt ausserhalb eines Kreisssaals wird bei vielen Familien immer beliebter. Promis oder Influencer machen es vor und dokumentieren diese auf ihrem Profil bis ins kleinste Detail. Auch Helene Fischer hat «um Weihnachten» ihre Tochter in den eigenen vier Wänden in Bayern zur Welt gebracht, wie die «Bild» berichtete. Doch weshalb wollen Frauen immer öfters ihr Kind in einer gewohnten Umgebung zur Welt bringen? ArgoviaToday hat nachgefragt.

Dass immer mehr Frauen auf eine Geburt in einer vertrauten Umgebung setzen, ist für Karin Welter, Mutter eines drei Wochen alten Sohnes, verständlich. Sie selbst hat sich für eine Hausgeburt entschieden, ohne jegliche medizinische Hilfe oder eine Hebamme. «Für mich war das der Weg, bei dem ich mich sicher fühlte», so Welter. Ihrer Meinung nach vertrauen Frauen zu oft auf ihren Arzt und nehmen so das Erlebnis nicht mehr richtig wahr: «Der weibliche Körper weiss, was er während einer Geburt zu tun hat. Das liegt in unserer DNA», so Welter.

Eine Geburt in einer vertrauten Umgebung sei deshalb ihrer Meinung nach eine gute Option, um sich als Frau besser kennenzulernen und das Erlebnis der Geburt mehr zu schätzen.

Mehr Geburten im Geburtshaus KSA

Dass das Verlangen nach einer Geburt ausserhalb des Spitals ansteigt, bemerkte auch das Kantonsspital Aarau. Aus diesem Grund bietet es Geburtenzimmer im Geburtshaus Nordstern an. «Die Betreuung im Geburtshaus unterscheidet sich vom lebhaften Schichtsystem. Die Schwangere und ihre eigene Hebamme kennen sich durch die Schwangerschaftsvorsorge sehr gut, es gibt keine Wechsel in der Betreuung und die Geburt verläuft nach ihren eigenen Rhythmen», so Monya Tedesco, Chefärztin Geburtshilfe im KSA. Zahlen zeigen, dass die Nachfrage nach einem Zimmer in den letzten Jahren stark angestiegen ist. Im Jahr 2021 wurden so 203 Kinder geboren, was rund ein Viertel mehr ist als im Vorjahr. 40 Kinder erblickten in Begleitung einer Hebamme das Licht der Welt durch eine Hausgeburt.

Nicht jede Frau kann ausserhalb des Spitals gebären

Doch nicht alle Frauen können in einem Geburtenhaus oder während einer Hausgeburt ihr Kind gebären. «Im Geburtshaus gibt es weder medizinische Schmerzmittel noch eine kontinuierliche Herztonüberwachung. Auch eine Rückenmarksnarkose ist nicht möglich», so Tedesco. Hausgeburten oder Geburten in einem Geburtshaus eignen sich daher nur für gesunde Frauen, bei denen eine komplikationslose Geburt zu erwarten ist.

Wie sich der Trend in diesem Jahr entwickeln wird, kann man noch nicht voraus sagen. «Geburten lassen sich nicht planen», so Tedesco abschliessend.

(mbr)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 11. Januar 2022 07:54
aktualisiert: 11. Januar 2022 07:54