Wenn Drogen, dann sicher

Hohe Koks-Qualität am Sonic Festival

Cyrill Felder, 9. November 2022, 12:46 Uhr
Der Boden bebte vergangenes Wochenende rund um Wolfwil. Das Sonic-Festival war mit 8000 Besuchern ein voller Erfolg. Erstmalig wurde in Wolfwil ein «Drug-Checking» für die Besuchenden angeboten. Die anonyme Drogen-Kontrolle sei sehr gut angekommen.
In Wolfwil wurde Kokain und Amphetamin am häufigsten analysiert.
© FRESHFOCUS
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Tausende Besucherinnen und Besucher tanzten samstagnachts auf rund 13'000 Quadratmetern beim «Switzerland's Biggest Dance Festival». Harte Bässe vibrierten die ganze Nacht im Industriegebiet von Wolfwil. Es ist kein Geheimnis, dass an Techno-Partys auch Drogen konsumiert werden. Mit Substanzprüfungen gehen Suchthilfen gegen Überdosen und Vergiftungen vor. Ganz unter dem Motto: «Wenn Drogen, dann sicher.» Das ist die Idee der «Drug-Checking-Angebote»

«Das Angebot wurde sehr gut genutzt»

Geleitet wurde das Drug-Checking von Jill Zeugin, Sozialarbeiterin der Suchthilfe Basel. Neben den mobilen Prüf-Angeboten an Festivals leitet sie ein stationäres Angebot von Drug-Checking in Basel. Für den Einsatz angefragt wurden sie vom Kanton Solothurn, da es dort kein vergleichbares Angebot gibt. In zwei Schichten aufgeteilt testete ein Team von 15 Personen diverse Substanzen. Die Sozialarbeiter informierten und sensibilisierten die Konsumenten über die Rauschmittel, wie Zeugin erklärt: «Das Angebot wurde sehr gut genutzt, sodass wir die ganze Nacht ausgelastet waren. Insgesamt wurden 62 Proben genommen.»

Rattengift im Kokain?

Beim Drug-Checking werden die abgegebenen Proben genaustens auf dessen Inhalt untersucht. Jill Zeugin und ihr Team untersuchen die Proben und analysieren, ob einer oder mehrere psychoaktive Stoffe enthalten sind: «In einer quantitativen Analyse stellen wir fest, wie viel der psychoaktiven Substanz in der Pille oder im Pulver enthalten ist. Zusätzlich untersuchen wir die Proben auf psychoaktive Streckmittel. Auf Füllmittel wie Mehl oder Maizena im Kokain testen wir die Proben nicht, da diese nicht gesundheitsschädigend sind.»

Es kursieren Gerüchte, dass Dealer Kokain mit Rattengift strecken würden oder Tabletten ohne Wirkung verkaufen. Sogenannte Placebo-Tabletten, die keinen Wirkstoff enthalten. Zeugin erklärt, wieso dies aber kaum auftrete: «Diese Gerüchte bestätigen sich nicht, da Dealer grundsätzlich Interesse daran haben, ihren Kundenstamm glücklich zu machen, sodass sie später wieder mehr kaufen würden.» Der Placebo-Trick würde vor allem an Grossveranstaltungen angewendet werden, wo Dealer ihre Waren an Spontankunden verkaufen.

Getestete Drogen werden entsorgt

Um seine Drogen untersuchen zu lassen, muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Die Altersgruppe der Testenden sei aber komplett durchmischt: «Die Personen, die unser Angebot nutzen, sind zwischen 18 und 70 Jahre alt. Das Durchschnittsalter ist aber zwischen 25 – 35 Jahren», erläutert Zeugin. Viele der Personen seien Freizeitkonsumenten, seien also nicht abhängig. Es gebe viele Konsumenten, die ihr Leben im Griff haben und sich bewusst für einen Wochenendrausch entscheiden, ähnlich wie beim Alkohol.

Was bei der Kontrollstelle getestet wird, bleibt auch dort und darf dem Konsumenten nicht mehr zurückgegeben werden. Es werde aber nur so viel von der Substanz genommen, wie benötigt, um eine qualifizierte Analyse durchzuführen.

Freizeitkonsum oder Abhängigkeit?

Um Substanzen testen zu lassen, ist es obligatorisch, einen Fragebogen auszufüllen. Dieser erhebt wichtige Informationen für eine nationale Statistik. Daten wie Alter, Geschlecht und aktuelle Arbeitstätigkeit werden erfasst. Auch die Quantität des Konsums wird im Fragebogen erfragt. Es gehe vor allem darum, dass die Personen ihren eigenen Konsum reflektieren, wie Jill Zeugin erklärt: «Wir fragen die Leute nach ihrem Zustand, ihrem Wohlbefinden. Wenn sich anhand der Antworten eine Abhängigkeit vermuten lässt, bieten wir Hilfe an.»



Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 12. November 2022 06:43
aktualisiert: 12. November 2022 06:43