Spitalauslastung

Infektiologe Fux: «Dann werden Leute sterben, weil sich andere nicht impfen lassen»

Manuel Fasol, 2. Dezember 2021, 15:41 Uhr
Der Aargauer Regierungsrat zieht die Schraube bei den Corona-Schutzmassnahmen an. Er weitet unter anderem die Maskentragepflicht aus und ordnet eine Zertifikatspflicht in Gesundheits- und Betreuungseinrichtungen an. Infektiologe Christoph Fux vom Kantonsärztlichen Dienst erklärt, warum dies wichtig ist und wie sich die Situation in den Spitälern derzeit zuspitzt.

Quelle: ArgoviaToday / Tele M1 / Severin Mayer

Seit Wochen steigen die Infektionszahlen in der Schweiz an. Der Bundesrat schlug deshalb zu Beginn der Woche mehrere neue Schutzmassnahmen vor. Der Kanton Aargau ist mit den meisten Punkten einverstanden, wie er am Donnerstag mitteilte. Teilweise geht der Aargauer Regierungsrat gar weiter als der Bund. Und er macht vorwärts, denn die neuen Massnahmen gelten bereits ab Samstag.

Derweil ist der Aargau, was die epidemiologische Lage angeht, ungefähr im Mittelfeld und im Verhältnis «noch gut dran», wie es Christoph Fux vom Kantonsärztlichen Dienst formuliert. Um sogleich zu warnen: «Die Belastung für die Spitäler im Aargau ist bereits jetzt hoch, man musste erste Operationen verschieben.»

Peak wird über die Festtage erwartet

Für den Moment bedeute diese Belastung in den Spitälern vor allem mehr Arbeit für die Mitarbeitenden, die bereits jetzt mehr Nacht- oder Wochenenddienste leisten müssen als normalerweise. Diese Mehrbelastung und die Befürchtung, dass über die Festtage ein neuer Peak der Neuinfektionen und Spitaleinweisungen erwartet wird, tragen zur belasteten Stimmung bei. Seit Monaten gäbe es immer wieder Kündigungen.

«Besonders besorgniserregend ist, dass diese Leute nicht in ein anderes Spital wechseln, sondern sie verlassen das Gesundheitswesen ganz», sagt Fux. Es könne Jahre dauern, bis man diese personaltechnischen Schäden wieder beheben kann.

Droht bald eine Triage?

Verhindern will der Regierungsrat mit den Verschärfungen der Corona-Massnahmen vor allem eine Überlastung der Intensivstationen. Man müsse bedenken, sagt Fux, dass eine Intensivstation nicht mehr funktioniert, wenn sie zu 100 Prozent ausgelastet sei. Denn man brauche immer gewisse Reserven für Patienten mit Herzinfarkten, Hirnblutungen oder für Schwerverletzte jeglicher Art. «Da kann man nicht erst Platz schaffen, da muss man einfach jederzeit bereit sein.»

Und es treffe immer noch zu: «Die Impfung schützt gut und verhindert schwere Verläufe.» Seit die Impfung der breiten Bevölkerung zur Verfügung steht, habe man rund 95 Prozent ungeimpfte Covid-Patienten auf der Intensivstation behandelt. Fux hält deswegen fest: «Wären alle geimpft, müssten wir keine Überlastung der Intensivstationen befürchten.»

Wenn sich die Situation nicht verbessert, erwartet der Kanton, dass Spitäler bald eine Triage machen müssen. Bedeutet: Nicht alle Patienten, die man eigentlich aufnehmen müsste, kann man tatsächlich auch aufnehmen. «Das heisst, dann werden Leute sterben, weil sich andere nicht haben impfen lassen», so Fux.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 2. Dezember 2021 16:55
aktualisiert: 2. Dezember 2021 16:55
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