Ruhe fürs Wild

Jetzt gilt im Aargau Leinenpflicht – hältst du dich daran?

Lorenz Barazetti, 1. April 2022, 14:57 Uhr
Den einen ist sie ein Dorn im Auge, die andern finden sie im Sinne des Schutzes von Wildtieren sinnvoll: Die Leinenpflicht in Aargauer Wäldern. Wir erklären dir, weshalb sie so wichtig ist und wie du deinen freiheitsliebenden Hund an die Leine gewöhnst.
Fertig im Wald herumgetollt – zwischen 1. April und 31. Juli müssen Hunde im Wald und an Waldrändern angeleint werden.
© Getty

Im Kanton Aargau beginnt am Freitag, 1. April 2022, die Leinenpflicht für Hunde im Wald und an den Waldrändern. Sie dauert bis 31. Juli. Der Grund? Viele einheimische Tiere haben jetzt ihre Brut- und Setzzeit. So haben Füchse ihren Nachwuchs bereits im März auf die Welt gebracht, ab Mai folgt der Grossteil der Rehkitze. In der Insektenwelt geht es ebenfalls los, die Vögel beginnen zu nisten und Jungpflanzen sind noch trittempfindlich. Ausserdem wächst unsere Bevölkerung und damit die Zahl der Hundehaltenden, die Belastung für die Wälder nimmt mit der intensiveren Nutzung zu. Darum wird der sorgsame Umgang mit der Natur immer wichtiger, sagt der Hundebeauftragte von Jagd Aargau (AJV), Thomas Laube: «Die Kinderstube der Natur braucht jetzt einen besonderen Schutz. Die Wälder und Waldränder sind eine wichtige Zone für die Biodiversität. Die Leinenpflicht ist deshalb äusserst sinnvoll.»

Die meisten Hundehaltenden befolgen die Bestimmung, weiss Laube aus Erfahrung. Die Verordnung über die Leinenpflicht brauche es eigentlich nur für eine kleine Gruppe von Menschen. «Es gibt aber schon Hotspots, wo die Polizei dann auch vermehrt kontrolliert.» Dass der Wald während der Corona-Pandemie noch intensiver genutzt wurde, merkt auch Thomas Laube. Die letzten zwei Jahre seien für ihn zwar nicht repräsentativ. Trotzdem: In der Zeit «ist der Wald teilweise zu einem rechtsfreien Raum geworden, viele hatten sich an gar keine Regeln mehr gehalten».

«Hündeler» regulieren sich häufig gegenseitig

Unter Hundehaltenden stellt er aber fest, dass es eine Selbstregulation gibt: «Leute, die ihre Hunde nicht an der Leine führten, wurden häufig von anderen Spaziergängern auf die Leinenpflicht aufmerksam gemacht.» Ausserdem trage die gemeinsame Kampagne «a de Leine isch er e Feine» des AJV und des Kantonalverbands Aargauer Kynologen (KVAK) zur Aufmerksamkeit fürs Thema bei. Jagdgesellschaften im ganzen Kanton haben die Plakate an den Waldwegen angebracht.

Die AJV-Kampagne «A de Leine isch er en Feine» macht Hundehaltende an den Waldeingängen auf die Leinenpflicht aufmerksam.
© zVg: AJV

Auch Eva Witschi, Zuständige fürs Kurswesen beim KVAK, sieht den Sinn, die Wald-Kinderstube jetzt zu schützen. Sie glaubt auch, dass die Leinenpflicht mehrheitlich eingehalten wird. Ausweichmöglichkeiten gebe es ausserdem genug. Die Besitzerin eines Husky-Mischlings und zweier Belgischer Schäfer wohnt in der Hallwilersee-Region, geht mit ihren Hunden aber selber nicht in der Uferzone spazieren. Dort gelte ganzjährig Leinenpflicht, sie achte darauf, ihren Hunden an anderen Orten genügend freien Auslauf zu geben. Es sei wichtig, den Bewegungsablauf eines Hundes zu beachten, der nun mal bei einigen Hunden schneller als bei Menschen sei.

Die Leine kann dem Hund auch helfen

Für eine gewisse Zeit sei die Leine für einen Hund aber kein Problem. Ausserdem kann sie dem Tier auch Sicherheit geben: «Gerade gestresste Hunde sind unter Umständen sehr dankbar, wenn sie merken: Aha, der Lead ist beim Hundeführer.» Mit Rollleinen oder langen Schleppleinen von bis zu 20 Metern Länge kann man ausserdem für viel Bewegungsfreiheit sorgen.

Das Laufen an der Leine will aber geübt sein. Da hat die Hundetrainerin auch den einen oder anderen Tipp: «Moderne Hundeerziehung basiert auf der Erwartungshaltung des Hundes. Das heisst, ich verspreche dem Hund etwas, damit sich der Hund kooperativ zeigt.» Das müsse man mit dem Tier üben. So soll Aufmerksamkeit auf Herrchen oder Frauchen mit etwas Fressbarem oder dem Lieblingsspielzeug belohnt werden. «Zieht der Hund an der Leine, bleibe ich einfach stehen und belohne wieder, wenn er seine Kraft zurücknimmt.»

Wenn das Leinenlaufen Probleme bereitet, muss die Konzentration beim Spaziergang voll und ganz dem Hund gelten, um seine Aktionen und Reaktionen zu verfolgen und korrekt handeln zu können. Ausserdem kann man den Spaziergang an der Leine auch spannend gestalten. Zum Beispiel kann sich eine Begleitperson zur Suche an der Leine verstecken, man kann Futter in einer Holzbeige oder in einem Futterbeutel deponieren und den Hund suchen lassen. «Hunde haben den Plausch an der Sucharbeit, das lastet sie auch geistig aus und macht sie müde.» Und der gemeinsame Erfolg von Hundehaltenden und ihrem Tier schafft weiteres Vertrauen für herausforderndere Aufgaben. Dieses kann man natürlich auch mit dem regelmässigen Besuch einer Hundeschule fördern. Ausgelernt haben weder Haltende noch Hund jemals.

Leinenpflicht gilt nicht in jedem Kanton gleich

Übrigens kennen nicht alle Kantone eine einheitliche Schonzeit mit Leinenpflicht im Wald und dessen Umgebung. Im Kanton Zürich beispielsweise werden diese lokal festgelegt, in Bern gibt es gar keine Verordnung für die so wichtige Phase der Brut- und Setzzeit. Einige andere Kantone haben eine verkürzte Periode im Vergleich mit dem Aargau oder auch dem Kanton Solothurn.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 1. April 2022 14:59
aktualisiert: 1. April 2022 14:59
Anzeige