Wegen Trockenheit

Kanton verbietet Wasserbezug in mehreren Bächen

Leonie Projer, 17. Juni 2022, 15:50 Uhr
Die hohen Temperaturen und fehlenden Niederschläge haben Folgen: Der Kanton Aargau hat bei dreizehn Bächen die Bewilligung zur Wasserentnahme sistiert. Davon betroffen sind unter anderem Landwirtschaftsbetriebe, die auf alternative Bewässerungsarten ausweichen müssen.
Um die Fische in den Bächen zu schützen, muss der Kanton bei Trockenheit und hohen Temperaturen den Wasserbezug in Bächen und Flüssen stoppen. Davon betroffen sind Landwirtschaftsbetriebe, Gärtnereien und teilweise private Gartenteiche.
© Keystone SDA

Seit Anfang Juni verzeichnet die Sektion Gewässernutzung des Kantons einen tiefen Pegelstand im Hallwilersee und den Bächen im Aargau. Zudem sind die Wassertemperaturen steigend. Das hat den Kanton dazu veranlasst, den Wasserbezug in rund 13 Bächen zu verbieten. So sind beispielsweise Teile der Sissle, der Bünz und der komplette Aabach für die Wasserentnahme gesperrt.

Kanton überprüft die Bestände täglich

Die Sektion Gewässernutzung des Kantons beobachtet die Situation der Bach- und Flussabflüsse im Aargau aufmerksam. «Praktisch jeden Tag prüfen wir die Wasserstände in den Bächen. Ausgehend davon entscheiden wir, ob wir die Wasserentnahme sistieren müssen», so die Sektionsleiterin Susette Burger gegenüber ArgoviaToday. So soll gewährleistet werden, dass genügend Wasser für die Lebewesen in den Bächen vorhanden ist. Von der Sistierung sind vor allem Landwirtschaftsbetriebe und Gärtnereien betroffen. Ausgenommen ist der private Wasserbezug, sofern dieser den Gemeingebrauch nicht übersteigt und somit nicht bewilligungspflichtig ist.

Ein Betrieb, der die Problematik des sistierten Wasserbezugs bestens kennt, ist der Bachmattenhof in Merenschwand. Beim Hof handelt es sich um einen Ackerbaubetrieb, der sich auf Zuckerrüben, Getreide und Mais spezialisiert hat. Er ist direkt am Wissenbach gelegen. Diesen darf der Betrieb aber nicht für die Bewässerung nutzen. Laut dem Geschäftsführer Philipp Käppeli sei dies ein Problem, welches schon länger bestehe. «In rund 15 Jahren konnten wir etwa ein- bis zweimal Wasser aus dem Wissenbach beziehen. In allen anderen Jahren hat der Kanton genau dann eine Sistierung ausgesprochen, wenn unsere Kulturen das Wasser benötigt hätten.» Das hat den Bachmattenhof schliesslich dazu veranlasst, auf die Bewilligung und damit die zu zahlenden Gebühren zu verzichten.

Wie umgeht der Hof das Wasserproblem?

Stattdessen setzt der Betrieb auf alternative Wasserquellen und resistente Kulturen. «Die Züchtungen werden dank der neuen Technologien immer trockenresistenter. Wir bewässern die Felder zudem nicht mit Oberflur-Anlagen, bei denen viel Wasser verdunstet, sondern mit feinen Leitungen, die wir direkt an den Kulturen entlang legen können. Dadurch benötigen wir nur etwa 10-15% des Wassers, welches die Oberflur-Systeme brauchen», erklärt der Geschäftsführer. Als dritte Massnahme sammle man Regenwasser, welches für die Bewässerung genutzt werde.

Trotz den Alternativen, eine Bewässerung durch den Wissenbach will Käppeli für den Betrieb in Zukunft nicht komplett abschreiben. «Die Nutzung des Wissenbachs wäre interessant, da das Wasser dann die aktuelle Temperatur hätte. Die Pflanze würde nicht geschockt werden, wie das beim kalten Grundwasser der Fall ist», meint Käppeli. Durch die geschaffenen Bewässerungsalternativen verspüre der Betrieb aber keinen Druck auf das Wasser des Bachs Zugriff zu haben.

Momentan sind noch keine Flüsse oder Seen von der Sperre betroffen. Wenn die Trockenheit und hohen Temperaturen anhalten, müsse die Sektion Gewässernutzung aber weitere Massnahmen prüfen. «In diesem Fall müssten wir die Sistierung auf weitere Bäche wie die Surb und Flüsse wie die Suhre und die Wyna ausweiten», meint Burger. Entscheidend dafür, ob weitere Massnahmen getroffen werden müssen, sind zum einen die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte der Wasserpegel. «In einem ersten Schritt werden die betroffenen Landwirte vorinformiert, so dass sie ihre Bewässerung organisieren können», erklärt die Sektionsleiterin. Sinkt der Wasserpegel weiter, müsse man den Wasserbezug komplett stoppen.

Ebenfalls ausschlaggebend ist die Wassertemperatur. Diese sei laut Burger bis jetzt noch nicht kritisch, wenn die Temperaturen aber so hoch bleiben, werde sich die Lage verschärfen. «Sobald die Gewässer über 20 Grad warm sind, kommt es zum grossen Stress für die Fische. Sie haben damit zu wenig Sauerstoff um zu überleben. Wenn ein Bach besonders heiss ist, müssen wir die Wasserentnahme vorzeitig stoppen. Je mehr Wasser, desto besser ist die Lebensqualität der Fische», führt Burger aus.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 17. Juni 2022 17:06
aktualisiert: 17. Juni 2022 17:06
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