Schweizer Premiere

KSA-«Roboter» entfernt gleich mehrere Organe in gleicher Operation

Leonie Projer, 27. Juli 2022, 06:16 Uhr
Beim durchgeführten Eingriff handelte es sich um eine Blasen- und Enddarmentfernung. Der Patient hat die Operation ohne Komplikationen überstanden. Es sei die erste in dieser Art in der Schweiz, heisst es beim Kantonsspital Aarau.
Im Kantonsspital Aarau wurde zum ersten Mal in der Schweiz eine Operation mit einem sogenannten Telemanipulator durchgeführt.
© Getty Images

Zwar ist die Roboter-assistierte Operation an sich keine Neuheit – der Da-Vinci-Roboter ist auch in der Schweiz schon einige Jahre im Einsatz – die Komplexität, die interdisziplinäre Arbeit von gleich zwei Chirurgen des minimal-invasiven Eingriffs aber durchaus, sagt auch der Hersteller des mechanischen Helfers. Der Roboter ist laut Stephen Wyler, Chefarzt Urologie des Kantonsspitals Aarau keine autonome Maschine. «Es ist ein zweiteiliges System. Der eine Teil bildet die Konsole, durch die der Operateur die feinen Operationsinstrumente steuert. Der andere Teil ist der Patientenwagen, an dem die Arme mit den Instrumenten befestigt sind.»

Der korrekte Begriff für den Roboter sei laut dem Experten «Telemanipulator». Momentan besitzt das KSA einen Telemanipulator, den sich die Urologen, Viszeral-, Hals-Nasen-Ohren- und die Kinderabteilung teilen. Besonders in der Krebsentfernung komme er zum Einsatz.

Telemanipulation ermöglicht schnellere Rehabilitation

Beim Eingriff, der im KSA durchgeführt wurde, handelt es sich um eine sehr komplexe Operation. Es wurde nicht nur ein, sondern mit der Blase und dem Darm gleich zwei Organe im Beckenboden entfernt. Durch die Telemanipulation können Expertinnen und Experten aus verschiedenen Gebieten – in diesem Fall aus der Urologie und der Viszeralchirurgie –  zusammen arbeiten. Die Technik hat auch Vorteile für die Patientinnen und Patienten: «Durch die Robotertechnik können wir feinere, kleinere und präzisere Schnitte durchführen. So erholen sich die operierten Personen schneller vom Eingriff», betont Wyler. 

Ausbildung dauert lange

Die Telemanipulation hat aber nicht nur Vorteile, so Wyler, welcher das Prostata- und Uroonkologische Zentrum am KSA leitet. «Die Ausbildungszeit, bis man den Telemanipulator bedienen kann, dauert sehr lange.» Ein weiterer Nachteil sind die Anschaffungskosten. Ein Gerät koste zwischen 1,2 und 2 Millionen Euro. Chirurginnen und Chirurgen müssen wegen des Telemanipulators aber nicht um ihren Job bangen. Der Roboter muss, wie erwähnt, bedient werden. Der Experte schätzt, dass er pro Operation höchstens eine Person ersetzen könne.

Operieren Ärztinnen und Ärzte bald aus dem Homeoffice?

Der Telemanipulator würde theoretisch erlauben, dass man Operationen von zu Hause aus steuern kann. Da man aber nie wisse, ob es zu unvorhergesehenen Komplikationen während einem Eingriff komme, sei das Szenario für Wyler undenkbar: «Wenn etwas ist und ein Patient oder eine Patientin zu bluten beginnt, muss man schnell eingreifen können.» Der Chefarzt meint aber, dass die Technik in Zukunft erlauben werde, beispielsweise den genauen Standort eines Tumors im Körper anzeigen zu können und so präzisere Eingriffe möglich werden.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 27. Juli 2022 06:16
aktualisiert: 27. Juli 2022 06:16
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