Biodiversitätswoche

Lenzburg und der Kampf gegen fremde Pflanzen

Céline Elber, 27. April 2022, 10:03 Uhr
Sie gefährden die Biodiversität und sollen deshalb aus dem Stadtgebiet verschwinden: Invasive Neophyten. Um gegen die fremden Pflanzen anzukommen, hat Lenzburg Kirschlorbeer, Ambrosia und Co. den Kampf angesagt.
In mühsamer Arbeit muss der Kirschlorbeer auch aus den Wäldern entfernt werden.
© Keystone-SDA

«Ein Kirschlorbeer ist für die Biodiversität etwa so wertvoll wie eine Plastikpflanze», stellt Linda Zumsteg, Präsidentin der Natur- und Landschaftskommission Lenzburg, klar. Von einer einheimischen Pflanze können über 1000 Arten profitieren.

Etwa Insekten, Raupen, Pilze, Milben oder Schmetterlinge, die an den Pflanzen leben, oder sich von ihnen ernähren. Neophyten sind hingegen steril, gerade einmal eine Handvoll Arten profitieren von ihnen.

Neophyten nehmen die Wälder ein

Problematisch werden Neophyten aber insbesondere, wenn sie invasiv sind, also die einheimischen Pflanzen verdrängen. Die meisten Neophyten sind als Gartenpflanzen in die Schweiz gelangt. So auch der Kirschlorbeer. Das Problem dabei: Er bleibt nicht in den Gärten. Vögel fressen die Beeren und verbreiten die Pflanze so in den Wäldern, wo sie einheimische Arten wie zum Beispiel die Stechpalme verdrängen. «In den Wäldern in Lenzburg hat sich der Kirschlorbeer schon weit verbreitet», sagt Daniel Fischer von der Natur und Landschaftskommission.

In Zukunft könnte sich dieses Problem ausserdem noch verschärfen. «Der Kirschlorbeer profitiert vom Klimawandel. Junge Pflanzen sterben ab, wenn es mal so richtig kalt ist. Den grossen macht das aber nichts mehr aus. Durch den Klimawandel wird es aber immer seltener kalt genug. Die Kirschlorbeerbäume haben so die Chance, richtig zu wachsen», erklärt Fischer weiter.

«Schämst du dich nicht?»

Der Kampf gegen diese Arten wird in Lenzburg deshalb intensiviert. Die Stadt Lenzburg will alle invasiven Neophyten lokalisieren, ausreissen und durch einheimische Pflanzen ersetzen. Die Stadt will so mit gutem Beispiel voran gehen und die Menschen dazu ermuntern, den eigenen Garten genau anzuschauen sowie auch da fremde Pflanzen durch einheimische zu ersetzen. «Wirklich gut ist es dann, wenn Besuch kommt und sagt ‹Was? Du hast noch eine Kirschlorbeerhecke? Schämst du dich nicht?›», meint Daniel Fischer von der Natur- und Landschaftskommission dazu.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 28. April 2022 06:00
aktualisiert: 28. April 2022 06:00
Anzeige