Archäologischer Fund

Römertempel in Lenzburg: «Wissen nicht, in welchem Zustand die Mauern sind»

27. Juni 2022, 17:05 Uhr
Die Aargauer Kantonsarchäologie hat in Lenzburg auf dem Lindfeld einen bislang vermuteten grossen Tempel und kleine Sakralbauten aus der Römerzeit nachgewiesen. Moderne Messmethoden ermöglichten den Nachweis.
Blick in die Vergangenheit: Die Überreste der im Boden steckenden Siedlung im Lindfeld in Lenzburg zeichnen Dank moderner Messemethoden ab. Links im Bild sind die Überreste des Tempels aus der Römerzeit zu sehen.
© Kanton Aargau/zvg

Seit über 100 Jahren würden auf dem Lindfeld, nur wenig ausserhalb der Altstadt von Lenzburg gelegen, immer wieder römische Funde verzeichnet, teilte das kantonale Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) am Montag mit. Aus früheren Ausgrabungen seien Gebäudegrundrisse, eine Strasse, ein Gräberfeld und ein Theater bekannt.

In den letzten zwei Jahren untersuchte die Kantonsarchäologie das zwölf Hektaren grosse Landwirtschaftsareal mit geophysikalischen Methoden. Die Messresultate zeigen nun gemäss BKS die römische Siedlung erstmals in ihrer ganzen Ausdehnung. «Wir haben weitere Teile einer römischen Siedlung gefunden», sagt Matthias Flück, stellvertretender Leiter der Kantonsarchäologie, gegenüber Radio Argovia. Es handle sich um eine grössere Tempelanlage, Spuren von Wohngebäuden und vermutlich auch eine Badeanstalt. Teile davon seien zwar bekannt gewesen, dass das Areal aber so gross ist, habe man erst mit der neuen Messmethode herausgefunden.

Heiliger Bezirk in Lenzburg

Das Tempelareal im Untergrund messe etwa 60 mal 70 Meter und entspreche damit in der Grösse ähnlichen Bauten wie in Avenches VD. Sein Aussehen bleibe weitgehend Spekulation. Zusammen mit weiteren kleinen Sakralbauten habe der Tempel zu einem heiligen Bezirk gehört. Es sei wahrscheinlich, dass in Lenzburg in römischer Zeit ein religiöses Zentrum gelegen habe.

Röntgenblick in den Boden

Geophysikalische Messungen wie Geomagnetik und Geoelektrik erlauben einen zerstörungsfreien Einblick in den Boden. Bei der Geoelektrik wird der elektrische Widerstand gemessen, bei der Geomagnetik das Erdmagnetfeld.

Dabei entsteht ein Bild der im Boden steckenden Strukturen. Beide Methoden werden in der Kantonsarchäologie seit rund drei Jahren systematisch angewendet. Im Fall von Lenzburg bleibt der Röntgenblick der einzige Blick, den man auf die archäologische Stätte erhaschen kann. Sie bleibt nämlich im Boden vergraben, wie Flück sagt. «Es ist in unserem Interesse, dass man archäologische Hinterlassenschaften im Boden lassen kann, wenn sie nicht durch ein Bauvorhaben bedroht sind.» So könnten sie die Zeit am besten überdauern und seien geschützt.

Dennoch lässt diese Methode auch Fragen offen. «Wir wissen jetzt, dass diese Strukturen vorhanden sind. Wie der Zustand dieser Mauern aber effektiv ist, das ist noch nicht klar, dafür müsste man den Spaten ansetzen.»

Der betroffene Landwirt, unter dessen Felder der Fund schlummert, muss nun die Bewirtschaftung etwas anpassen. Ganz verzichten muss er aber nicht, wie Flück erklärt. «Das ist sicher weiterhin möglich.»

(vro/sda)

Quelle: sda
veröffentlicht: 27. Juni 2022 10:59
aktualisiert: 27. Juni 2022 17:05
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