Fussball-Boom

Luigi Ponte: «Wir müssen eine Lösung finden, wir verlieren zu viele Fussballer»

Urs Hofstetter, 25. Mai 2022, 17:39 Uhr
Der Aargauer Regionalfussball steht vor einem Problem: Immer mehr Kinder wollen «ins FC», doch immer weniger Erwachsene wollen sich ehrenamtlich in den Clubs engagieren. Der Ruf nach Vereins-Zusammenschlüssen wird immer lauter.
Immer mehr Fussballkinder, immer weniger Vereinsfunktionäre: Aargauer Clubs sollen laut dem AFV fusionieren.
© zVg

Es ist ein eigentliches Luxusproblem, mit dem sich der Aargauer Fussballverband AFV herumschlagen muss: Jedes Jahr wollen hunderte Kinder einem der insgesamt 85 Aargauer Fussballclubs beitreten, um all den Benzemas, Ronaldos, Mbappés oder Widmers dieser Welt nachzueifern. Nachwuchssorgen? Fehlanzeige. Der Schuh drückt woanders, aber er drückt gewaltig, erklärt AFV-Präsident Luigi Ponte auf Anfrage von ArgoviaToday: «Die Vereine möchten die Kinder gerne aufnehmen, aber es hat viel zu wenige Trainer und Funktionäre, welche die Kinder beschäftigen.» Die Zeiten seien leider vorbei, in denen im Dorf jeder zweite Vater und dessen Kollegen ein Junioren-Team unter ihre Fittiche nahmen, so Ponte. «Heutzutage werden die Leute immer bequemer und wollen nur noch konsumieren. Oder sie wollen sich nur gegen Bezahlung im Verein engagieren».

Gemeinsame Fussballsache im Aargau Nord?

Er könne es nicht akzeptieren, dass viele motivierte Buben und Mädchen auf Wartelisten ausharren müssen, weil kein Verein in der Umgebung sie aufnehmen kann, ärgert sich Luigi Ponte. «Wir müssen eine Lösung finden, wir verlieren zu viele Fussballer.» Bei den Vereinsfunktionären müsse ein Umdenken stattfinden, es seien nicht mehr die 50er und 60er Jahre, in denen jeder Verein seine eigenen Brötchen backen konnte. «Die Vereine müssen vermehrt zusammenspannen, das braucht weniger Fussballplätze pro Team und auch weniger Trainer und Funktionäre.» Als Beispiel nennt der AFV-Präsident die Region Aargau Nord mit den Clubs Döttingen, Klingnau, Koblenz, Leibstadt, Würenlingen und Zurzach. Dort würde sich eine engere Zusammenarbeit richtiggehend aufdrängen. «Die Junioren spielen beispielsweise in Döttingen, die Senioren in Klingnau und die Frauen in Zurzach.»

Das Wort «Fusion» kommt Luigi Ponte im Interview mit ArgoviaToday nicht allzu locker über die Lippen. «Ich weiss, wie es ist mit diesen Traditionsvereinen, die stur eigenständig bleiben wollen.» Aber es gebe ja bereits heute Beispiele von Clubs, die ihre Eitelkeiten zugunsten des Fussballs über Bord geworfen hätten: Der FC Bünz-Maiengrün (FC Hägglingen und FC Dottikon), der FC Menzo Reinach (FC Menziken und FC Reinach) oder Windisch-Windisch (Seniorenteam 50+ der Vereine Windisch und Birr) hätten mit ihren Fusionen in den letzten Jahren Fussballplätze und Funktionäre gewonnen, so Ponte.

Ziel: Ein Drittel weniger Fussballclubs im Aargau

Dass nun nicht einfach jeder Aargauer Fussballclub bei seinem Nachbarn anklopft und um die Hand – oder den Ball – bittet, ist Luigi Ponte klar. Ebenso die Tatsache, dass nebst allen emotionalen Hürden auch einige administrative, juristische und organisatorische eine Vereinsfusion erschweren. «Das sind erst Visionen», die der AFV nächstens mit den Vereinspräsidenten besprechen möchte. Konkrete Pläne gebe es noch keine, sagt Ponte, aber: «Wenn wir es fertigbringen, die Zahl der Fussballclubs im Aargau in den nächsten fünf Jahren von 85 um einen Drittel zu reduzieren, dann machen wir einen riesigen Schritt in die richtige Richtung».

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 27. Mai 2022 06:49
aktualisiert: 27. Mai 2022 06:49
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