Aargauer Kinos leiden

«Man muss den Leuten wieder zeigen, wie man ins Kino geht»

21. Juni 2022, 15:23 Uhr
Schweizweit leiden Kinos unter den Spätfolgen der Corona-Pandemie. Im Schnitt werden ein Drittel weniger Kinotickets verkauft. Auch im Aargau liegen die Besucherzahlen weit hinter denen im Vergleich zu vor der Pandemie.
Viele Kinos im Kanton Aargau kämpfen mit dem Besucherrückgang. (Symbolbild)
© KEYSTONE/Ennio Leanza

Eigentlich ist es ja wie vor der Pandemie. Ausgerüstet mit Popcorn und einem gekühlten Getränk sitzen wir in den gemütlichen Sesseln und warten auf den Film. Zertifikat, Maske oder Ess- und Trinkverbot gehören der Vergangenheit an. Dennoch bleiben die Kinosäle weiterhin leer. Im Vergleich zu vor der Pandemie verzeichnen die Kinos ein Drittel weniger Eintritte, zeigen die neuesten Zahlen vom Bundesamt für Statistik (BFS).

50 Prozent fehlen

Auch die Anzahl geöffneter beziehungsweise aktiver Kinos geht in der Schweiz merklich zurück. Aktuell zählt das BFS rund 10 bis 15 weniger Kinos als noch 2019. Auch im Aargau spüren die Kinobetreiber das Problem – sogar noch stärker. «Bei uns sind es sogar noch viel mehr Kundinnen und Kunden, die uns fehlen. Die Differenz zu den Vor-Corona-Zahlen liegt bei mehr als 50 Prozent», sagt Alexandra Sterk, Geschäftsführerin der Sterk Cine AG in Baden, gegenüber Radio Argovia.

Dabei herrscht vor allem eine Verschiebung bei der Qualität der Filme. Mittlerweile ziehen die Blockbuster-Filme mehr als die Arthouse-Filme. Das ist vor allem für den Inhaber der Kinos in Aarau, Rolf Portmann, ein grosses Problem: «Diese Filme haben uns früher die Kinos gefüllt, und zwar über Wochen hinweg. Jetzt bespielen wir Säle mit drei, vier Besuchenden und sind hoch defizitär.» Der Trend geht dabei vermehrt von Einzelkinos zu mehr Kino-Komplexen.

Kino hat mehr zu bieten, als nur Filme schauen

Dass Kinos nicht mehr im Trend liegen und daher auch nicht mehr gefragt seien, glauben beide Kinobetreiber nicht. Vielmehr sind es noch die Corona-Nachwirkungen, die vor allem bei kulturellen Einrichtungen deutlich spürbar sind, wie Sterk anmerkt. «Ich denke, dass einige Kundinnen und Kunden noch verhalten sind und daher vorerst auf das kulturelle Angebot verzichten.»

Ausserdem wissen die meisten Menschen gar nicht mehr, was das Kino alles zu bieten hat. Das denkt auch Rolf Portmann. «Wir müssen den Menschen beinahe wieder zeigen, wie man nach den zwei Jahren Pandemie wieder ins Kino geht. Und das ist eine sehr schwierige Aufgabe, die wir ohne Unterstützung angehen müssen.» Dabei hat das Kino viel mehr zu bieten, als nur einen Film zu schauen. «Kino ist meist mit dem Ausgang verbunden. Man trifft sich mit Freunden, geht anschliessend noch ins Restaurant oder in eine Bar», erklärt Alexandra Sterk.

Für Rolf Portmann hat das Kino ausserdem noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: «Zwei Stunden Abkühlung nach einem heissen Tag in einem Kinosaal mit einem top Film finde ich natürlich die beste Möglichkeit, den Abend entspannt ausklingen zu lassen.» Daher sei das doch sicherlich eine gute Alternative zum Sprung ins kühle Nass.

(red.)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 21. Juni 2022 15:04
aktualisiert: 21. Juni 2022 15:23
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