Obergericht

Menschenhandel und Prostitution: Solothurner Obergericht mildert Strafe für Zuhälter ab

12. Mai 2022, 21:14 Uhr
Menschenhandel, Prostitution und versuchte vorsätzliche Tötung. Die Liste der Anklagepunkte gegen einen 40-jährigen Schweizer aus dem Rotlichtmilieu ist lange. Für die Delikte wurde er vom Solothurner Amtsgericht bereits verurteilt. Dieses zog er vor das Obergericht weiter.
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Quelle: TeleM1

Das Amtsgericht hat den Escortservice-Betreiber zu einer Gefängnisstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt. Die damaligen Arbeitsbedingungen bezeichnet Regula Echle, Staatsanwältin, als Bild des Grauens. Da der 40-Jährige das Urteil nicht so hinnehmen wollte, zog er es vors Obergericht. Und das mit Erfolg: Seine Gefängnisstrafe wurde auf fünfeinhalb Jahre reduziert. «Wir nehmen das Urteil vom Obergericht so zur Kenntnis. Es hängt damit zusammen, dass das Gericht den Tatkomplex in Istanbul nicht als versuchte vorsätzliche Tötung, sondern als einfache Körperverletzung und Drohung gewürdigt hat», so Echle. Das habe sich auf das Strafmass ausgewirkt.

Vor Gericht gingen die verschiedenen Aussagen um den Fall auseinander. Der Beschuldigte bestreitet weiterhin, dass er seine Reisebegleitung in Istanbul in einem Hotelzimmer geschlagen habe und auch nicht versuchte habe, sie zu ersticken. Stephanie Selig, Anwältin des Opfers, sieht das jedoch anders: «Es gibt Beweise, welche sich im Nachhinein zeigten. Dazu gehören Arztberichte, Chatverläufe und vieles weitere. Die Aussage meiner Klientin halte ich deshalb für glaubhaft.» Der Angeklagte soll jedoch ein gnadenloser Zuhälter gewesen sein. Die Frauen mussten rund um die Uhr arbeiten, sogar während ihrer Menstruation. Kunden durften sie keine ablehnen und mussten ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, wenn ihr Freier das wünschte. Vor Gericht machte er jedoch einen anderen Eindruck. Er wirkte souverän und rhetorisch.

Trotz diversen Delikten im Rotlichtmilieu wird die Strafe des 40-Jährigen um rund drei Jahre abgeschwächt. Ob die Staatsanwaltschaft das Urteil weiterzieht, wird nach dem schriftlichen Urteil entschieden.

(red.)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 12. Mai 2022 21:02
aktualisiert: 12. Mai 2022 21:14
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