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Mordprozess Bergdietikon: Beschuldigter gesteht Tötung, will aber nicht als Mörder gelten

3. Prozesstag

Mordprozess Bergdietikon: Angeklagter laut Psychiater voll schuldfähig

12.06.2024, 18:17 Uhr
· Online seit 12.06.2024, 11:09 Uhr
Im Mordprozess am Bezirksgericht Baden ist am Mittwoch der Beschuldigte zu seinem Leben und zur Tat befragt worden. Er ist geständig, im September 2022 in Bergdietikon seine Frau getötet zu haben. Die Mord-Qualifikation lehnt der Mann aber ab. Er habe sie nicht töten wollen, sagte er unter Tränen.
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Zur Tat kam es am frühen Morgen des 25. September 2022. Der Mann wachte auf und hörte aus dem Badezimmer Wasser plätschern. Als er nachschaute, sah er seine Frau in der Badewanne am Duschen. Sein Blick fiel auf ihr Handy. Da war eine Bilderübersicht. Er nahm das Telefon in die Hand und sah ein Bild seiner Frau beim Sex mit einem anderen Mann.

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Er sei schockiert gewesen, «als ob ich einen Stromschlag erhalten hätte». Er sei aus allen Wolken gefallen. Die Frau habe ihm das Handy wegnehmen wollen. Es sei zu einem Gerangel gekommen. Irgendwann seien sie zusammen in die Badewanne gestürzt, in der Wasser stand. «Wir kämpften beide heftig».

«Irgendwann bewegte sie sich nicht mehr»

Dann habe er sie unter Wasser gedrückt. «Irgendwann bewegte sie sich nicht mehr». Er habe sie nicht töten wollen, versicherte er unter Tränen. Danach habe er Panik gehabt. Er warf den eingesteckten Föhn ins Wasser, verliess das Badezimmer, schloss die Tür ab und schob den Schlüssel unter der Tür zurück. Laut Anklage wollte er damit einen Suizid der Frau vortäuschen.

Auf die Frage des Richters nach dem Motiv für die Tötung, sagte der Beschuldigte: «Das frage ich mich auch». Er habe keine Wut und keine Eifersuchtsgefühle gehabt. Im Moment, als er das Foto gesehen habe, hätten Emotionen ihn überwältigt.

Es tue ihm sehr leid, der Opferfamilie «unter diesen Umständen begegnen zu müssen», sagte der Beschuldigte. Auch sei es hart, dass er die Kinder nicht mehr sehen dürfe, zu denen er vor der Tat ein sehr enges Verhältnis gehabt habe. Es sei schwierig, jetzt «hinzustehen und Verantwortung zu übernehmen».

Der 49-Jährige stammt aus Nordmazedonien. Er kam als Kind in die Schweiz und ist längst eingebürgert. Der kulturelle Hintergrund seiner Eltern mit ihrem albanisch-traditionellen Wertesystem habe aber immer wieder für Konflikte gesorgt, etwa bezüglich der Rollenverteilung des Ehepaars und der Erziehung der Kinder.

Für «westlichen Weg» entschieden

Sein Eheleben schilderte der Beschuldigte in rosigen Farben. «Wir hatten eine Art Seelenverwandtschaft», sagte der Beschuldigte. Seine Frau, die albanisch-kosovarischer Herkunft war, und er hätten sich für einen «westlichen Weg» entschieden.

Zugunsten der Karriere der Frau, einer erfolgreichen Wirtschaftsexpertin, übernahm der Betriebsökonom, dessen berufliche Laufbahn deutlich holpriger war, die Rolle des Hausmanns. Das sei für ihn kein Problem gewesen. Er sei nicht eifersüchtig gewesen, sondern habe sich für sie gefreut, versicherte der Beschuldigte. Er sei stolz auf seine Frau gewesen.

Beschuldigter voll schuldfähig

Der Angeklagte ist laut dem psychiatrischen Gutachter voll schuldfähig. Dies erklärte der Experte am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Baden. Laut dem Psychiater waren bei der Tat «natürlich Emotionen drin», wie dies bei Partnertötungen immer der Fall sei. Der Mann habe in Eifersucht gehandelt. Er finde aber keine Hinweise darauf, dass die Eifersucht so stark gewesen sei, dass sie die Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten beeinträchtigt habe.

Das Verhalten des Beschuldigten während und nach der Tat passe nicht zu einem «Affektsturm». Es gebe auch keinerlei Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung oder eine psychische Erkrankung. Damit gebe es keine Hinweise auf eine Einschränkung der Schuldfähigkeit.

Damit wird eine Qualifikation als Totschlag – Tat in heftiger Gemütserregung – schwierig. Der Beschuldigte hatte in seiner Befragung eingestanden, für den Tod seiner Frau verantwortlich zu sein. Er lehne jedoch die Einstufung der Tat als Mord ab, wie sie der Staatsanwalt fordert. Dieser verlangt eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren für den 49-Jährigen.

(sda/red.)

veröffentlicht: 12. Juni 2024 11:09
aktualisiert: 12. Juni 2024 18:17
Quelle: ArgoviaToday

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