Aargau/Solothurn

Mutmasslicher Schütze von Suhr erklärt seine Tat in einem Brief

Aus der Haft

«Ich war am Ende mit der Welt» – mutmasslicher Schütze von Suhr erklärt die Tat

· Online seit 23.06.2024, 18:05 Uhr
Im September 2023 hat ein Mann auf einen Balkon in Suhr geschossen. Beim mutmasslichen Täter handelt es sich um einen 26-jährigen Schweizer, der in Aarburg an der Oberstufe unterrichtet haben soll. Seitdem sitzt der Mann im Gefängnis. Nun hat er sich aus der Haft schriftlich bei Tele M1 gemeldet.

Quelle: Tele M1

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Drei Löcher in einem Mehrfamilienhaus zeugen noch von der Schussabgabe im September letzten Jahres in SuhrDer mutmassliche Schütze war auf seinem Töff in der Region unterwegs und hat nach eigenen Angaben mit seiner legal erworbenen Pistole zwei volle Magazine verschossen. Aus der Haft heraus erklärt er nun schriftlich seine Beweggründe. Dieser Brief liegt Tele M1 vor. «Was ich gemacht habe, klingt wahnsinnig und durchgedreht. Ist es vermutlich auch. Es gibt jedoch eine psychiatrisch genaue Erklärung. Ich hatte keine Rachegedanken, Wut oder ähnliches. Ich war einfach ganz am Ende mit der Welt und habe dann etwas sehr Unüberlegtes getan», schreibt der Mann.

Quelle: Tele M1

Mutmasslicher Täter leidet unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung

Noch in derselben Nacht hat sich der damals 26-jährige Mann widerstandslos festnehmen lassen. Er hat zu dem Zeitpunkt als Oberstufenlehrer im Aargau unterrichtet. Als Grund für seine Tat gibt er neben einer Borderline-Persönlichkeitsstörung auch eine gescheiterte Liebesbeziehung an. Mehr sagt er dazu aber in seinem Brief nicht. Laut dem Forensiker Andreas Frei neigen Personen mit dieser Krankheit zu emotionalen Ausbrüchen. «Menschen, die unter Borderline leiden, können bei einer Kränkung zu irrationalen Taten neigen. Sie überlegen dann nicht, welche Konsequenzen ihre Handlungen haben können», so Frei.

Der mutmassliche Schütze bestreitet seine Tat nicht und schreibt, dass er immer auf Stellen gezielt habe, an denen er niemanden vermute. Es ist aber einigen glücklichen Zufällen zu verdanken, dass er niemanden verletzt hat. In seinem Brief offenbart er, dass er sich vor der Tat in eine psychiatrische Klinik einliefern liess, dort aber keine Zukunft sah und sich wieder selbst entlassen hatte. Noch am selben Tag feuerte der Mann die Schüsse in Suhr ab.

Normaler Vorgang in Klinik

Laut Forensiker Frei hat die Klinik alles richtig gemacht: «Er hat sich freiwillig einweisen lassen und da es wohl keine Anzeichen von Fremd- und Selbstgefährdung gegeben hatte, wurde er auf sein Begehren wieder entlassen.» Dies sei ein normaler Vorgang, so Frei.

Aktuell sitzt der Mann im vorzeitigen Strafvollzug in Lenzburg. Weder das Amt für Justizvollzug noch die Aargauer Staatsanwaltschaft äussern sich auf Anfrage von TeleM1 zum Fall. Aller Voraussicht nach soll im nächsten Monat Anklage erhoben werden.

(red.)

veröffentlicht: 23. Juni 2024 18:05
aktualisiert: 23. Juni 2024 18:05
Quelle: ArgoviaToday

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