Gratis-Tampons

Nach ETH: Muss die FHNW bei Hygieneartikeln jetzt nachziehen?

2. Oktober 2021, 06:59 Uhr
Die Debatte rund um kostenlose Hygieneartikel für Frauen ist längst in der Mitte unserer Gesellschaft angelangt. Steigt jetzt der Druck der Studierendenschaft auf die FHNW, nachzuziehen?
Nach ETH-Beschluss: Sind kostenlose Tampons auch an Schweizer Hochschulen überfällig?
© Keystone
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Diese Woche hat die ETH Zürich bekanntgegeben, ab kommendem Jahr insgesamt 22 Automaten mit kostenlosen Menstruationsprodukten in Frauen- und genderneutralen Toiletten zur Verfügung zu stellen. Steigt nun der Druck auch an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, der grössten Hochschule mit Standorten im Aargau, nachzuziehen?

«Nein», sagt Paula Pfau, Kommunikationsleiterin der Studierendenorganisation der FHNW. Momentan seien weder derartige Projekte in Planung, noch spürt Pfau eine Bedürfnis unter den Studentinnen. «Warum kostenlose Hygieneartikel bei uns (noch) kein Thema sind, weiss ich nicht. Vielleicht fehlt uns manchmal der Mut, existierende Systeme zu hinterfragen und möglicherweise umzudenken. Vielleicht liegen die Gründe aber auch ganz woanders.» Grundsätzlich würde es Pfau begrüssen, wenn auch ihre Bildungseinrichtungen mit kostenlosen Hygienespendern ausgestattet würden, aber: «Man müsste sich dann auch fragen, ob sich hier nicht ein Projekt lohnen würde, das sich auf Diversität oder auch Einschränkung in allen möglichen Formen bezieht.»

Auch die FHNW bestätigt, dass kostenlose Hygieneartikel bislang kein Thema sind. 2019 sei an der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW von einigen Studierenden eine entsprechende Forderung eingegangen. Die darauffolgende Einladung zu einem Gespräch seitens der Hochschulleitung sei von den Studierenden jedoch nicht wahrgenommen worden. Darüber hinaus habe es in den einzelnen Fachbereichen der FHNW sowie auch bei der Koordinatorin Diversity und Nachhaltigkeit der Hochschule bislang keine Anfragen oder Vorstösse gegeben.

«Die Frage, ob und inwieweit Frauen für die Kosten von Menstruationsartikeln Unterstützung erhalten sollten, ist aus unserer Sicht jedoch primär auf politischer Ebene zu diskutieren, wie dies auch bereits der Fall ist.»

UZH: Gratis Tampons nur noch eine Frage der Zeit

Die Uni Zürich - mit der ETH die grösste Hochschule in der Stadt - bestätigte auf Anfrage von ArgoviaToday, dass sich die Abteilung Gleichstellung und Diversität der UZH mit dem Thema kostenlose Hygieneprodukte für Frauen auseinandersetze und derzeit ein Pilot-Projekt vorbereite. Wie das entsprechende Angebot genau aussehen wird und wann es umgesetzt würde, das sei derzeit noch unklar.

Gespaltene Meinungen im Aargau

Fest steht: Kaum eine Frau wird Freude am Menstruieren haben. Abgesehen von den monatlich wiederkehrenden Regelschmerzen, von denen ein Grossteil der Frauen betroffen ist, gehen Tampons, Binden und allfällige Schmerztherapien oder Schmerzmittel ins Geld. Die Menstruationskosten belaufen sich in einem Frauenleben auf rund 23'000 Franken, wie Recherchen der "Huffington Post" zeigen. Kosten, die bislang von den Frauen allein getragen werden müssen. Das sei einerseits unfair, da frau sich nicht aussuche zu menstruieren. Zudem würde die kostenlose Abgabe von Tampons und Binden zur Enttabuisierung der Periode beitragen, argumentieren die Befürworter.

Die Monatsblutung ist essenziell für den menschlichen Fortbestand: Ohne Menstruation keine Schwangerschaft und ohne Schwangerschaft kein Nachwuchs. Dass die Kosten für Tampons und Binden daher auch gesamtgesellschaftlich getragen werden müssten, sehen aber nicht alle so. Erst im Juni wurde eine Motion der SP, alle öffentlichen Einrichtungen im Aargau mit kostenlosen Binden und Tampons auszustatten, vom Regierungsrat abgeschmettert. Die Menstruation ist und bleibe «Privatangelegenheit der Frau», heisst es in der Begründung des fünfköpfigen Männergremiums.

Auch SVP-Grossrätin Désirée Stutz aus Möhlin sprach sich Anfang Juni gegenüber ArgoviaToday entschieden gegen eine kostenlose Abgabe von Hygieneartikeln aus. «Männer haben auch Ausgaben, einfach andere. Kondome zum Beispiel oder Rasierklingen sind auch nicht günstig.»

(noë)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 2. Oktober 2021 05:50
aktualisiert: 2. Oktober 2021 06:59