Hausen

Nach «Horror-Crash» mit drei Toten: Verurteilter Porschefahrer war suizidal

1. Dezember 2021, 20:31 Uhr
Das Bezirksgerichts Brugg AG hat einen Mann, der Ende November 2019 auf der A3 bei Effingen AG eine Kollision mit drei Todesopfern verursacht hat, zu einer Freiheitsstrafe von 6,5 Jahren verurteilt.

Quelle: TeleM1

Das Gericht sprach den 47-Jährigen der mehrfachen vorsätzlichen Tötung schuldig. Ein Schuldspruch erfolgte zudem wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln. Nach Verbüssung der Strafe wird der Montenegriner für fünf Jahre des Landes verwiesen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann ans Obergericht des Kantons Aargau weitergezogen werden. Der Staatsanwalt hatte eine siebenjährige Freiheitsstrafe verlangt. Der Verteidiger hatte auf Fahrlässigkeit plädiert und eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten beantragt.

Für Ali Ekici ist die Strafe zu gering. Er verlor seine Eltern bei dem Crash. «Die sieben Jahre, welche die Staatsanwaltschaft forderte, waren für mich zu wenig. Ich hatte gehofft, dass das Gericht die Strafe höher setzt.» Ihm stösst besonders sauer auf, dass sich der Angeklagte während des gesamten Prozesses in der Opferrolle sah.

Unfallverursacher hinterliess Abschiedsbrief

Dass der Verurteilte das Urteil weiter zieht, ist nicht ausgeschlossen. Denn für seinen Anwalt ist der Unfall nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig geschehen. «Mein Klient wird diesen Schritt nach dem begründeten Urteil prüfen.»

Denn das Bezirksgericht kommt zum Schluss, dass der Porschefahrer vorsätzlich gehandelt habe. Von Rheinfelden her war seine Fahrweise normal, bis er sich der Baustelle vor dem Bözberg näherte und dort den Unfall verursachte.

Für das Gericht ist ebenfalls klar, dass er suizidal handelte. Es wurde ein Abschiedsbrief gefunden, ausserdem rief er vor dem Unfall seine Frau an und sagte, dass er jetzt alles beenden wolle. Während des Prozesses sagte der Fahrer, dass er lieber gestorben wäre. Bei der Urteilsverkündigung wartete man aber vergebens auf eine Reaktion von ihm.

Keine Chance für Renault-Insassen

Zum Crash gekommen war es am 27. November 2019 um etwa 9.15 Uhr auf der A3 Richtung Zürich auf Gemeindegebiet Effingen AG, kurz vor dem Bözbergtunnel. Der Beschuldigte missachtete die Signalisation einer Baustelle und die Sperrung der Überholspur und raste mit seinem Porsche mit mehr als 150 Kilometern pro Stunde neben der langsam vorankommenden Kolonne her.

Kurz bevor es zur Kollision mit einem schweren Baustellenfahrzeug gekommen wäre, wo Arbeiter tätig waren, schwenkte er nach rechts in die Kolonne. Der Porsche prallte in einen Renault und drückte ihn in den vor ihm fahrenden Sattelschlepper, wo er zerquetscht wurde. Die drei Insassen, ein 55-jährige Frau, ihr 64-jähriger Ehemann sowie ein 42-jähriger Verwandter, hatten keine Chance.

(red./SDA)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 1. Dezember 2021 16:42
aktualisiert: 1. Dezember 2021 20:31
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