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Was steckt dahinter?

Nancy Holten wollte wegen Zertifikat nicht mehr ins Café – und geht nun trotzdem

10. Oktober 2021, 21:24 Uhr
Medienwirksam kündigte die Tierrechts- und Vegan-Aktivistin Nancy Holten an, sie gehe nicht mehr ins Café, jetzt wo sie ein Zertifikat dafür brauche. Und kündigte an, dem Fricker Café Kunz etwas als Unterstützung zu spenden. Doch hält sie sich auch an ihre eigenen Worte? Es ist kompliziert.
Vegan-Aktivistin und neuerdings auch Zertifikatsgegnerin: Die Fricktalerin Nancy Holten engagiert sich in vielerlei Hinsicht. Im Bild: Fototermin, als Holten 2019 den Schweizer Pass erhielt
© Getty

Sie kündigte es gross an: Tierschützerin Nancy Holten erzählte der Gratiszeitung 20 Minuten, sie gehe ab dem Tag, an dem die Zertifikatspflicht gilt, nicht mehr in ihr Lieblingscafé, das Café Kunz in Frick. Und relativierte sogleich: Zumindest dann, wenn sie sich nicht für andere Events wie ihre Wochenend-Tanzabende testen lassen muss und auch dafür ein Zertifikat brauche. Weil ihr die Mitarbeitenden im Kunz leid täten, spende sie 100 Franken ans Personal.

Ist sie konsequent?

Nicht ganz, glaubt man einigen Kundinnen und Kunden des Bäckerei-Cafés. So ist die «spirituelle Influencerin» auch am letzten Donnerstagmorgen gemütlich am «Käfele», wie ArgoviaToday belegen kann. Alles nur ein PR-Stunt also, um sich ins Gespräch zu bringen, Frau Holten?

Nein, sagt Holten selber: Zwar gibt sie zu, dass sie momentan wieder häufiger beim Kaffee in der Beiz sitzt. Aber: «Meine Tochter erwartet diese Woche noch ihr Baby. Darum teste ich alle zwei Tage, damit ich sie im Spital dann besuchen kann.» Damit hat Holten sowieso ein gültiges Zertifikat, weshalb sie dann auch in ihr Lieblingscafé gehen kann. Doch auch in den vergangenen Wochen wurde sie gesehen. Ist das also doch nur eine Ausrede? Auch das verneint Holten, sie gehe sonst definitiv nur Freitags bis Sonntags, da sie sich jeweils für das Wochenende am Freitag testen. Ansonsten hole sie ihren Kafi, Pralinés und eine Zeitung «to go» und geniesse diese dann im Auto.

«Geimpft/Ungeimpft - wie früher bei der Rassentrennung»

So weit, so gut. Dass sie sich weiter nicht impfen lassen werde, bleibt für Nancy Holten klar, auch wenn sie es nicht endgültig ausschliessen will. «Ich habe kein Problem mit ‹geimpft› oder ‹ungeimpft›. Aber ich merke die Spaltung in der Gesellschaft: Früher war das bei der Rassentrennung oder bei den Religionen so.» Oder im Zusammenhang mit ihrem Veganismus und Fleischessern. Ein Satz der nachhallt, schliesslich hört man aus Impfskeptiker-Kreisen immer wieder Vergleiche mit der Apartheid oder auch der systematischen Verfolgung von Juden im Dritten Reich (was die Aargauer Nationalrätin Marianne Binder zu ihrem Vorstoss für mehr Monitoring solcher Vorfälle bewegt hat). Auch Armbinden und T-Shirts mit der Aufschrift «Ungeimpft» und einem Judenstern konnte man bei Kundgebungen unter anderem in Deutschland bereits sehen, wie ZDF berichtete.

(LBA)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 10. Oktober 2021 16:59
aktualisiert: 10. Oktober 2021 21:24