Kanton Aargau

Neue Messstellen für Velos – Pro Velo Aargau möchte Routen von den Hauptstrassen weg bringen

27. Juni 2022, 07:40 Uhr
An 23 Orten will der Kanton messen, wie viele Velos pro Tag und Jahr die Stelle passieren. Daraus sollen Erkenntnisse für die weitere Planung gewonnen werden.
«Weg von der Hauptstrasse» – das ist das Motto von Pro Velo bei den Veloverkehrs-Messungen. (Archiv)
© Aargauer Zeitung / Alex Spichale
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Der Kanton Aargau plant laut Ausschreibung ein «System für die Verkehrsdatenerfassung von Zweirädern». Unter «Zweirädern» werden Velos, langsame E-Bikes (bis 25 km/h) und schnelle E-Bikes (bis 45 km/h) verstanden, wie Katrin Schönenberger, Leiterin Sektion Verkehrsplanung beim Kanton, auf Anfrage schreibt.

Bis heute hat der Kanton Aargau Velofahrende nur punktuell und im Rahmen von Projekten gezählt. «Neu sollen an 23 Standorten permanente Zählstellen installiert werden, die über das ganze Jahr hinweg festhalten, wie viele Velofahrende die Zählstelle überqueren», sagt Schönenberger. Die Installationen erfolge in der zweiten Jahreshälfte 2022, spätestens ab Anfang 2023 will der Kanton die Erhebungen starten.

Daten helfen bei der Einschätzung des Veloverkehrs

Was bringen diese Anlagen? «Aus den Daten, welche mit diesen Zählungen erlangt werden, werden sogenannte Tages- und Jahresganglinien erstellt», erklärt Schönenberger. «Dank dieser Ganglinien kann der Kanton ableiten, wie sich das Velogeschehen im Verlauf eines Tages, eines Jahres oder auch über mehrere Jahre hinweg am jeweiligen Standort entwickelt.»

Die so erlangten Informationen sollen helfen, Situationen für den Veloverkehr besser einzuschätzen, «die Erkenntnisse fliessen in zukünftige Veloplanungen ein», erklärt die Leiterin der Sektion Verkehrsplanung.

Pro Velo Aargau begrüsst die Pläne des Kantons

Das freut auch Hörby Künzi, Präsident von Pro Velo Aargau. «Eine verlässliche Datengrundlage ist wichtig, um die Prioritäten von Velomassnahmen zu ermitteln, deren Wirksamkeit zu beurteilen und um frühzeitig auf Veränderungen reagieren zu können», erklärt er. Ein Blick ins Ausland zeige, wie bedeutend Veloverkehrszählungen für eine gute Planung von Verkehrsmassnahmen sind.

«Nur mit einer permanenten Erfassung lassen sich Effekte wie Tagesgang, Jahresgang oder Witterungseinflüsse herausrechnen, um verlässliche Daten über den Erfolg von Velomassnahmen zu erhalten».

«Velonetz ist zu grobmaschig»

Worauf sich der Kanton beim Ausbau der Radrouten konzentrieren soll, ist für Künzi klar: Sicherheit. «Nur geübte Velofahrende trauen sich zwischen Autos und Lastwagen über eine mehrspurige Kreuzung», nennt Künzi ein Beispiel. «Selbst ich bin auf Strecken angespannt, wenn ich wegen fehlenden oder zu schmalen Velostreifen regelmässig von Fahrzeug überholt werden, die nicht einmal einen Meter Abstand zwischen ihrem Rückspiegel und meinem Ellbogen lassen».

Da das im letzten Jahrtausend geplante kantonale Radroutennetz grösstenteils auf oder entlang der Kantonsstrassen verlaufe, sei es grobmaschig und für Pendlerinnen und Freizeitradler zu wenig attraktiv.

«Es braucht ein flächendeckendes regionales Velonetz. Dazu sind sichere und komfortable Verbindungen bereitzustellen, die möglichst auf verkehrsarmen Strassen oder auf separaten Velowegen geführt werden». Hier müsse der Kanton aktiv werden und die Aufgabe zusammen mit den Gemeinden und Regionalverbände meistern.

Teilweise werde auch Geld ausgegeben, um entlang einer Kantonsstrasse einen Velostreifen zu erstellen, obwohl die Velofahrenden lieber eine ruhige Seitenstrasse benutzen würden, sagt Künzi. «Dies war erst kürzlich zwischen Schinznach Bad und Brugg der Fall.» Ein Defizit seien auch fehlende oder ungeeignete Querungen von Flüssen, Gleisen und Autobahnen.

Quelle: Aargauer Zeitung / Dominic Kobelt
veröffentlicht: 27. Juni 2022 07:40
aktualisiert: 27. Juni 2022 07:40