«Kassensturz»-Bericht

Prekäre Arbeitszeiten bei Coop-Bäckerei in Schafisheim

9. Februar 2022, 07:33 Uhr
Ein Bericht der SRF-Sendung «Kassensturz» richtet happige Vorwürfe an die Grossbäckerei des Detailhändlers. Mitarbeitende würden mit Tricks bei der Einteilung an ihr Limit gebracht, heisst es im Beitrag des Magazins.
In Schafisheim wird im Akkord geknetet und gebacken. Die Coop-Grossbäckerei produziert jährlich 60'000 Tonnen Brot und Backwaren. (Archivbild)
© Keystone

Ein Coop-Bäcker, der anonym bleiben möchte, berichtet in der Sendung, er müsse immer wieder sechs Tage in der Woche arbeiten, um seine Minusstunden aufzuholen. Er muss demnach in der Grossbäckerei in Schafisheim vertraglich vereinbart 41 Stunden arbeiten. «8 Stunden 12 Minuten müsste ich arbeiten. Aber ich mache nur 7 Stunden 50 oder 7 Stunden 36. Da häuft sich das Minus an und deswegen müssen wir auch am Samstag arbeiten», sagt er. Deswegen komme das Privatleben häufig zu kurz.

Zehn und mehr Sechstage-Wochen

Die Planung sei so gemacht, dass Mitarbeitende ihre Stunden gar nicht in fünf Tagen abarbeiten können, wird eine Mitarbeiterin der Gewerkschaft Unia zitiert. Eine Auswertung von Arbeitsrapporten zeige auf, dass Mitarbeitende immer wieder mit weniger Stunden eingeplant würden, als ihre Soll-Arbeitszeit betrage. Das führe dazu, dass sie dafür im Jahr mit 10 und mehr Sechstagewochen die Minus-Stunden wieder aufholen müssen.

Die Gewerkschaft fordert, dass Coop diese Praxis beendet. Minusstunden seien in dieser Form weder im Gesamtarbeitsvertrag (GAV), noch im Arbeitsvertrag abgemacht. Mit dem Abarbeiten  am Wochenende werde zudem die Höchstarbeitszeit von 45 Stunden regelmässig überschritten.

Coop hat Massnahmen ergriffen

Zwar sagt Coop: «Die Fünftagewoche wird bei Coop gemäss Auswertungen grossmehrheitlich und im Durchschnitt eingehalten.» Es liege in der Natur eines Dreischichtenbetriebs, dass man nicht auf 41 Arbeitsstunden wöchentlich komme, sagt auch Coop-Personalchef Luc Pillard dem Magazin. Das erlaube das Gesetz auch. Trotzdem habe man mit diversen Massnahmen auf die Problematik reagiert. Für die Tagschichten habe man die Arbeitsplanung «sofort überarbeitet, damit es zu keinen Verstössen mehr kommt.» Für die Nachtschichten sei der sechste Tag in den Bäckereien ausgesetzt worden. Eventuelle weitere Korrekturen würden mit den Sozialpartnern zudem diskutiert.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 9. Februar 2022 07:42
aktualisiert: 9. Februar 2022 07:42
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