Wolf, Luchs & Co.

Raubtiere im Solothurner Jura scheiden die Geister

23. November 2022, 19:28 Uhr
Im Solothurner Jura ist ein Wolf gesichtet worden und in Hauenstein hat ein Luchs Schafe gerissen. Das lässt die Schafzüchter in der Region aufhorchen. Einigkeit über den Umgang mit solchen Raubtieren herrscht indes nicht.
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Es scheint wie eine Idylle hoch über dem Solothurner Guldental. Auf rund 1000 Meter über Meer betreibt Roland Zweifel zusammen mit seiner Frau einen Archehof, wo seltene Tierrassen gezüchtet werden und deren Erhalt sichert. Doch auch Schafe befinden sich auf der Weide von Roland Zweifel. Vor dem Wolf fürchtet er sich trotzdem nicht: «Der kann hier nicht viel anrichten. Und zudem haben wir hier auch noch diverse Luchse. Ein Wolf hier in der Gegend hat seine völlige Berechtigung.» Damit spricht der Betreiber des Archehofs den Wolf an, welcher ein Autofahrer vor vier Tagen in Ramiswil filmen konnte. Das Solothurner Amt für Jagd und Fischerei alarmierte darauf alle Schafhalter in der Gegend via SMS.

Für Isidor Nussbaumer, Schafhalter aus Hauenstein, kam die Warnung jedoch zu spät. Ein Luchs riss eines seiner Schafe. Nussbaumer steht den Raubtieren im Mittelland deshalb etwas kritischer gegenüber als Roland Zweifel. Für den Schafhalter aus Hauenstein ist es völlig unverständlich, dass das Schweizer Stimmvolk vor zwei Jahren gegen die Lockerungen des Wolfschutzes stimmte. «Ich habe schon oftmals gesagt, dass man den Wolf halt mal in die Städte reinlassen und schauen sollte, was passiert. Dann würde die Sache wohl etwas anders aussehen», ist Nussbaumer überzeugt.

Roland Zweifel hält dagegen und ist überzeugt, dass Raubtiere bei Weitem nicht die grösste Gefahr für die Nutztiere seien. «Wenn wir tausend Schafe auf einer Alp haben, dann verlieren wir fünf bis sechs Prozent durch Blitzschläge, Steinschlag oder Abstürze. Wenn wir dann aufrechnen, was ein Wolf reisst, dann ist das minimal.» Im Gegensatz zu Isidor Nussbaumer plädiert er deshalb für ein Leben mit Wolf im Solothurner Jura.

(red.)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 23. November 2022 19:42
aktualisiert: 23. November 2022 19:42