Kontrovers

So umweltschädlich oder -freundlich sind Kunstrasen

28. Januar 2022, 14:06 Uhr
Kunstrasen sind unter Fussballerinnen und Fussballern und den Fans ein kontroverses Thema. Aber nicht nur in Sport-, sondern auch in Wissenschaftskreisen werden die Plastikrasen heiss diskutiert.
Während es im Aargau an Kunstrasen mangelt, wird in der Schweiz immer mehr Kunstrasen verlegt.
© KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Im Aargau gibt es nur wenige Kunstrasenplätze. Das hat die "Aargauer Zeitung" kürzlich nachgezählt. Bei 85 Fussballclubs bestehen demnach lediglich 12 Plätze aus Kunstrasen. Dabei würden sich viele Klubs liebend gerne eine eigene künstliche Unterlage zulegen, doch es hapert bei der Finanzierung. Hat das vielleicht sogar Vorteile für die Umwelt?

Um die Weltmeere vor Kunststoff zu schützen, verzichten wir schliesslich gerne auf Plastik, etwa auf Strohhalme oder auf Plastiksäckli im Supermarkt. Und Kunstrasen ist eigentlich nichts anderes als Plastik. Ist er also umweltschädlich? Die Antwort vorneweg: Man weiss es nicht, die Wissenschaft ist sich nicht einig.

Kunstrasen haben viele Vorteile...

Auf der einen Seite stehen die positiven Effekte von Kunstrasen: Sie müssen nicht gedüngt oder gegossen werden, sie können länger bespielt werden, bevor man sie ersetzen muss. Unkraut jäten und mähen gehören ebenfalls der Vergangenheit an, wenn ein Grasplatz durch Kunstrasen ersetzt wird. Ausserdem wird der Rollrasen oft aus dem Ausland, etwa aus den Niederlanden, importiert, auch damit wird die Umwelt belastet.

... und viele Nachteile

Auf der anderen Seite die negativen Effekte: Der Plastik. Um einen Kunstrasenplatz herzustellen, werden laut der norwegischen Umweltschutzbehörde rund 100 Tonnen Plastik verwendet. Um Kunstrasen herzustellen, werden aber in der Regel alte Autoreifen verwendet – für das Klima eigentlich super, wäre da nicht das Problem mit dem Mikroplastik. Jedes Jahr müssen pro Kunstfussballfeld etwa zehn Tonnen Plastik nachgefüllt werden, so die norwegische Umweltschutzbehörde. Das Problem sind dabei nicht die Plastikgrashalme, sondern das Granulat, das den Rasen auffüllt. Damit sich der Rasen weich anfühlt, wird der Rasen mit kleinen grünen Kügelchen, dem sogenannten «Infill», aufgefüllt. Diese Kügelchen werden vom Wind oder in den Schuhen der Sportlerinnen und Sportler in die Natur getragen. Von dort gelangen sie letztlich ins Meer.

Das sagt die Wissenschaft

Aber zurück zu der Frage: Was ist jetzt schlimmer? Eine Studie der Zürcher Hochschule für Wissenschaft kam kürzlich zum Schluss, dass die Ökobilanz von Kunstrasen pro Stunde Fussballspielen besser ist als diejenige von natürlichem Rasen. Ausserdem sind viele Hersteller von Kunstrasen entsetzt darüber, wie hoch die Schätzungen für nachzufüllendes Granulat sind. Sie gehen lediglich von rund 300 Kilogramm aus, statt von zehn Tonnen.

Für das deutsche Fraunhofer-Institut ist hingegen klar: Kunstrasenplätze sind umweltschädlich. Sie seien zurzeit die drittgrösste Quelle für Mikroplastik in der Umwelt. Ausserdem benötige die Herstellung viel Energie.

Unter den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist die Meinung zu Kunstrasenplätzen also ähnlich wie unter Fussballerinnen und Fussballern: Kontrovers. Und was denkst du darüber? Nimm an der Umfrage oben teil.

(cel/ova)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 30. Januar 2022 09:20
aktualisiert: 30. Januar 2022 09:20
Anzeige