Aargau/Solothurn

«Tiere zahlen einen hohen Preis, wenn Tierschutzorganisationen unseriös arbeiten»

Tierhandelreport

«Tiere zahlen einen hohen Preis, wenn Tierschutzorganisationen unseriös arbeiten»

28.11.2023, 16:36 Uhr
· Online seit 26.11.2023, 16:52 Uhr
Tierschutzorganisationen vermitteln mehrere 1000 Tiere pro Jahr in die Schweiz. Doch nicht in jedem Fall endet dieses Unterfangen für die Tiere positiv. Einige Organisationen würden nicht seriös arbeiten, so der Vorwurf. Die Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz hat sich dem Problem angenommen.
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Gemäss der Schweizer Tierdatenbank Identitas leben gegenwärtig 562'045 Hunde in der Schweiz. Im Kanton Aargau sind es rund 41'000, wie das kantonalen Veterinärdienstes schreibt. Die Tendenz ist steigend – nicht selten werden Tiere über eine Tierschutzorganisation erworben, welche diese aus dem Ausland vermitteln. Viele konnten dadurch schon ein neues Daheim finden. Doch das ist nicht immer der Fall.

«Nicht alle dieser Organisationen arbeiten seriös und professionell, erschreckend wenige sind bereit, ihre Abläufe offenzulegen. Die Konsequenzen tragen immer die Tiere. Denn sie landen in einem ungeeigneten Zuhause, werden zu Wanderpokalen oder nicht selten eingeschläfert», schreibt die Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz (SUST) in einer Mitteilung.

Die Stiftung hat sich dem Thema angenommen und bisher 47 aus dem Ausland importierende Tierschutzorganisationen aufgefordert, innerhalb eines Fragebogens über ihre Prozesse zu informieren. Drei Organisationen seien der Aufforderung nachgekommen.

«Wir hoffen, dass die Organisationen, welche wirklich am Tierwohl interessiert sind, mit uns einen gemeinsamen Nenner finden wollen», kommentiert Projektleiterin Corinne Frana auf Anfrage der Today-Redaktion. «Momentan trennt sich jedoch die Spreu vom Weizen. Während einige Organisationen gehässig reagieren, zeigen sich andere sehr interessiert daran, durch eine Zusammenarbeit ihre Arbeit zu optimieren.»

Was bedeutet das für das Tierwohl?

Wenn Hunde und Katzen aus dem Ausland in die Schweiz fahren, wird das auch «Glückstransport» genannt. Nicht immer sei die Vermittlung dabei erfolgreich, heisst es. Manche nehmen auch ein trauriges und zu frühes Ende. «Es gibt Tiere, die auf dem Transport schon sterben, weil sie zu krank oder geschwächt sind», sagt Frana. Des Weiteren käme es vor, dass Tiere fortwährend ihre Besitzer wechseln und schliesslich eingeschläfert werden müssen, da sich kein Platz fände, um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Gemäss der Projektleiterin kommen viele Tiere auch ins Tierheim, was wiederum das Problem nur verlagert.

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Gemäss Frana kommt eine nicht kleine Anzahl der Tiere sogar illegal in die Schweiz. Das heisst, sie haben entweder nicht die vorgeschriebenen Dokumenten oder die gesetzlich statuierten Impfungen. Das könne zu schlimmen Konsequenzen führen. 2022 wurden Identitas zufolge 34'594 Hunde in die Schweiz importiert. Wie viele davon illegal waren, könne nicht in zuverlässigen Zahlen angegeben werden, sagt Karl Künzi, Mediensprecher der Identitas.

Die Chemie muss stimmen

Ob das Tier aus dem Ausland oder aus der Schweiz kommt, spielt grundsätzlich keine Rolle, sagt Frana. Wichtiger sei, dass man das Tier vor der Übernahme mehrmals ohne Druck kennenlernen kann, um sicherzustellen, dass es dem Tier gut gehe und dass die Chemie stimme. Mit einem vierbeinigen Weggefährten kommt eben nicht nur Freude auf, sondern auch die Verantwortung. Die Projektleiterin empfiehlt daher, die vermittelnden Organisationen im Voraus auf deren Seriosität zu prüfen. Eine Übergabe des Tieres auf einem Parkplatz sei beispielsweise ein Indiz für unsauberes Arbeiten.

Gemäss der Projektleiterin ist es wichtig, das Tierschutzproblem vor Ort durch konkrete Massnahmen zu bekämpfen. «Wir werden nie in der Lage sein, sämtliche Strassentiere auf der ganzen Welt in Mittel und Nordeuropa zu vermitteln», erklärt Frana. «Wenn beispielsweise zwei Strassenhunde aus dem Ausland in die Schweiz gebracht werden, bewirkt das auf lange Sicht nicht viel. Die verbliebenen Tiere würden sich trotzdem weiterhin am Ursprungsort vermehren. Durch gezielte Tierschutzmassnahmen wie Kastration, Weiterbildungen und Aufklärung der Bevölkerung könne man jedoch Fortschritte erzielen.

Um diese Aufklärung bei den Jüngsten voranzutreiben, hat die Stiftung ein Kinderbüchlein über den grundlegenden Umgang mit Hunden und Katzen herausgegeben. Darin werden spielerisch Inhalte erklärt, wie «dein Haustier hat auch ein Schmerzempfinden, also schlage es nicht». Oder: «Wenn dein Hund Hunger hat, musst du ihm etwas zu essen geben». Gemäss Frana ist das Buch in 17 verschiedenen Sprachen übersetzt worden und kommt weltweit in Schulen zum Einsatz. «Diese Art von Aufklärung geht dann von den Kindern zu den Eltern weiter», sagt Frana.

veröffentlicht: 26. November 2023 16:52
aktualisiert: 28. November 2023 16:36
Quelle: ArgoviaToday

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