Mysteriös

Toter Biber in Welschenrohr gefunden – was ist passiert?

· Online seit 25.07.2023, 11:52 Uhr
Roman Probst aus Laupersdorf findet im Kadaverraum in Welschenrohr einen toten Biber ohne sichtbare Verletzungsspuren. Im Thal leben bisher keine Biber. Woher kommt also das Tier und was ist passiert?
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«Eigentlich dachte ich, wir hätten keine Biber im Thal», sagt Roman Probst aus Laupersdorf gegenüber 32Today. «Das Tier im Kadaverraum war aber sehr gross und bestimmt zwischen 25 bis 30 Kilogramm schwer. So etwas habe ich in dieser Region bisher noch nie gesehen.» Probst war eigentlich da, um ein krankes Kaninchen zu entsorgen. Er ist Kaninchenzüchter und musste es erlösen. So sah der Biber aus, den Roman Probst gefunden hatte:

Quelle: 32Today / Leserreporter

«Da Biber in der Schweiz geschützt sind, habe ich mich sofort gefragt, was mit dem Tier passiert ist, und wo es zu Tode gekommen ist», Roman Probst weiter. Antworten liefert Valerie Arnaldi vom Solothurner Amt für Wald, Jagd und Fischerei, Fachbereich Biber und Wildschäden.

Frau Arnaldi, was ist mit dem Biber genau passiert?

Der Biber wurde wahrscheinlich angefahren. Er wurde westlich von Welschenrohr entlang der Dünnern gefunden. Der Fund ist darum erstaunlich, weil wir im Thal bisher noch keine festen Bibervorkommen verzeichnet haben. Der Biber war wohl auf Wanderschaft. Im Einzugsgebiet der Dünnern wurden aber auch schon überfahrene Biber gemeldet. Das deutet darauf hin, dass die Biber versuchen, auch dieses Gebiet zu besiedeln.

Der Biber wies offenbar keine Verletzungsspuren auf, wie kann das sein?

Der Biber ist möglicherweise inneren Verletzungen erlegen. Nicht immer sind bei angefahrenen Tieren äussere Verletzungen erkennbar. Generell gilt: Der Biber ist in der Schweiz und im Kanton Solothurn ein geschütztes Tier. Darum müssen Biber von vermeidbaren Verletzungen und Störungen bewahrt werden. Das gilt sowohl für die Tiere als auch für ihre Dämme, Bauten und Nahrungsdepots. Wer sich nicht daran hält, wird durch die Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei geahndet.

Was ist zu tun, wenn man einen toten Biber findet?

Da der Biber eine geschützte Tierart ist, ist ein Totfund umgehend der Jagdaufsicht oder dem Amt für Wald, Jagd und Fischerei zu melden. Biberaktivitäten wie auch Totfunde werden dokumentiert. Gerade solche Informationen wie der Fund in Welschenrohr geben uns zusätzlich zur Bestandeserhebung wichtige Hinweise über die Verbreitung im Kanton.

Wie viele Biber leben aktuell im Kanton Solothurn?

Gemäss Bestandeserhebung 2022 sind es knapp 250 Biber. Diese leben in 64 Revieren, mehrheitlich in der Aare und Emme, aber auch in kleineren Fliessgewässern. Mehrheitlich leben sie südlich der Aare, vereinzelt aber auch nördlich. Der Bestand ist stabil und vergleichbar mit den Nachbarkantonen im Mittelland. Die Population ist gemäss unseren Informationen gesund, weist also keine genetischen Mängel oder Krankheiten auf. Die Reviere entlang der Aare sind in den letzten Jahren allerdings deutlich dichter geworden, weshalb die Biber jetzt vermehrt auch in die kleineren Gewässer ausweichen und diese nach ihren Bedürfnissen gestalten.

Wie gestalten die Biber solche kleineren Gewässer um?

Biber legen ihre Wohnbauten in Uferböschungen an. Dabei benötigen sie eine gewisse Wassertiefe, um sicherzustellen, dass der Eingang zum Bau unter Wasser liegt. Um dies zu erreichen, stauen sie kleinere Gewässer mit Dämmen auf. Die Grabaktivitäten in Böschungen können zum Einsturz der Erdoberfläche, insbesondere von Wegen, entlang der Gewässer führen.

Was kann ich tun, wenn der Biber Schäden an Bäumen oder Landwirtschaft verursacht?

Bei Bedarf mit der Fachstelle für Jagd Kontakt aufnehmen. Wir bieten diverse Hilfestellungen an. In Absprache mit den Betroffenen werden fallbezogen kurz-, mittel- und langfristige Lösungen erarbeitet. Auf unserer Webseite findet man ausserdem wichtige Hinweise und Dokumente. Bäume können zum Schutz beispielsweise mit einem Maschendraht-Gitter eingezäunt werden.

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veröffentlicht: 25. Juli 2023 11:52
aktualisiert: 25. Juli 2023 11:52
Quelle: 32Today

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