Kurzarbeit

Unternehmen können Coronagelder nachträglich beantragen, machen es aber kaum

8. November 2022, 16:20 Uhr
Firmen können Gesuche einreichen, um nachträglich ihnen zustehende Kurzarbeitsentschädigungen anzufordern. Die Abgabefrist wurde von Ende Oktober auf Ende Dezember verschoben. Der Grund: Zu wenige Gesuche sind bis jetzt empfangen worden.
Viele Gastbetriebe könnten nachträglich Kurzarbeit für Frei- und Ferientage ihrer Mitarbeitende beantragen, tun es aber nicht.
© KEYSTONE/URS FLUEELER
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Mitte August wurde das Amt für Wirtschaft und Arbeit noch regelrecht überrannt. Der Grund: ein Entscheid des Bundesgerichtes. Dieser befand, dass Unternehmen, die während des Lockdowns Anrecht auf Kurzarbeit hatten, auch für Frei- und Ferientage entschädigt hätten werden sollen. Bis Ende Oktober hatten Unternehmen, allen voran Restaurants und weitere Gewerbler, Zeit, um die Gelder nachträglich beim kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) zu beantragen.

In den ersten Tagen nach dem Urteil erhielt das Aargauer AWA 360 Anfragen: Ein beträchtlicher Mehraufwand, wie die AZ damals berichtete. Nun ist die Frist bis auf Ende Jahr verlängert worden. Der Grund? Es sind bundesweit nur spärlich Gesuche bei den zuständigen Ämtern eingegangen.

Geht es den Unternehmen zu gut?

Stand Ende Oktober sind 1746 Gesuche beim AWA eingegangen, schreibt der stellvertretende Amtsleiter Giovanni Pelloni auf Anfrage. «Wir wussten nicht genau, wie viele Unternehmen die Kurzarbeitsentschädigung nachträglich in Anspruch nehmen würden, haben aber mit mehr gerechnet», erklärt der Beamte. Deshalb: «Aufgrund der eher geringen Gesuchszahl bis Ende Oktober wollte man den Unternehmen eine zusätzliche Frist einräumen.»

Weshalb wenige Gesuche eingetreten sind, kann Pelloni nicht genau einschätzen. Ob sich die Wirtschaft dermassen erholt hat, dass sie das Geld gar nicht nötig hat? Viel eher könnten die administrativen Hürden Gewerbler davon abgehalten haben: «Den Verdacht, dass es zu kompliziert sein könnte, habe ich auch schon gehört.»

Die Gesuche seien zu umständlich

Von Bruno Lustenberger vielleicht. Der Präsident des Verbandes GastroAargau fasst die Situation folgendermassen zusammen: «Die Gesuchsanforderungen sind, wie wenn wir von Beamten verlangen würden, ein 17-Punkte-‹Gault-Millau›-Menü zu kochen.» Tatsächlich entstand der beträchtliche Mehraufwand des Amts für Wirtschaft und Arbeit Mitte August nicht zuletzt auch deswegen, weil die allermeisten Gesuche unvollständig oder fehlerhaft waren.

Das erstaunt Lustenberger nicht: «Es war viel zu kompliziert für einen durchschnittlichen Wirt, der keine KV-Ausbildung hat. Der kann das schlichtweg nicht ausfüllen!» Das habe man beim Bund x-mal gesagt, ohne Wirkung. Bruno Lustenberger sieht aber auch einen anderen Grund: «Die Wirte wollen vorwärts schauen.» Nun dürfe man wieder arbeiten, und habe anderes zu tun. «Wir sind auch gut unterstützt worden und viele wollen nicht mehr Geld vom Staat beanspruchen, sondern auf eigenen Beinen vorwärtsmachen.»

(Jocelyn Daloz/Aargauer Zeitung)

Quelle: Aargauer Zeitung
veröffentlicht: 8. November 2022 16:16
aktualisiert: 8. November 2022 16:20