Aargau/Solothurn

Warum hat es ennet der Grenze mehr Vögel als im Aargau?

Neue Studie

Warum hat es ennet der Grenze mehr Vögel als im Aargau?

· Online seit 09.06.2023, 05:49 Uhr
Wer im grenznahen Ausland unterwegs ist, findet eine deutlich grössere Vielfalt an Vögeln vor als im Aargau. Die Gründe dafür liegen vor allem bei der Landwirtschaft – trotzdem kann man auch als Privatperson Lebensraum für Vögel schaffen.
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In Süddeutschland und im grenznahen Elsass gibt es mehr Vogelarten und Brutpaare als bei uns in der Schweiz. Dies schreibt das «NZZ Magazin» und bezieht sich auf eine Studie, welche kürzlich im Fachmagazin «Ecological Economics» erschienen ist. Für die Studie wurden die Vogelbestände in der Schweiz, Deutschland und Frankreich verglichen.

Kathrin Hochuli, Co-Geschäftsführerin von Birdlife Aargau, kennt die Gründe dafür: «Das liegt daran, dass die Landwirtschaft nicht so intensiv ist wie bei uns. Im süddeutschen Raum sowie im Elsass hat es mehr unaufgeräumte Ecken. In der Schweiz ist jede Ecke benutzt und bewirtschaftet.» Dadurch haben die Vögel weniger Futter-, Nist- und Versteckmöglichkeiten.

Bodenbrüter und Insektenfresser haben es schwer

Nicht alle Vogelarten sind laut Hochuli gleichermassen betroffen: «Es geht vor allem um Kulturlandvögel, deren Bestand in den letzten 20 Jahren im Aargau sehr stark abgenommen hat.» So gab es vor 20 Jahren noch 50 Prozent mehr Bodenbrüter als heute. Zu diesen gehören beispielsweise die Feldlerche und das Braunkehlchen. Wie ihr Name sagt, machen die Bodenbrüter ihr Nest am Boden. Da Wiesen im Vergleich zu früher öfters gemäht werden, haben diese aber nicht mehr genügend Zeit, um ihre Jungen aufzuziehen.

Neben den Bodenbrütern sind auch die Insektenfresser stark betroffen. Durch den Einsatz von Pestiziden haben wir auch immer weniger Insekten – und die Vögel damit weniger Futter. Ausserdem brauchen viele Landwirte heutzutage Mähaufbereiter, welche das Gras direkt quetschen und die Insekten dadurch töten. Im Kanton Aargau ist dadurch beispielsweise der Bestand des Baumpiepers, Gartenrotschwanz oder Wendehals stark eingebrochen. «Für alle diese Kulturlandarten sind daher zielgerichtete Fördermassnahmen wichtig», so Matthias Betsche, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau.

Sind verpflichtende Biodiversitäts-Förderflächen die Lösung?

Etwas, das dem Vogelschwund entgegenwirken könnte, ist eine neue Regelung zu Biodiversitäts-Förderflächen. Ab 2024 sind Landwirtschaftsbetriebe verpflichtet, mindestens 3,5 Prozent ihrer Ackerflächen als Biodiversitäts-Förderflächen zu nutzen. Dies kann zum Beispiel in Form von Buntbrachen gemacht werden, also Streifen auf Ackerland, auf denen Wildkräuter wachsen. «Das bringt sicher eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Vögel», so Kathrin Hochuli von Birdlife Aargau. Allerdings würden diese Biodiversitätsförderflächen heute auch häufig an Randflächen, nahe der Strasse oder an Hängen gemacht, wodurch sich ihr Nutzen verkleinert.

Matthias Betsche von Pro Natura Aargau sieht in der Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft dennoch eine grosse Chance: «Das Ziel, die Artenvielfalt zu erhalten, kann nur zusammen mit der Landwirtschaft erreicht werden. Wir müssen zu einem Miteinander von Landwirtschaft und Naturschutz finden.»

Bereits heute gibt es hierfür im Aargau verschiedene Biodiversitätsprojekte. Zum Beispiel spannt der Naturschutzverein Möhlin mit Landwirten zusammen, um Aufwertungen im «Melerfeld» zu realisieren und damit den Vögeln mehr Lebensraum zu bieten. Ebenso leistet das Programm Labiola einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität. Damit fördert der Kanton Aargau freiwillige Leistungen der Landwirtschaft zugunsten der Biodiversität und Landschaft. Laut Betsche ist es wünschenswert, dass die Wertschätzung gegenüber den Landwirtinnen und Landwirten, welche mit der Teilnahme am Programm einen Beitrag zur Biodiversität leisten, steigt.

veröffentlicht: 9. Juni 2023 05:49
aktualisiert: 9. Juni 2023 05:49
Quelle: ArgoviaToday

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