Rothrist/Vordemwald

Darum sind Erdrutsche im Aargau keine Seltenheit

Simone Brändlin, 11. Januar 2023, 14:15 Uhr
Am Dienstagmorgen ist es zwischen Vordemwald und Rothrist zu einem Erdrutsch gekommen. Die Räumungsarbeiten dauern auch noch bis in den Mittwoch hinein an. Warum Erdrutsche im Aargau allerdings keine Seltenheit sind, erklärt eine Fachspezialistin.

Quelle: ArgoviaToday / Severin Mayer

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Unterhalb einer Liegenschaft kam es am Dienstag zu einem Hangrutsch. Die Kantonstrasse (Gländstrasse) zwischen Vordemwald und Rothrist wurde dabei verschüttet. Die Räumungsarbeiten sind derzeit noch im Gange. Bereits im Mai 2022 wurde festgestellt, dass der Hang neben der Gländsrasse abrutscht. Der Boden kam ins Rutschen, daher standen auch die Bäume schief, welche die Förster damals fällen mussten. Schon ein Jahr zuvor ist der Hang ins Rutschen geraten, jedoch war da die Situation noch nicht akut.

Im Aargau seien Hangrutsche nichts Ungewöhnliches, wie die kantonale Fachspezialistin im Bereich Rohstoffe und Geologie, Elisabeth Jacobs, zu ArgoviaToday sagt. «Für einen Hangrutsch gibt es auch keine bestimmte Voraussetzungen, nur Rahmenbedingungen.» Meist handelt es sich um kontinuierliche und langsame Bewegungen, die vor allem für Sachwerte – Gebäude und Infrastrukturen – eine Gefahr darstellen. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt BAFU können vorübergehende Beschleunigungsphasen oder plötzliche Veränderungen gelegentlich auch zu akuten Krisensituationen führen.

Hangrutsche haben vielfältige Ursachen

Es komme immer auf den Untergrund, auf die Position, Hangneigung an. «Und wenn eines davon kippt, weil es zu viel geregnet hat und der Boden das Wasser nicht aufnehmen kann, dann kann es zu einer Rutschung kommen», so Jacobs. Typisch sei das, wenn eine Gleitschicht auf eine verwitterte Oberschicht treffe und das viele Wasser nicht vom Boden aufgenommen werden konnte, dann könne es zu Rutschungen kommen.

«Im Waldbereich kann es zu Hangabhängen kommen, wenn Bäume gefällt werden. Das liegt daran, weil die Baumwurzeln dem Hang halt geben. Und wenn dieser wegfällt, kann der Hang abrutschen.» Zu viele Rodungen oder eine falsche Rodung nimmt dem Hang jegliche Stabilität.  In einer Bauzone könne eine falsche Bauweise einen Rutsch begünstigen. Die Geologie und die Sensibilität des Bodens müssen berücksichtigt werden. «Dafür brauche es die richtige Entwässerung, dann zu Beginn ein entsprechendes Monitoring und vieles Weiteres. Es ist so vielfältig, dass es keine einheitliche Gebrauchsanweisung gibt, sondern immer neu und individuell bewertet werden muss», erklärt die Spezialistin. Dazu müsse man eben zwischen spontanen und permanenten Rutschungen unterscheiden.

Wie lässt sich nun also der Hangrutsch in Rothrist einordnen? «Der Kanton arbeitet mit Ereigniskataster und Gefahrenhinweiskarten. Dort sind die gemeldeten und bekannten Hangrutsche, Stürze und Überschwemmungen im Kanton Aargau vermerkt», berichtet Elisabeth Jacobs. Unter anderem ist auch dort die Rutschung von letztem Jahr an der Gländstrasse markiert. «Diese liegt etwas südlicher als der Hangabsturz vom Dienstag.»

Die Karte zeigt die Rutschungen (Orange), Überschwemmungen (Blau) und Stürze an (Rot).
© Screenshot Kanton Aargau

Werden Erd- und Felsstürze in der Regel nicht mehr mit bergigen Gegenden verbunden? Nein, mein die Expertin. «Klar, wir sind hier nicht in Graubünden und auch nicht im Wallis, aber wir haben hier noch den Jurabogen, was man nicht vergessen darf.» Rutschungen finden nicht nur in den Bergen statt. In Zofingen kam es 2017 zu einem Dutzend Erdrutschen. Kräftige Regengüsse, Hagel und Überschwemmungen haben in dem Sommer heftige und schwere Schäden zugefügt. Ein Mini-Tsunami riss in Bottenwil sogar eine Hauswand mit.

Quelle: Tele M1 / Sondersendung vom 9. Juli 2017

Und das sind nur die Erdrutsche, die man sieht. «Wenn im Wald der Hang abrutscht, bekommen wir das selten mit. Ebenso wenig wissen nicht, wie oft das dann passiert», fügt die Geologin an. .

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 11. Januar 2023 17:28
aktualisiert: 11. Januar 2023 17:28