Auenschutzpark

«Mellikon-les-Bains»: Warum die Zurzibieter Gemeinde neu an einem See liegt

27. Juli 2022, 16:53 Uhr
Von der Festsetzung bis zum Abschluss des Auenschutzparks in Mellikon verstrichen mehr als 20 Jahre. Jetzt ist das Projekt «Meierried» eingeweiht worden.
Rolf Laube, Ammann Mellikon, am See nach Abschluss der Renaturierung des «Meierried».
© AZ/Daniel Weissenbrunner
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Rolf Laube lacht. «Ja, im weitesten Sinn liegt unsere Gemeinde jetzt an einem See. Wir überlegen uns, ob wir Mellikon mit einem Namenszusatz versehen sollen. Vielleicht Mellikon-les-Bains», so der nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag des Ammann der kleinen Zurzibieter Gemeinde.

Laube wohnte am Dienstag den Abschlussarbeiten der Renaturierung des «Meierried» am Ufer des Rheins bei, der in einem feierlichen Akt unter Wasser gesetzt wurde. Nach einer Bauzeit von rund sechs Monaten wurde auf einer Länge von 650 Metern, angrenzend ans Schwimmbad Mellikon eine neue Aue erstellt. Bis das Becken mit dem Rheinwasser gefüllt ist, dürften einige Tage vergehen.

Eine Aussichtsplattform und eine Feuerstelle für Besucher

Herzstück der Renaturierung ist ein rund 300 Meter langer, rückspringender Altarm in Kombination mit kleinen Buchten entlang des Rheins. Neue Lebensräume und Rückzugsmöglichkeiten für Fische, Amphibien, Vögel und Insekten sollen hier künftig entstehen.

Bruno Schelbert, Programmleiter Auenschutzpark Aargau.
© AZ/Daniel Weissenbrunner

Das Naturschutzgebiet hat am Rheinufer eine wichtige Trittsteinfunktion als Ersatz- und Durchgangslebensraum für heute ungenügend vernetzte und auf solche Standorte angewiesene Tier- und Pflanzenarten. «Zwischen Eglisau und Rietheim herrscht ein grosser Mangel an solchen Standorten», sagt Bruno Schelbert, Programmleiter Auenschutzpark Aargau des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt.

Im Rahmen des Projekts wurde der Rheinuferweg an die Böschungskante des neuen Gewässers verlegt. So sei ein Bereich geschaffen worden, in dem sich Pflanzen und Tiere ungestört entfalten können, erklärt Bruno Schelbert. Das Landschaftsbild wurde durch den Rückbau eines alten Militärbunkers aufgewertet.

Zusätzlich sei eine Aussichtsplattform und ein Rastplatz mit Feuerstelle für stille Beobachtungen erstellt worden, so Schelbert. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 2,8 Millionen Franken.

Vor einem Jahr baute der Ammann hier noch Weizen an

Dass die Einweihung am Dienstag erst 20 Jahre nach der Festsetzung des Gebiets erfolgte, hatte mehrere Gründe. Insgesamt legte der Kanton damals rund zwei Dutzend Auengebiete auf rund 16 Quadratkilometern fest. Zuerst seien die dringenderen oder schneller umsetzbaren Projekte angegangen worden, sagt Bruno Schelbert. «Die finanziellen und die personellen Ressourcen liessen es nicht zu, alle Projekte gleichzeitig anzugehen.»

Schleuse auf: Ein Bagger macht den Weg frei zur Füllung des «Meierried».

© AZ/Daniel Weissenbrunner

2013 lag ein fixfertiges Bauprojekt für die Renaturierung im «Meieried» vor. Da aber im selben Jahr der Kanton ein umfassendes Sparpaket schnüren musste, wurde das Vorhaben auf Eis gelegt und die beiden betroffenen Staatsparzellen nochmals für acht Jahre verpachtet. Im vergangenen Frühling lief der Vertrag aus.

Pächter war Ammann Rolf Laube. Der Landwirt baute auf der vier Hektaren grossen Fläche Weizen an. Diese Einnahmequelle fällt für ihn jetzt weg. Laube steht mit den verantwortlichen Personen im Gespräch, ob er seinen entstandenen Ausfall via Unterhaltsarbeiten der Aue kompensieren kann.

Quelle: Aargauer Zeitung/Daniel Weissenbrunner
veröffentlicht: 27. Juli 2022 16:55
aktualisiert: 27. Juli 2022 16:55