Graubünden

Obwohl Vatertier eigentliches Problem ist – Jungwölfe zum Abschuss freigegeben

15. Juli 2022, 16:19 Uhr
Der Kanton Graubünden reagiert auf die jüngsten Rissvorfälle des Beverinrudels und hat den Abschuss von zwei Jungtieren aus dem verhaltensauffälligen Wolfsrudel bewilligt.
Zwei Jungwölfe des Beverinrudels dürfen geschossen werden. (Symbolbild)
© KEYSTONE/MAXIME SCHMID

Am Mittwochabend hatte das Rudel auf der Alp Nera am Schamserberg zum zweiten Mal eine Mutterkuh angegriffen und sie so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden musste. Nun hat der Kanton Graubünden in Absprache mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) den Abschuss zweier Jungtiere des Beverinrudels genehmigt.

Die Regulationsabschüsse sollen in einem Gebiet getätigt werden, wo Nutztiere gehalten werden. «Damit die zurückgebliebenen Wölfe lernen, dass dies ein Gebiet ist, welches sie meiden sollten», sagt Adrian Arquint, Leiter des Amts für Jagd und Fischerei Graubünden, gegenüber FM1Today. Ob die Abschüsse aber tatsächlich diese Wirkung erzielen werden, ist ungewiss. «Die Erfahrungen sind sehr unterschiedlich. In der Regel haben einmalige Massnahmen nicht lange gehalten.» Deshalb sei es in Zukunft wichtig, dass es die Möglichkeit gebe, präventiv zu regulieren.

Adrian Arquint ist Leiter des Amts für Jagd und Fischerei im Kanton Graubünden.

© Aargauer Zeitung/Alex Spichale

Abschuss braucht gute Organisation und ist aufwendig

In welchem Zeitraum die beiden Jungwölfe erlegt werden können, ist unklar. Klar ist, dass mit dem Abschuss sofort losgelegt werden kann. «Mal geht es schnell, mal etwas langsamer. Das sind Wildtiere, die einen relativ grossen Lebensraum von 250 bis 300 Quadratkilometer haben», so der Amtsleiter. Die Touren für den Abschuss würden die Wildhüter des Kantons tätigen. «Da braucht es eine sehr gute Organisation, es ist sehr aufwendig. Wölfe zu erlegen, ist nicht ganz einfach.»

Damit die Wölfe zum Abschuss freigegeben werden konnten, musste eine Schadensschwelle erreicht werden und das Rudel musste Nachwuchs erhalten haben. «Die Schadensschwelle von 10 Nutztierrissen im geschützten Bereich wurde aber bereits vorher erreicht.» Zudem gebe es Hinweise, dass das Rudel in diesem Jahr Nachwuchs erhalten habe.

Vatertier ist Verursacher der Probleme

Vor der Freigabe zum Abschuss wurde versucht, einen Wolf des Rudels mit einem Sender zu versehen. «Die Aktion hat nicht geklappt», so Adrian Arquint. «Dann sind wir mit dem BAFU in Kontakt getreten.» Nun hofft der Amtsleiter, dass durch den Abschuss auch eine Wirkung indem erzielt werde, dass sich die anderen Wölfe scheuer verhalten. «Im Verlauf des Sommers werden wir mit dem Bund weitere Massnahmen prüfen.» Das eigentliche Ziel wäre die Erlegung des Vatertiers M92. «Das ist der Verursacher der Probleme.»

Bevor das Tier jedoch zum Abschuss freigegeben werden kann, müssen erneut Vorgaben erfüllt werden. Es braucht den Nachweis, dass das Tier wirklich über längere Zeit auch das schadenstiftende Tier ist. «Wir werden nun aber hoffentlich genügend Grundlagen haben, um den Antrag für den Abschuss zu stellen», so Arquint. Sobald der Kanton die Zustimmung des BAFU erhält, wäre ein Abschuss von M92 ab November möglich. Die Erlegung des ganzen Beverinrudels ist aufgrund der aktuellen Gesetzgebung nicht möglich.

Für Wölfe ein «normales Verhalten»

Weshalb das Beverinrudel so auffällig wurde, sei schwierig zu sagen, so Adrian Arquint. «Wenn man aus Sicht des Wolfes schaut, ist das ein normales Verhalten. Er will Beute machen.» Nun habe es einfach ein Mass angenommen, welches nicht mehr zumutbar sei. «Die Wölfe haben gelernt, Schutzmassnahmen zu überwinden und Rinder anzugreifen. Für Bauern ist das eine schwierige Situation.»

(gbo)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 15. Juli 2022 14:22
aktualisiert: 15. Juli 2022 16:19
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