Beinahe-Unglück in Laax

«Statt anzuhalten, fuhr der Gondelführer einfach weiter»

Noah Hartmann, 19. Januar 2022, 16:45 Uhr
Anfangs Januar streifte in Laax die an einer Gondel angehängte Last den Boden und hinterliess eine lange Spur im Schnee. Eine Person wurde verletzt und es entstand ein geringer Sachschaden. Nun liegt der interne Untersuchungsbericht vor. Markus Wolf, CEO der Weisse Arena Holding, nimmt dazu im Interview Stellung.
Markus Wolf, CEO Weisse Arena Holding, nimmt zum Beinahe-Unglück in Laax Stellung.
© keystone/zVg

Eine Gondel hat auf dem Weg von Laax zum Crap Sogn Gion den Boden berührt. Dabei wurde eine Person verletzt. Herr Wolf, jetzt liegt der interne Untersuchungsbericht vor, wie konnte es zu diesem Unglück kommen?

Markus Wolf: Unsere Untersuchung hat ergeben, dass es gleich mehrere Fehler gab. Wir hätten mit dieser Gondel keine Lasten transportieren dürfen, da die technische Lastenprüfung defekt war. Ein weiterer Fehler ist beim Beladen der Gondel passiert. Es sind nämlich Steine geladen worden, die von einem Maschinisten viel zu leicht eingeschätzt wurden.

Und der dritte Fehler beging der Gondelführer. Er hätte nämlich schon kurz nach dem Losfahren bemerken sollen, dass die Gondel die Bäume streifte. Statt einen Funkspruch abzusetzen oder anzuhalten, fuhr der Gondelführer einfach weiter.

Der Grund des Unfalles ist also ein dreifaches menschliches Versagen?

Ja, das kann man so sagen. Wäre nur einer dieser Fehler erkannt worden, wäre es nicht so weit gekommen. Erst die Verkettung dieser Ereignisse führte zum Unfall.

Haben dem Team in diesem Moment Kontrollmechanismen gefehlt?

Bei jedem einzelnen Fehler hatte es diverse Hintergründe. Teilweise sind Dinge in den Schulungen der Personen vergessen worden oder es war schlicht ein Einzelirrtum. Aber ja, dem Gondelführer fehlten Informationen, die nicht weitergegeben wurden.

In vielen Medien sprach man nach dem Unfall von einer Beinahe-Katastrophe. Sind sie denn wirklich so knapp an einem schlimmen Unglück vorbeigeschrammt?

Das können wir klar verneinen. Diese Frage war uns aber besonders wichtig und wir haben sie darum gut abgeklärt. Die Simulation verschiedener Szenarien hat aber ergeben, dass zu keinem Zeitpunkt eine grosse Katastrophe passiert wäre. Der Unfall, so wie er passiert ist, war eigentlich das Worst-Case-Szenario.

In den letzten Wochen wurde Ihnen immer wieder vorgeworfen, Sie hätten den Vorfall versucht zu vertuschen. Sie haben offenbar den Vorfall zu langsam an das Bundesamt für Verkehr gemeldet. Wieso ging das so lange?

Wir haben natürlich nicht versucht, den Unfall zu vertuschen. Auf der Ereignisplattform vom Bundesamt für Verkehr haben wir ihn sofort gemeldet. Aber da ist uns nochmals ein kleiner Fehler passiert. Denn eigentlich hätten wir noch auf eine Notfallnummer anrufen müssen und die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle informieren. Im Nachhinein wissen wir jetzt mehr.

Vor, während und nach dem Unfall sind also Fehler passiert. Wie wollen sie das in Zukunft verhindern?

Wir haben diverse Massnahmen beschlossen und teilweise bereits eingeführt. So liegt der Fokus nun auf der Redundanz der Informationen zwischen den Mitarbeitenden. Eine doppelte Absicherung der technischen Systeme ist natürlich auch wichtig. Und als sofortige Massnahmen messen wir das Gewicht der Last, die wir an die Gondel hängen, neu immer mit einer Hebebühne. Das Ziel der Massnahmen ist natürlich, den Faktor Mensch möglichst zu minimieren. Aber menschliche Fehler können auch in Zukunft immer passieren.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Januar 2022 15:37
aktualisiert: 19. Januar 2022 16:45
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