Seit der Pandemie

Aargauer Schüler schwänzen häufiger den Unterricht

10. Oktober 2021, 07:40 Uhr
Die Coronakrise geht auch an Schülerinnen und Schülern nicht spurlos vorbei. Immer häufiger bleiben sie deshalb dem Unterricht fern. Die Schulpsychologischen Dienste reagieren nun.
Im Aargau haben während der Pandemie mehr Schüler geschwänzt (Symbolbild).
© Keystone

Die Pandemie scheint vielen Schülerinnen und Schülern die Lust am Lernen genommen zu haben. So wurden im Kanton Zürich im vergangenen Jahr 16 Prozent mehr Neuanmeldungen beim Schulpsychologischen Dienst registriert. Oftmals geht es dabei ums Schwänzen. Auch im Aargau und in St.Gallen kennt man das Problem. «Die Anmeldungen beim Schulpsychologischen Dienst aufgrund von Schulabsentismus haben seit Januar 2021 zugenommen», so Katrin Gossner, Leiterin Sektion Schulpsychologie beim Aargauer Bildungsdepartement, zur «NZZ am Sonntag».

Schule ist kein ganz so sicherer Raum mehr

Die Gründe fürs Schwänzen sind vielfältig. Gemäss Fachleuten könnten dies Trennungsangst, Überforderung, Schulphobie, pubertäre Unlust oder depressive Verstimmungen sein, schreibt die Zeitung. Verstärkt werden diese Probleme durch die Coronakrise. «Diese allgemeine Unsicherheit und die Spaltungen, die wir im letzten Jahr erlebt haben, nahmen Kinder oft sehr intensiv wahr. Sie reagieren wegen des zusätzlichen Drucks heftiger mit Verhaltensauffälligkeiten», so Matthias Obrist, Leiter des Schulspychologischen Dienstes Zürich. So würden manche Kinder beispielsweise aus Angst vor dem Virus schwänzen. Früher sei die Schule ein sicherer Raum gewesen, wegen Lockdown, Quarantäne und ständigen Regeländerungen sei dies nun nicht mehr so klar.

Frühzeitig reagieren

Die Lehrer müssen dann gemeinsam mit den Schulpsychologen und den Eltern einen Weg finden, das Kind wieder in die Schule zu holen. Das sollten sie nicht zu spät tun, sagt Obrist: «Wenn ein Kind den Alltag in dem gewohnten Regelsystem nicht mehr schafft, dann handelt es sich um ein ernsthaftes Problem, das gelöst werden muss. Sonst zieht sich das Muster unter Umständen bis ins Erwachsenenleben weiter.» In Zürich wird deshalb ein Leitfaden für den Umgang mit dem Schwänzen erarbeitet.

In St.Gallen gibt es bereits eine engere Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Stellen. Dennoch sind während der Pandemie elf Fälle von Schulabsentismus behandelt worden – zuvor waren es drei Fälle gewesen.

(vro)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 10. Oktober 2021 15:48
aktualisiert: 10. Oktober 2021 15:48
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