Kurswechsel

Alkohol-Abstimmung bei der Migros wird zum Politikum

17. Mai 2022, 10:22 Uhr
In den kommenden Tagen können 2,3 Millionen Migros-Genossenschafterinnen und Genossenschafter über den Alkohol-Verkauf bei der Migros abstimmen. Nun ist mit Sucht Schweiz eine wichtige Lobbygruppe in die Abstimmung eingestiegen.

Es ist keine gewöhnliche Abstimmung und auch kein gewöhnlicher Unternehmerentscheid – die Migros und der Alkoholverkauf. Vielmehr ist es etwas, was unterschiedliche gesellschaftliche Kreise betreffen und auch interessieren. Und genau das zeigt sich mehr denn je. So macht «Sucht Schweiz», der Fachverband für Alkohol- und Drogenprobleme, eine richtige Social-Media-Kampagne gegen den Alkoholverkauf in der Migros, wie das «SRF» am Dienstag berichtet.

Social Media Kampagne gegen Alkoholverkauf

«Viele Menschen haben die Migros gern, gerade weil sie so ist, wie sie jetzt ist und keinen Alkohol verkauft. Deshalb möchten wir, dass sie so bleibt», wie Mediensprecher Markus Meury gegenüber «SRF» erläutert. Vor allem für Menschen mit Suchtproblemen sei das wichtig. In der Migros können sie einkaufen, ohne ständig in Versuchung zu geraten.

Auch die «Gruppe für die M-Werte» ist gegen den Alkoholverkauf gemäss «SRF». Dieser Zusammenschluss wurde unter anderem durch den früheren Migros-Direktor Herbert Bolliger und den früheren Migros-Cheflobbyist Martin Schläpfer organisiert. Laut Schläpfer gehe es schliesslich auch um die Identität der Migros: «Es geht auch immer mehr um Werte. Man sollte heute also ohne Not nicht auf ein Alleinstellungsmerkmal verzichten.»

Alkoholverkauf auch als geschäftliche Chance

Verschiedene Gremien haben sich allerdings bereits für den Alkoholverkauf ausgesprochen. Das Alkoholverbot sei eben nicht mehr zeitgemäss und eben auch eine geschäftliche Chance. «Die lebhafte Diskussion um ein Für und Wider beim Alkoholverkauf ist auch ganz im Sinne von Gottlieb Duttweilers geschaffener Demokratie in der Migros», sagt Migros-Sprecher Marcel Schlatter.

Selbst für Duttweiler war das Alkoholverbot kein in Stein gemeisseltes Statut, wie das «NZZ Magazin» schreibt. Aus der Zeit heraus, sei das Alkoholverbot verständlich, damals hätten eben viele Arbeiter auf dem Nachhauseweg ihren Lohn «versoffen». Allerdings, so der Zürcher Journalist und Autor Karl Lüönd, wäre für den Migros-Gründer die Anpassung an neue Verhältnisse stärker einzuschätzen als die Aufrechterhaltung einer vorgefassten Ideologie. 

Bis zum 4. Juni 2022 können die mehr als zwei Millionen Migros-Genossenschafterinnen und -Genossenschafter bis zum 4. Juni 2022 abstimmen. Bei Zustimmung werde dann ab 2023 Alkohol bei der Schweizer Detailhändlerin im Sortiment aufgenommen.

(sib)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 17. Mai 2022 09:55
aktualisiert: 17. Mai 2022 10:22
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