Standortentscheid

Atomendlager kommt nach Stadel in Zürich: «Der Entscheid ist ein No-Go!»

10. September 2022, 20:07 Uhr
Der Standort für die Lagerung von hoch radioaktiven Abfällen steht fest: Die Nagra hat sich für die Zürcher Gemeinde Stadel entschieden. Die Grundstückbesitzer wurden am Samstag bereits darüber informiert.

Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

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Fast 50 Jahre hat die Standortsuche gedauert, jetzt hat die Nationale Genossenschaft für die Lagerung von radioaktiven Abfällen Nagra sich für Nördlich Lägern entschieden. Im Rennen um den Standort für ein Atomendlager waren ausserdem das Gebiet Jura Ost auf dem Bözberg und Zürich Nordost im Weinland.

Standortentscheid durchgesickert

Geplant war, dass die Nagra den ausgewählten Standort am Montagmorgen bekannt gibt. Gemäss TeleZüri-Recherchen steht der Entscheid aber jetzt schon fest. Das Atomendlager wird in Stadel im Kanton Zürich entstehen. Die Grundstückbesitzer in Stadel wurden am Samstagvormittag von der Nagra informiert.

Ein bitterer Entscheid für den Verein «Lägern Nord ohne Tiefenlager», kurz LoTi, welcher sich gegen ein Atomendlager im Gebiet Nördlich Lägern wehrte. «Wir sind enttäuscht von der Nagra, dass sie eine solche Kehrtwende macht», sagt Co-Präsidentin Astrid Andermatt. Das könne sie sich von einer solch seriösen Organisation wie der Nagra gar nicht vorstellen. «Der Entscheid ist ein No-Go. Stadel fiel im Rennen um den Standort für ein Atomendlager vor sieben Jahren raus, weil es der schlechteste aller möglichen Standorte war. Und jetzt soll es plötzlich der beste sein?», wundert sich Andermatt über den Nagra-Entscheid.

Fragwürdige Kommunikation

Das Bundesamt für Energie bestätigte gegenüber CH Media, dass am Samstagvormittag Grundeigentümer in Stadel informiert worden seien und damit der definitive Entscheid fiel. Für LoTi-Co-Präsidentin Astrid Andermatt eine fragwürdige Kommunikation: «Ich verstehe zwar, dass zuerst die Grundstückbesitzer informiert werden müssen. Danach sollte der Entscheid aber schnell an die Öffentlichkeit getragen werden.» Andermatt als Mitglied der Opposition fühlt sich deshalb nicht ernst genommen.

Aargau trotzdem betroffen

Ganz unverschont bleibt der Kanton Aargau bei diesem Standortentscheid aber nicht. Der Bau des Tiefenlagers wird womöglich auch die anliegenden Aargauer Gemeinden Fisibach, Schneisingen und Siglistorf betreffen. Zudem wird der Atommüll künftig in Würenlingen, wo heute schon radioaktive Abfälle zwischengelagert werden, verpackt.

Quelle: TeleM1

Unzufriedene Bevölkerung in Stadel

Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Stadel waren bereits vor dem Entscheid nervös. «Wer will schon ein Endlager im Garten», sagte beispielsweise Ramona Keller, auf deren Wiesen das Tiefenlager nun offenbar entstehen soll. «Spätestens wenn hier gebaut wird und der Schwerverkehr kommt, dann ist das hier nicht mehr unser Zuhause.»

Quelle: TeleZüri

Umsetzung des Projekts dürfte noch dauern

Bis das Projekt umgesetzt wird, wird es jedoch noch eine Weile dauern. Rund sieben Jahre muss gewartet werden, bis der Bundesrat über die Rahmenbewilligungen für den Bau des Tiefenlagers entscheidet. Danach geht das Geschäft in den National- und Ständerat. Und wenn gegen den Entscheid schliesslich das Referendum ergriffen wird, wird auch das Schweizer Volk darüber an der Urne abstimmen dürfen. Mit der Inbetriebnahme des Schweizer Tiefenlagers ist dann aber erst ab dem Jahr 2050 zu rechnen.

(zoe/ova)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 10. September 2022 13:43
aktualisiert: 10. September 2022 20:07